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Hodenhochstand (Maldescensus testis)

Was ist ein Hodenhochstand?

Als Hodenhochstand wird der nicht ausreichend erfolgte „Abstieg“ der Hoden aus dem Bauchraum in den Hodensack bezeichnet. Meist liegen solcherart betroffene Hoden im Leistenkanal oder noch im Bauchraum, der Hodensack ist leer. Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen kontrolliert der Kinder- und Jugendarzt die Lage der Hoden bei den kleinen Patienten regelmäßig. Deshalb sollten Eltern keinen Termin versäumen. Die beiden Hoden bilden sich im Bauch des männlichen Feten. Sie produzieren die Spermien und das Geschlechtshormon Testosteron, dass beispielsweise für den Bartwuchs oder die tiefe Stimme verantwortlich ist. Die Spermien sind sehr hitzeempfindlich und nur lebens- oder funktionsfähig, wenn die Temperatur nicht so hoch wie im Körperinneren des Menschen ist. Deshalb wandern die Hoden in den letzten beiden Monaten vor der Geburt aus der Bauchhöhle heraus in den Hodensack. Die Hoden werden quasi nach außen verlagert. 

Maldescensus testis
Etwa 3% der Neugeborenen leidet unter einem Hodenhochstand.

Bei etwa 3% der männlichen Neugeborenen geschieht dies nicht zeitgerecht. Bei Frühgeborenen tritt ein Hodenhochstand zehnmal mehr als bei ihren zeitgerecht geborenen Altersgenossen auf. In den letzten Jahren hat die Zahl der Betroffenen jedoch zugenommen – als auslösende Faktoren stehen u.a. die Zunahme hormonähnlicher Umweltschadstoffe, Rauchen während der Schwangerschaft und Hormonbehandlungen der Mutter im Verdacht.

Ein Hodenhochstand (Maldescendus testis), der nicht frühzeitig behandelt wird, erhöht nicht nur das Risiko für eine eingeschränkte Zeugungsfähigkeit (Infertilität), sondern verdoppelt auch das Risiko für die Entwicklung eines Hodentumors. Heute gilt die Empfehlung, dass die Therapie eines Hodenhochstands vor Ende des ersten Lebensjahres abgeschlossen sein sollte, da bekannt ist, dass ein nicht in den Hodensack abgestiegener Hoden schon innerhalb der ersten sechs bis zwölf Lebensmonate aufgrund der für ihn zu hohen Körpertemperatur Schäden zeigt. In einigen Fällen wandert der Hoden zwar von alleine in den ‚kühleren’ Hodensack (ca. 7%), doch ist in der Regel nach dem Alter von sechs Monaten keine Änderung mehr zu erwarten.

Insgesamt sind 3% der Jungen von einem Hodenhochstand betroffen, der in der Regel nicht mit Schmerzen verbunden ist. Die Behandlung des Hodenhochstands erfolgt zunächst mit Hormonen, die über Nasensprays und/oder Spritzen verabreicht werden. Bei jedem siebten Jungen ist zusätzlich eine kleine Operation in einer Tagesklinik erforderlich.

Autor: äin-red

Fachliche Unterstützung: Dr. Gunhild Kilian-Kornell

letzte Änderung: 28.03.2016