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09.11.2020

Weniger schwerwiegende Asthma-Anfälle nach Lockdown in der Region von Philadelphia

Philadelphia und seine umliegenden Bezirke erließen am 17. März 2020 eine Reihe von „Stay-at-Home“-Anordnungen, um die Verbreitung von COVID-19 einzudämmen. In den folgenden Monaten verzeichnete das Kinderkrankenhaus von Philadelphia (Children’s Hospital of Philadelphia: CHOP) einen deutlichen Rückgang der Asthmapatienten sowohl ambulant als auch in der Klinik.

Neue Untersuchungen von Experten des Kinderkrankenhauses von Philadelphia (Children’s Hospital of Philadelphia: CHOP) und des Krankenhauses der University of Pennsylvania legen nahe, dass der Rückgang der Asthmapatienten nach dem Lockdown in den Ambulanzen und den Kliniken möglicherweise auf eine Verringerung der Rhinovirus-Infektionen zurückzuführen sei, bedingt durch das Maskentragen, das Abstandhalten und die verstärkten Hygienemaßnahmen.

Die Ergebnisse wurden im “Journal of Allergy and Clinical Immunology: In Practice“ veröffentlicht.

Die Forscher überprüften die 60 Tage bis zum 17. März 2020 und verglichen sie mit den 60 Tagen nach dem Lockdown. Sie stellten im gesamten Krankenhaus und im Care Network von CHOP einen Rückgang der Patienten fest, die täglichen aufgrund von Asthmaproblemen kamen, und zwar um 60%. Das CHOP-Netzwerk umfasst mehr als 50 Anlaufstellen für die ambulante Grundversorgung, Spezial- und chirurgische Zentren, Notfallzentren und kommunale Krankenhausallianzen in Pennsylvania und New Jersey.
Bei der Überprüfung der Fälle von Rhinovirus-Infektionen nach dem 17. März im Vergleich mit der Anzahl der Fälle im gleichen Zeitraum von 2015 bis 2019 stellten die Forscher fest, dass die Fälle nach Einführung der Maßnahmen zur Begrenzung der Verbreitung von SARS-CoV-2 zurückgegangen waren. Die Forscher analysierten auch die Luftverschmutzung nach dem 17. März 2020 und verglichen sie mit der Luftqualität im gleichen Zeitraum von 2015 bis 2019. Dabei zeigte sich jedoch, dass bei den verfügbaren Daten keine statistisch signifikante Verringerung der Luftverschmutzung zu beobachten war.
"Luftverschmutzung und Atemwegsviren, insbesondere Rhinoviren, können Asthmasymptome verschlimmern und Exazerbationen auslösen", erklärte Dr. David A. Hill, leitender Autor und behandelnder Arzt der Abteilung für Allergie und Immunologie am CHOP. „Als wir diesen Rückgang sahen, dachten wir zunächst, dass es eine Kombination dieser Faktoren [Rückgang der Luftverschmutzung und Verringerung der Ansteckung mit Rhinoviren] sein muss. Wir waren überrascht zu sehen, dass die Luftverschmutzung im Vergleich zu früher in der Region Philadelphia aufgrund der Aufforderung, zu Hause zu bleiben, nicht zurückgegangen war. Wir sind daher der Ansicht, dass diese Verringerung der Asthmaprobleme direkter auf die Maßnahmen zur Infektionsprävention zurückzuführen ist, einschließlich des Tragens einer Gesichtsmaske, häufiges Händewaschen und soziale Distanzierung. Unsere Arbeit zeigt vor allem, dass soziale Distanzierung ein wirksames Instrument ist, um die Übertragung von Viren zu reduzieren, unabhängig davon, ob es sich um ein Coronavirus oder ein Rhinovirus handelt, das Asthma verschlimmern kann."
Bei der Auswertung der Arztbesuche von Asthmapatienten nach dem 17. März 2020 bemerkten die Forscher darüber hinaus, dass Telemedizin bzw. Videosprechstunden, die zuvor nicht verfügbar waren, die am häufigsten genutzten Methoden waren, um einen Arzt bei Asthmaproblemen zu konsultieren. 61% der Asthma-bezogenen Termine waren Video-Sprechstunden. Das Forschungsteam verzeichnete auch einen Rückgang der ambulanten Asthmamedikamentenverordnungen, nachdem der Lockdown in Kraft getreten war.

Quelle: Newswise, Children’s Hospital of Philadelphia, Journal of Allergy and Clinical Immunology: In Practice

Autor: äin-red