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06.07.2018

Zu viele außerschulische Aktivitäten können das Familienleben belasten

Immer mehr Kinder nehmen an immer mehr organisierten Aktivitäten außerhalb der Schule teil. Dies führt zu einer beispiellosen Belastung der Familien – zumindest konnten das Forscher bei britischen Familien nachweisen.

Eine aktuelle Studie, die in der Zeitschrift „Sport, Education and Society“ veröffentlicht wurde, zeigt, welche große Rolle außerschulische Aktivitäten wie Musikunterricht und Sportvereine heute im Familienleben spielen.
Um die Auswirkungen der außerschulischen Aktivitäten der Kinder auf das Familienleben zu verstehen, haben die Forscher fast 50 Familien aus zwölf Grundschulen in Nordwestengland befragt.

Ein Großteil der Kinder hat jeden Schultag zusätzlich außerschulische Termine

Die britischen Wissenschaftler stellten fest, dass die Mehrheit der Kinder (88%) an vier bis fünf Tagen pro Woche an organisierten Aktivitäten teilnahm, wobei 58% der Kinder mehr als einen Termin an einem Tag absolvieren mussten. Außerschulische Aktivitäten diktierten daher das Familienleben insbesondere von Familien mit mehr als einem Kind.

Folglich verbrachten Familien weniger Zeit miteinander, und die Geld- und Energiereserven der Eltern waren deshalb oft erschöpft. Eine Mutter berichtete von "kaputten" Kindern, die erst um 21 oder 22 Uhr nachhause kämen, und gab zu, dass sie froh sei, wenn etwas abgesagt würde.

Den Experten zufolge fühlen sich Eltern unter wachsendem Druck durch andere Eltern, Kinder und die Schule, die scheinbar einen übervollen Terminkalender auch außerhalb der Schule erwarten.

Dr. Sharon Wheeler, die Hauptautorin der Studie, erklärte: "Wir wissen, dass Eltern besonders darauf bedacht sind, dass ihre Kinder im Leben vorankommen. Eltern initiieren und ermöglichen die Teilnahme ihrer Kinder an organisierten Aktivitäten, weil sie glauben, dass dies gute Eltern tun. Sie hoffen, dass solche Aktivitäten ihren Kindern sowohl kurzfristig (indem sie fit und gesund bleiben und ihnen helfen, Freundschaften zu knüpfen) als auch längerfristig (durch Verbesserung ihrer beruflichen Aussichten) zugutekommen.“
"Unsere Untersuchung zeigt jedoch, dass die Realität etwas anders aussehen kann. Selbst wenn Kinder von einigen Vorteilen z.T. profitieren können, kann ein straff organisierter außerschulischer Terminplan die Elternressourcen und die Familienbeziehungen erheblich belasten und die Entwicklung und das Wohlbefinden von Kindern beeinträchtigen."

Dass immer mehr Familien im Besitz von mehreren Autos sind und berufstätige Mütter nur noch wenig Zeit zur Verfügung haben, trägt dazu bei, dass außerschulischen Angebote immer mehr genutzt werden, warnt Wheeler die Eltern davor, es zu übertreiben.

Die Sensibilisierung für dieses Thema könne jenen Eltern helfen, die sich unter Druck gesetzt fühlen, in außerschulische Kurse, Programme, Trainingslager und Ähnliches für ihre Kinder zu investieren. Sie sollten sich auch über die Auswirkungen solcher Termine auf ihre Familie Gedanken machen und evtl. ein weniger hektisches Programm für ihre Kinder planen, rieten die Autoren.
"Bis ein gesundes Gleichgewicht erreicht ist, werden außerschulische Aktivitäten weiterhin Vorrang vor der Familienzeit haben und möglicherweise mehr schaden als nützen", fürchten die Experten.

Quelle: Science Daily; Taylor & Francis Group; Sport, Education and Society






Autor: äin-red