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Herausgeber:

Sönke Hinz, Leester Str. 44, 28844 Weyhe - Leeste

Säuglingsernährung



Muttermilch ist die optimale Ernährung für den Säugling


Das Stillen wird weltweit in den ersten 4 – 6 Monaten empfohlen. Mit Einführung der Breikost kann weiter teilgestillt werden. Nach dem ersten Lebensjahr hat das Stillen keine Vorteile mehr.


Die Vorteile des Stillens sind vielfältig.


Die Muttermilch entspricht hinsichtlich Zusammensetzung der Nährstoffe, der Verdaulichkeit und der Verwertung optimal den Bedürfnissen des Säuglings.

Durch die Übertragung von Immunstoffen entsteht ein relativer Schutz vor zahlreichen Infektionskrankheiten.

Als langfristige Vorteile ergeben sich ein vermindertes Risiko gegenüber der Entstehung von chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Morbus Crohn, allergischen Erkrankungen und Übergewicht.

Die Mutter-Kind-Beziehung wird gefördert.

Die Nahrung steht ständig bei optimaler „Betriebstemperatur“ zur Verfügung.



Ab Ende des 4. Lebensmonats (offensichtlich möglichst vor dem 6. Lebensmonat)wird schrittweise Beikost eingeführt, beginnend mit

Gemüsebrei mit Fleisch (mittags)
Getreide-Vollmilchbrei (abends)
Getreide-Obst-Brei, milchfrei (nachmittags)


Quelle: Monatsschrift für Kinderheilkunde 149. Band/Heft1/Januar 2001
Quelle: Monatsschrift für Kinderheilkunde 149. Band/Heft1/Januar 2001
 


In den ersten 4 – 6 Monaten benötigt der gesunde Säugling keine zusätzliche Flüssigkeit außer in Situationen die mit Infektionen (Fieber), vermehrtem Schwitzen oder Appetitlosigkeit einhergehen.

Mit Einführung der Beikost können in zunehmenden Maße Getränke in Form von Wasser oder ungesüßtem Tee angeboten werden. Ab dem 10. Lebensmonat wird eine Flüssigkeitszufuhr von etwa 200 ml empfohlen.


Ab dem 9.Lebensmonat kann morgens langsam auf eine Brot-Milchmahlzeit umgestellt werden.


Sollte das Stillen aus verschiedenen Gründen nicht möglich sein, steht Milchersatznahrung zur Verfügung.

In der untenstehenden Tabelle sind die unterschiedlichen Milchen aufgeführt.

Quelle: Monatsschrift für Kinderheilkunde 149. Band/Heft1/Januar 2001
Quelle: Monatsschrift für Kinderheilkunde 149. Band/Heft1/Januar 2001
 


In den ersten 6 Monaten und auch als Zusatznahrung zur Muttermilch sollte lediglich die Säuglingsanfangsnahrung als „Pre“ oder „1“er Nahrung Verwendung finden. Die Folgemilchen sind eigentlich entbehrlich, denn die Anfangsnahrung können Sie – ähnlich wie die Muttermilch - das ganze Jahr hindurch geben. Die Menge können Sie den Bedürfnissen des Säuglings anpassen.

Sie sollten sich jedoch nicht angewöhnen, Befindlichkeitsstörungen des Säuglings wie Schreizustände regelmäßig mit Nahrungs- oder Trinkzufuhr zu beantworten.

Die Selbstherstellung von Säuglingsmilch kann selbst bei sorgfältigster Beachtung der altersabhängigen Rezeptur in keiner Form die Sicherheit und ernährungsphysiologische Qualität erreichen wie industriell hergestellte Säuglingsmilch. Sie ist deshalb aus medizinischer Sicht abzulehnen und nicht empfehlenswert.

Das gleiche gilt für Getreide-Milch-Mischungen (Frischkornmilch),
pflanzliche „Milchnahrung“ (Mandelmilch, Reismilch, Sojamilch) oder
alternative Tiermilchen (Ziegen-, Stutenmilch).

