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12.03.2018

Warum können auch gesunde Kinder an einer Grippe sterben?

Amerikanische Wissenschaftler gingen der Frage nach, warum immer wieder auch gesunde Kinder an Grippe sterben. Etwa Hälfte der Kinder unter 5 Jahren, die jedes Jahr an einer Grippe sterben, haben keine Vorerkrankungen, die den tödlichen Verlauf erklären würden - so die Angaben der Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Im Gegensatz dazu litten die meisten Erwachsene, die an Grippe versterben, unter irgendeiner Vorerkrankung, die ihr Mortalitätsrisiko erhöht.

© BeTa-Artworks - Fotolia.com

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Eine aktuelle Studie, die im „Journal of Immunology“ veröffentlicht wurde, liefert neue Erklärungen dafür, warum Grippe auch bei gesunden Kindern einen tödlichen Verlauf nehmen könne. Amerikanische Forscher kommen in dem Artikel zu dem Schluss, dass eine übertriebene Immunantwort auf die Grippe bei Kindern verantwortlich dafür ist, dass sie an den Folgen einer Grippe sterben. Dies widerspricht früheren Annahmen, dass eine unzureichende Immunantwort bei Kindern im Vergleich zu Erwachsenen das Sterberisiko erhöht.

„Wir [Wissenschaftler des Children’s Hospital of Chicago] fanden heraus, dass das Immunsystem bei jungen gesunden Mäusen auf das Influenzavirus extrem reagierte, was im Vergleich zu gesunden Erwachsenen, die dem Virus ausgesetzt waren, zu mehr Entzündungen, Lungenschäden und erhöhter Sterblichkeit führte", erklärte die Hauptautorin Bria Coates vom Ann & Robert H. Lurie Children’s Hospital of Chicago und Professorin für Pädiatrie an der Northwestern University Feinberg School of Medicine. "Diese neuen Erkenntnisse stellen frühere Annahmen auf den Kopf, die behaupten, dass Kinder anfälliger für die Grippe seien, weil ihr Immunsystem nicht stark genug auf das Virus reagiert. In unserer Studie zeigten junge Mäuse eine übertriebene Immunantwort, selbst nachdem das Virus aus dem Körper eliminiert worden war. Die Grippe war Auslöser für eine Entzündungsreaktion, die der Körper nicht mehr ausschalten konnte, was sich als tödlich erwies."

Verstärkte und andauernde Entzündungsreaktionen

Die Studie untersuchte spezifische Immunabläufe, von denen bekannt ist, dass sie bei Grippeinfektionen sowohl bei Menschen als auch bei Mäusen aktiviert werden, was die Ergebnisse für Kinder relevant macht. Coates und Kollegen konzentrierten sich auf die erste Immunantwort auf die Grippe bei gesunden erwachsenen und jungen Mäusen, die zuvor nicht mit dem Virus infiziert worden waren. Sie entdeckten, dass bei jungen Mäuse mehr Immunzellen namens Monozyten in die Lunge wanderten und dass diese Zellen fähig waren, eine stärkere Entzündung auszulösen, und schwerere Lungenschäden verursachten.

„Unsere Ergebnisse liefern neue Möglichkeiten für die Entwicklung wirksamer Medikamente zur Behandlung der Grippe bei Kindern", so Coates. "Wir können Wege finden, Monozyten daran zu hindern, in die Lunge zu gelangen, oder wir können das Verhalten der Monozyten in den Lungen gezielt bekämpfen, um gefährliche Entzündungen zu verringern."

Da diese gezielten Behandlungen noch nicht verfügbar sind, betonte Coates, dass die Grippeimpfung nach wie vor von entscheidender Bedeutung sei. "Auch wenn der Impfstoff - wie in diesem Jahr - nicht zum zirkulierenden Influenzastamm passt, hilft der Impfstoff immer noch, schwerere Infektionen zu verhindern, wenn Kinder an Grippe erkranken", erinnerte sie.

Rascher Verlauf möglich

Eine weitere Veröffentlichung in „Pediatrics“ bestätigt, dass insbesondere die ganz kleinen Kinder ein hohes Sterberisiko tragen und etwa die Hälfte der Todesfälle bei Minderjährigen sich bei vorher gesunden Kindern ereignet. Seit 2009 sind demnach in den USA vor allem Kinder unter 2 Jahren betroffen und unter ihnen insbesondere die Babys unter einem halben Jahr. Die Experten entdeckten zudem, dass insbesondere Zweitinfektionen mit Bakterien wie Streptokokken oder Staphylokokken zu einem tödlichen Ausgang beitrugen. Bei der Mehrheit der verstorbenen Babys (65%) lag zwischen Grippebeginn und Tod nur eine Woche.

Quellen: Children’s Hospital of Chicago, Journal of Immunology, News Medical Net, Pediatrics


Autor: äin-red