Kinder- & Jugendärzte im Netz

Ihre Haus- & Fachärzte von der Geburt bis zum vollendeten 18. Lebensjahr

Herausgeber:

Dr. med. Matthias Krueger, Kinder- und Jugendarzt, 63911 Klingenberg

Husten - was ist das?

Viele Fragen:

  • Was ist Husten?
  • Gibt es verschiedene Arten von Husten?

  • Wann sollte bei Husten ein Arzt aufgesucht werden?

  • Wie kann ich lindern?

Husten ist ein Reinigungsreflex, er dient der Reinigung der Atemwege. So wie das Niesen die Nase von Fremdkörpern oder Sekret befreit, reinigt Husten die Atemwege. Hierbei gibt es blubbernden, trockenen, bölkenden, feuchten, bellenden, rasselnden, krachenden, brodelnden, kläffenden, usw., außerdem banalen und gefährlichen Husten.

In den allermeisten Fällen ist bei Kindern Husten ein einfaches Zeichen einer einfachen Krankheit im Bereich der Atemwege. Dabei muss Husten nicht zwangsläufig aus den Bronchien oder der Lunge stammen; meist sogar kommt er eher „von oben"! Husten von oben heißt, dass Schleim aus den oberen Atemwegen (Nase und Rachenraum) in den Eingang zu den tieferen Atemwegen (den Kehlkopf)  tropft und von dort weggehustet werden muss. Beim Erwachsenen liegt die Luftröhre viel weiter vorn als beim kleinen Kind (sichtbar am „Adamsapfel" des Mannes); wenn er die „Nase voll" hat, fließt der Schleim in die Speiseröhre, er schluckt dann einfach das Sekret. Bei Kindern hingegen liegt die Luftröhre weiter hinten, was bewirkt, dass der Schleim dorthin tropft. Es kann also Husten ein einfacher „Abtropf-Effekt" bei Schnupfen sein! Gerade dieser Husten darf aber (so lästig er auch ist) nicht gedämpft werden, da er dafür sorgt, dass der Schleim nicht in die unteren Atemwege kommt.

Husten am Tag kann ein Zeichen einer Bronchitis darstellen (eines „Schnupfens" der Bronchien). Auch dieser Husten sollte nicht gestillt werden, sonst bleibt der Schleim in den Bronchien liegen; dort ist er ein idealer Nährboden für Bakterien, also die Grundlage für eine Lungenentzündung! Manchmal ist in dieser Situation  eine Schleimlösung notwendig, die dann sogar zu mehr Husten führen kann (damit der „Dreck" besser herauskommt)!

Wenn also eine Hustenstillung nicht sinnvoll ist, wie können Sie als Eltern dennoch Ihrem Kind helfen?

  • Das Kind viel trinken lassen,

  • viel Spazierengehen in frischer (auch kühler!) Luft,

  • lokale Gabe einer Kochsalzlösung („Rezept" s. unten),

  • die Zimmerluft anfeuchten,

  • physikalische Maßnahmen (lockeres Abklopfen des Brustkorbs),

  • für saubere Luft in der Wohnung sorgen (dem Opa die Zigarre aus der Hand nehmen - für die Gesundheit seines Enkels sollte er es zulassen) und -nicht zuletzt-

  • Geduld haben (ein einzelner, einfacher Infekt braucht in der Regel sieben Tage mit Doktor und eine Woche ohne Doktor, um auszuheilen).

Die gern gegebenen ätherischen Öle (z.B. Babix, Stas mild, Pinimenthol etc.) allerdings empfehlen wir Kinderärzte nicht so sehr;  sie reizen häufig die Haut (was zu Ausschlag führt), aber genauso auch die Bronchial-Schleimhaut (was eine Verstärkung einer bronchialen Überreaktion und damit eine Verschlechterung der eigentlich einfachen Krankheit bewirken kann). Weiteres dazu siehe auch hier.

Im Kleinkindesalter bestehen allerdings häufig sogenannte Infektketten, bei denen sich ein Atemwegsinfekt an den anderen reiht. Das wirkt manchmal für Sie, als sei ihr Kind gar nicht richtig gesund gewesen; wenn Sie aber dann die letzten Wochen kritisch betrachten, gab es doch immer wieder Situationen, in denen Sie sich sagten: „na, endlich ist es vorbei...", und ganz kurz darauf ging es wieder los. Dies ist ein normaler  (natürlich nicht schöner!) Vorgang, bei dem sich das Abwehrsystem schult. So sind zwölf Infekte im Jahr im Kleinkindalter normal; da sie vorwiegend in den sechs Monaten von Oktober bis April auftreten, sind in dieser Zeit alle zwei Wochen eine neue Ansteckung nichts Seltenes.

Es gibt aber auch Husten mit ernsteren Ursachen, dazu zählt der Husten bei

  • Lungenentzündung,

  • obstruktiver Bronchitis (früher „spastische B." genannt) und

  • sog. Pseudocroup.

Wie können Sie als Eltern diese ernsteren Formen unterscheiden? Das können Sie nicht; das sollten Sie die Kinderärztin oder den Kinderarzt Ihres Vertrauens entscheiden lassen. Sie sollten aber (im wahrsten Sinne des Wortes) aufhorchen und das Kind zur Untersuchung vorstellen, wenn

  • Husten mit Luftnot verbunden ist,

  • Nebengeräusche beim Ein- oder Ausatmen von Ihnen wahrnehmbar sind,

  • anhaltendes Fieber besteht und/oder

  • eine beschleunigte Atmung vorliegt.

In den genannten Situationen wird nach einer Untersuchung des Kindes die vorliegende Krankheit und die daraus folgende geeignete Behandlung mit Ihnen und dem Kind besprochen. Das hat mit der Verordnung von „Hustensäften" aber nichts zu tun, sondern es geht um eine gezielte Behandlung einer Krankheit!

Hier nun das angesprochene Rezept, das Sie sich jederzeit selbst herstellen können; mit dieser Maßnahme lindern Sie subjektive Beschwerden Ihres Kindes; die Krankheit können Sie dadurch selbstverständlich nicht beseitigen, das muss Ihr kleiner Patient mit seinem Abwehrsystem selbst tun.

Hypertone (2,5%ige) Kochsalzlösung: Einen Teelöffel normales Haushalts-Kochsalz in 200 ml Wasser kurz aufkochen lassen, bis es sich ganz gelöst hat, diese Lösung in ein ausgekochtes Pipettenfläschen (ein altes Nasentropfen-Fläschchen haben Sie sicher zu Hause) geben (Rest in einem geeigneten Gefäß aufbewahren). Dosis: bis zu 3 x täglich zwei Tropfen in jedes Nasenloch geben. Man kann die Lösung im Fläschchen benutzen, bis darin Kristalle zu sehen sind, dann verwirft man die Lösung und füllt aus dem Vorrat nach.

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