Kuhvollmilch als Flaschennahrung führt im frühen Säuglingsalter zu lebensbedrohlichen Erkrankungen und sollte frühestens gegen Ende des 1. Lebensjahres eingesetzt werden. Bei den geringen Mengen von bis zu 200 ml Vollmilch im Getreidevollmilchbrei ab dem 7. Lebensmonat bestehen dagegen keine Bedenken.

Besondere Milchen:

Zu ihnen gehören Sojamilchen und HA-Nahrungen sowie spezielle Diätmilchen.


Sojamilchen sind nur indiziert, wenn aus Krankheitsgründen eine kuhmilchfreie Ernährung erforderlich ist. Zur Allergieprävention sind sie nicht geeignet.


HA-Nahrungen sollten nur zur Allergieprävention eingesetzt werden, wenn das Stillen nicht möglich ist. Durch sie kann das Risiko einer Allergieentstehung gemindert oder das Auftreten von Symptomen verzögert werden. Vorraussetzung ist, dass wenigstens ein Elternteil eine allergische Symptomatik (Heuschnupfen, Asthma, Neurodermitis) aufweist.


Diätmilchen bei Verdauungsbeschwerden (Erbrechen, Blähungen) sind allenfalls im Einzelfall sinnvoll, in den meisten Fällen jedoch entbehrlich.


Im Gegensatz zu Säuglingsmilchen ist die Selbstherstellung der verschiedenen Breie als Beikost möglich. Die Nahrungsmittel zur Herstellung von Säuglingsbreien gelten als ausreichend sicher. Kommerzielle Säuglingsnahrung hat den Vorteil praktisch pestizidfrei zu sein, bietet dadurch einen zusätzlichen Sicherheitsstandard und es wird durch Jod-Anreicherung für eine ausreichende Jodzufuhr gesorgt.

Quelle: Monatsschrift für Kinderheilkunde 149. Band/Heft1/Januar 2001
Quelle: Monatsschrift für Kinderheilkunde 149. Band/Heft1/Januar 2001
 


Für Schwangere und Stillende gilt, dass zur ausreichenden Jodversorgung tgl. Jod-Tablatten (200 µg) eingenommen werden sollten, um eine ausreichende Jodversorgung des Ungeborenen oder Säuglings zu gewährleisten.


Gegen Ende des 1. Lebensjahres sollte die Nahrungszufuhr über die Flasche oder das Stillen langsam beendet werden und eine Umstellung auf die Familienernährung erfolgen.


Dabei ist zu beachten, dass die Kleinkinder


1. keine kleinen, festen Nahrungsmittel erhalten, an denen sie sich verschlucken können wie Nüsse (vor allen Dingen Erdnüsse!), Beeren oder Karottenstücke

2. keine sehr fettreichen, salzhaltigen oder geräucherten Nahrungsmittel (Konserven, bestimmte Wurstwaren, Käse, Ketchup, Soßen) erhalten

3. sich langsam an schwer verdauliche Nahrungsmittel gewöhnen sollten wie z.B. Hülsenfrüchte


Spezielle Kleinkinderlebensmittel wie Kleinkindermilch, -säfte, -menues,
-kekse, sind nicht nur teuer und ernährungsphysiologisch unnötig sondern auch aus erzieherischen Gründen wenig sinnvoll. Als Zwischenmahlzeiten eignen sich dagegen ballaststoffreiche, kalorienarme Nahrungsmittel wie Obst oder Gemüse.

Getränke zwischendurch sollten immer nahezu kalorienfrei sein.

Werden kalorienhaltige Getränke gegeben, so zählen sie als zusätzliche Mahlzeit. Es ist dann nicht verwunderlich, wenn die Kinder die eigentliche nächste Mahlzeit ablehnen oder – wenn sie sie trotzdem zu sich nehmen – Gewichtsprobleme bekommen.


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