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Hämangiom (Blutschwämmchen)

Was ist ein Blutschwämmchen (Hämangiom)?

Blutschwämmchen (Hämangiome) treten sehr häufig bei Neugeborenen auf. Sie entstehen durch eine gutartige Wucherung der innersten Gefäßwand aufgrund einer Unreife des Gefäßsystems. Es gibt völlig unterschiedliche Arten mit völlig unterschiedlichen Verlaufsformen. Manchmal ist keine Therapie erforderlich, da sich das Blutschwämmchen wieder von alleine zurückbildet. Doch sollte die Hautveränderung immer möglichst rasch einem Kinder- und Jugendarzt gezeigt werden. Denn der richtige Therapiezeitpunkt ist entscheidend für den Erfolg der Behandlung. In Zweifelsfällen muss  - z.B. zur Abgrenzung von Gefäßfehlbildungen - ein Gefäß-Spezialist hinzugezogen werden.

Symptome & Krankheitsbild

Blutschwämmchen (© Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Prof. Dr. Hans-Jörg Cremer)
Blutschwämmchen, Hämangiom (© Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Prof. Dr. Hans-Jörg Cremer)

Die häufigsten Hämangiome sind die so genannten „lokalisierten Hämangiome“ (LHs). Diese gehen von einem zentralen Herd aus, sind bei der Geburt meist noch nicht sichtbar und wachsen dann als rötliche, runde kleine Erhebungen. Sie vergrößern sich zunächst mehr oder weniger schnell, bis das Baby etwa ein halbes oder ein Jahr alt ist. Dann bilden sie sich in der Regel langsam wieder zurück. Im Gesichtsbereich sind sie kosmetisch besonders störend und sollten daher möglichst früh behandelt werden („kosmetischer Notfall“).  Dies gilt vor allem bei Sitz im Nasenbereich (kann zu Nasendeformierung im Sinne einer so genannten Cyrano-Nase führen), im Augenbereich  (bei Sichtbehinderung droht eine funktionelle Erblindung) und im Lippenbereich (häufig keine Spontanrückbildung).

Bei Lokalisation im Stammbereich oder auch an Armen und Beinen ist die kosmetische Beeinträchtigung wesentlich geringer, so dass die weitere Entwicklung oft abgewartet werden kann („wait and see“). Allerdings sollten LHs im Bereich von Genitale und After auch möglichst rasch behandelt werden, da dort die Gefahr einer Ulzeration (Geschwürbildung) besteht. Auch bei Lokalisation im Fingerbereich (u.U später Tastprobleme) und Zehenbereich (u.U. später „Schuhprobleme“) ist eine Behandlung zu erwägen. Ansonsten empfiehlt sich auch eine Frühbehandlung bei sehr raschem Wachstum.

Die wesentlich selteneren so genannten „segmentalen Hämangiome“ finden sich meist im Gesichtsbereich. Bei Geburt sind sie oft nur als wenig auffallende flächige Rötungen erkennbar. Sie wachsen dann meist sehr rasch und können sich auf ganze Gesichtssegmente ausbreiten. Bei ihnen besteht die Gefahr, dass sie mit anderen Fehlbildungen verbunden bzw. andere Organe beteiligt sind. Sie sollten unbedingt möglichst rasch in einem erfahrenen Zentrum vorgestellt werden.
Bei segmentalen Hämangiomen im Mundbereich kann auch die Luftröhre betroffen sein, so dass die Atmung behindert wird.

Darüber hinaus gibt es noch eine ganze Reihe weiterer (allerdings sehr seltener) Formen, die auch teilweise nicht eindeutig zugeordnet werden können. Es gilt daher für alle Blutschwämmchen bzw. Hämangiome, dass sie prinzipiell möglichst rasch von einem erfahrenen Kinder- und Jugendarzt beurteilt werden sollten. Dieser wird dann in allen Zweifelsfällen erfahrene Zentren zu Rate ziehen.

Diagnose

Blutschwamm (© Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Prof. Dr. Hans-Jörg Cremer)
© Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Prof. Dr. Hans-Jörg Cremer

Bei den häufigsten Hämangiomen – den lokalisierten Hämangiomen - reicht zunächst meist die „Blickdiagnose“, allerdings ist eine genaue Bestimmung der Tiefenausdehnung nur mittels zusätzlicher Ultraschalluntersuchungen (u.U. auch kombiniert mit Farbdoppler) möglich. Diese Untersuchungen erlauben auch Aussagen über die Aktivität eines Hämangiomes und ob eine weitere Behandlung noch erforderlich ist.

