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01.05.2019

Windpocken können für Schwangere, Säuglinge und Immungeschwächte gefährlich werden

In der Regel überstehen gesunde Kinder eine Windpocken-Erkrankung, die durch das Varizella-zoster-Virus ausgelöst wird, ohne Probleme.

„Eine Windpocken-Erkrankung während der ersten 5 Monate einer Schwangerschaft kann aber zu schweren Fehlbildungen des Kindes führen. Für Neugeborene von Frauen, die Windpocken nach der Geburt entwickelt haben, kann eine Infektion lebensgefährlich sein. Besonders hoch ist das Sterberisiko bei Immungeschwächten. Treten Windpocken bei älteren Menschen auf, können sie ebenso schwer verlaufen. Bei Erwachsenen kann die Krankheit zudem tiefe Narben hinterlassen“, verdeutlicht Prof. Dr. Hans-Jürgen Nentwich, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied des wissenschaftlichen Beirats beim Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). 

Um gefährdete Personen- und Altersgruppen zu schützen, muss eine Durchimpfungsrate von mindestens 80% erreicht und aufrecht erhalten bleiben „Den einzig zuverlässigen Schutz vor einer Infektion bietet die Impfung mit zwei Dosen. Wer nur eine Impfung erhalten hat und die zweite versäumt hat, riskiert noch zu erkranken und andere anzustecken“, so Prof. Nentwich. Die erste Impfung gegen Windpocken wird in der Regel im Alter von 11 bis 14 Monaten durchgeführt, entweder gleichzeitig mit der 1. MMR-Impfung oder frühestens vier Wochen nach dieser. Die zweite Dosis sollten Kinder im Alter von 15 bis 23 Monaten erhalten (kann mit einem MMRV-Kombinationsimpfstoff, d.h. Impfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen erfolgen). Versäumte Impfungen sind möglichst frühzeitig nachzuholen. Insbesondere Frauen mit Kinderwunsch sollten ihren Impfstatus überprüfen. Ohne Impfung würde sich fast jedes Kind mit Windpocken anstecken. Bei der Schuleingangsuntersuchung 2016 hatten 84,3% der Schüler mit Impfausweis alle beiden Impfungen erhalten.

In der Umgebung eines Erkrankten entwickeln neun von zehn Kontakte Varizellen

Windpocken sind sehr ansteckend - wenn auch nicht so sehr wie Masern. Ein Erkrankter steckt in der Regel neun von zehn Haushaltskontakten mit Varizellen an. Die Infektion erfolgt durch Kontakt mit virusbelasten Tröpfchen aus der Nase oder aus dem Mund-Rachen-Raum, den Augen oder Sekret aus dem Hautausschlag eines Erkrankten – übertragen über die Luft z.B. beim Niesen oder über kontaminierte Gegenstände oder durch Hautkontakt. „Besonders tückisch ist, dass die Viren außerhalb des Körpers, insbesondere in feuchter Umgebung, einige Tage überleben können und Betroffene schon 2 Tagen vor Ausbruch des Hautausschlags infektiös sein können“, ergänzt Prof. Nentwich.
Sind Viren in den Körper gelangt, dauert es etwa 10 bis 21 Tagen (in der Regel 14 bis 16 Tage) bis zum Ausbruch der Windpocken. 24 bis 48 Stunden vorher können sich schon Fieber und Unwohlsein entwickeln. Ein stark juckender Ausschlag tritt dann i.d.R. zuerst am Rumpf und am Kopf und dann am gesamten Körper auf. Der Ausschlag geht rasch in Bläschen über, die dann schließlich verkrusten, normalerweise nach 7 bis 14 Tagen.

Komplikationen auch bei vorher gesunden Kindern möglich

Die häufigste Komplikation bei Kindern ist eine Hautinfektion und bei Erwachsenen eine Lungenentzündung. Erkrankte können über den Hautausschlag, aufgekratzte Pusteln z.B. leicht Staphylokokken- oder Gruppe A-Streptokokken-Infektionen erwerben. Zu den seltenen Komplikationen zählen u.a. eine Hirnhautentzündung (aseptische Meningitis), Hirnentzündung (Enzephalitis), Nierenentzündung (Glomerulonephritis), Herzmuskelentzündung (Myokarditis) und Leberentzündung (Hepatitis).

Nach einer überstandenen Erkrankung bleiben Varizellen-Viren in latenter Form in den Nervenganglien zurück und können viele Jahre später Gürtelrose (Herpes zoster) auslösen.

Quelle: RKI (1, 2), Healio – Infectious Disease News, StatPearls
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Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V. Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.kinderaerzte-im-netz.de. Bei Veröffentlichung in Online-Medien muss die Quellenangabe auf diese Startseite oder auf eine Unterseite des BVKJ-Elternportals verlinken. Fotos und Abbildungen dürfen grundsätzlich nicht übernommen werden.

Autor: äin-red