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17.04.2009

Zucker mildert Babys Schmerzen und beruhigt es

Zuckerwasser kann im Klinikalltag bei Babys als Schmerz- und Beruhigungsmittel eingesetzt werden, so das Ergebnis einer kanadischen Studie. Es wirkt sehr schnell innerhalb von einer Minute. Die schmerzlindernde Wirkung hält 10 Minuten an, der beruhigende Effekt lässt erst nach etwa einer Stunde nach...

Kanadische Forscher haben herausgefunden, dass Zuckerwasser Babys nicht nur während schmerzhafter Prozeduren wie beim Spritzengeben helfen kann, sondern darüber hinaus auch mindestens bis zu einer Stunde danach einen beruhigenden Effekt hat. „Da Babys nicht beliebig viele Zuckerdosen erhalten sollten, um einen zu hohen Blutzuckerspiegel zu vermeiden und eine Gewöhnung mit sehr negativen Folgen für die spätere Zahngesundheit zu verhindern, hat diese Erkenntnis nur praktische Bedeutung für den Klinikalltag. Zucker sollten Neugeborene nur erhalten, um Schmerzen zu lindern. Stressbehaftete Aktionen, wie das Wechseln der Windeln, können Betreuer anschließend im Zeitraum von einer Stunde erledigen, da das Baby dann weniger unruhig reagiert“, erklärt Prof. Hans-Jürgen Nentwich, Vorstandsmitglied des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte.

Dr. Anna Taddio und ihre Kollegen von der Universität von Toronto, der York-Universität und dem Mount Sinai Krankenhaus untersuchten 240 Babys, nachdem die Hälfte von ihnen Zuckerwasser erhielten und die andere Hälfte nur Wasser. Sie bewerteten die Reaktionen der Kinder auf Schmerz und unangenehme Reize mithilfe des Pulses, des Gesichtsausdrucks, wie das Zusammenkneifen der Augen sowie das Zusammenziehen der Augenbrauen. Dabei zeigte die mit Zuckerwasser behandelte Gruppe deutlich weniger Schmerzreaktionen und reagierte auf Störungen weniger empfindlich und nicht so schnell unruhig.

Laut den Wissenschaftlern sind noch weitere Studien nötig, um zu klären, warum Zucker den Schmerz lindern kann und beruhigend wirkt und ob die Verwendung von Zucker auch in anderen Situationen hilfreich sein kann. Vorangehende Studien weisen darauf hin, dass durch den süßen Geschmack körpereigene Opioide aktiviert werden, da die Wirkung sehr schnell innerhalb von einer Minute einsetzt und 10 Minuten anhält. Die verlängerte dämpfende Wirkung beruht vermutlich u.a. auf einem ähnlichen, durch die Verdauung ausgelösten Mechanismus, so die Hypothese der in Pediatrics veröffentlichten Arbeit. „Ein schneller Anstieg des Blutzuckers führt wahrscheinlich zu einer Erhöhung des Serotoninspiegels – ein Neurotransmitter für Glücksgefühle, der beruhigt, die Stimmung verbessert und die Schmerzempfindlichkeit herabsetzt“, so Prof. Nentwich.

Autor: äin-red