Therapie

Für die Behandlung therapiebedürftiger lokalisierter Hämangiome stehen inzwischen weitestgehend nebenwirkungsfreie Behandlungsmethoden zur Verfügung auf deren frühzeitigen Einsatz bei Bedarf heute wirklich nicht mehr verzichtet werden sollte. Ziel einer jeden Behandlung ist dabei nicht vorrangig eine sofortige Entfernung, sondern das Erreichen eines möglichst raschen Wachstumsstopps mit möglichst geringen Nebenwirkungen.

Die Auswahl der geeigneten Therapie wird bestimmt von der Tiefenausdehnung, der Lokalisation und von der Erfahrung des behandelnden Arztes.

Kryotherapie

Für eine Kältebehandlung der LHs eignen sich besonders elektrisch betriebene Geräte welche mit minus 30-40°C arbeiten bei einer Eindringtiefe von 2-3 (-4) mm.

Auch eine Behandlung mit flüssigem Stickstoff (-196°) zeigt in der Hand des Erfahrenen gute Ergebnisse.

Lasertherapie

Gleichwertige Ergebnisse lassen sich mit einer Laserbehandlung erzielen, wobei die Auswahl der geeigneten Laserart wiederum entscheidend von der Tiefenausdehnung der Hämangiome abhängt (gepulster Farblaser bis 2 mm, ND–Laser für tiefliegende Hämangiome). (Einzelheiten zur Therapiewahl wird der Therapeut erklären)

Für die Behandlung segmentaler Hämangiome im Gesichtsbereich kommt in erster Linie eine Kortisonbehandlung in Frage. Hierfür sind weder die Kryotherapie noch eine alleinige Lasertherapie geeignet.

Je nach Verlauf kommen noch andere Maßnahmen in Frage, welche aber nur an sehr erfahrenen Zentren durchgeführt werden sollten.

Operation

Ein chirurgischer Eingriff ist selten erforderlich. Bei Sitz tiefliegender lokalisierter Hämangiome im Bereich des behaarten Kopfes ist eine Operation oft am günstigsten, um dadurch die Entstehung  bleibend  haarloser Stellen zu vermeiden.

Propranolol

Französische Forscher aus Bordeaux haben durch Zufall entdeckt, dass das blutdrucksenkende Mittel Propranolol - auch als Beta-Blocker bekannt – (Hämangiome) schrumpfen lässt. Die Mediziner hatten Kinder aufgrund von Herz-Kreisauf-Problemen mit diesem Wirkstoff behandelt und dabei festgestellt, dass sich Hämangiome dadurch zurückbilden. Amerikanische Forscher der John Hopkins Universität und deutsche Wissenschaftler um Professor Hans-Jörg Cremer, Mitglied der ISSVA (International Society for the Study of Vascular Anomalies) und ehemaliger Leiter der städtischen Kinderklinik in Heilbronn (Klinikleiter: Prof. Dr. W. Kachel), bestätigten die Resultate. Bisher konnten bestimmte Formen von Hämangiomen, wie z.B. im Gesichtsbereich, nur mit Lasern oder mit Kortison behandelt werden. Kortison hat eine Reihe von Nebenwirkungen, wie erhöhter Blutzuckerspiegel, Wasseransammlung im Gewebe, Abnahme der Knochenmasse (Osteoporose), Magenschleimhautentzündung, verlangsamtes Wachstum oder Schwächung des Immunsystems. Eine Laserbehandlung macht eine Narkose erforderlich. Der Beta-Blocker Propranolol ist dagegen schon lange im Gebrauch und hat im Vergleich dazu relativ wenig negative Folgen.

Quellen

  • Höger, P.H.: Hämangiome. Monatsschr Kinderheilkd 159, 1109 (2011).
  • Rössler, J. et al.: Medikamentöse Behandlungsansätze für infantile Hämangiome und lymphatische Malformationen. HNO 62, 12 (2014).

Autor: äin-red

Fachliche Unterstützung: Prof.Dr. H.-J. Cremer

letzte Änderung: 28.03.2016