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11.08.2021

Vorschulkinder bei einer Impfung beruhigen: Den richtigen Zeitpunkt wählen

Kanadische Forscher fanden heraus, dass beruhigende Worte die erste Minute nach dem Impfen bei kleinen Kindern eher zu Stress führen. In der ersten Minute ist Körperkontakt, wie Handhalten, Umarmen oder Kosen, hilfreicher als viele Worte. Erst in der zweiten Minute haben dann Lob, Anerkennung und besänftigende Erklärungen Erfolg.

„Der Pikser erschreckt die Kinder meist, sodass sie in der ersten Minute noch nicht aufnahmefähig sind und nur die Nähe der Eltern brauchen. Worte können hier sogar den gegenteiligen Effekt haben“, verdeutlicht Prof. Dr. Hans-Jürgen Nentwich, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied des Expertengremiums beim Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) mit Bezug auf die kanadische Studie. Dies kann zu einem „Dominoeffekt“ führen und die Kinder sogar noch mehr in Unruhe versetzen.

Die Forscher konnten in der Studie auch beobachten, dass Kinder, die vor der Spritze schon nervös waren, auch nach der Injektion ängstlicher reagierten. Die meisten Kinder hatten nach etwa zwei Minuten ihre Furcht verloren, aber bei etwa einem Viertel der kleinen Kinder blieb die Anspannung weiter bestehen. „Strategien, Kinder das Gefühl einer Bedrohung zu nehmen, sind wichtig, da gerade im Alter zwischen 5 und 10 Jahren sich eine Spritzenangst entwickelt und verfestigt. Diese erschwert dann alle Behandlungen, die mit Spritzen zu tun haben, und lässt Impfungen zur unnötigen Qual werden“, gibt Professor Nentwich zu bedenken.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat einige weitere Empfehlungen herausgearbeitet, die gegen die Schmerzen beim Impfen hilfreich sind:

  • Bei Säuglingen: Ein Schnuller oder das Stillen (bei Säuglingen auch die süße Rotavirus-Schluckimpfung).
  • Bei Kindern unter zwei Jahren: eine Zuckerlösung zwei Minuten vor der Impfung.
  • Bei Säuglingen und Kleinkindern bis zu drei Jahren: Impfen auf dem Schoß oder auf dem Arm der Eltern.
  • Bei Kindern ab drei Jahren bis zum Jugendalter: Aufrechtes Sitzen (nur bei Ohnmachtsgefahr sollte im Liegen geimpft werden).

Quellen: RKI, ScienceDaily/York University, Pain
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Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ). Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.kinderaerzte-im-netz.de. Bei Veröffentlichung in Online-Medien muss die Quellenangabe auf diese Startseite oder auf eine Unterseite des BVKJ-Elternportals verlinken. Fotos und Abbildungen dürfen grundsätzlich nicht übernommen werden.

Autor: äin-red