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20.04.2017

Väter: Kokain-Konsum während der Zeugung kann zu Lernschwierigkeiten beim Nachwuchs führen

Väter, die Kokain zum Zeitpunkt der Zeugung eines Kindes zu sich nehmen, erhöhen damit das Risiko für ihren Nachwuchs, unter Lern- und Gedächtnisproblemen zu leiden. Amerikanische Forscher warnen in ihrer Studie davor, dass der Drogenmissbrauch bei Vätern – unabhängig von den bereits bekannten Auswirkungen des Kokainkonsums von Müttern – ebenso negative Auswirkungen auf die geistige Entwicklung ihres männlichen Nachkommens haben könnte.

© Africa Studio - Fotolia.com

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Dr. Wimmer von der Universität in Pennsylvania, Erstautor, und seine Kollegen kamen zu dem Schluss, dass die Söhne von Vätern, die Kokain vor der Konzeption eingenommen haben, Schwierigkeiten haben werden, etwas in Erinnerung zu behalten. Die Tierstudie wurden online in der Zeitschrift "Molecular Psychiatry" veröffentlicht.

In ihrer Untersuchung zeigten sie, dass männliche Nachkommen - aber nicht die weiblichen - von männlichen Ratten, die Kokain über einen längeren Zeitraum eingenommen hatten, sich nicht an die Position von Gegenständen in ihrer Umgebung erinnern konnten und unter einem Mangel an synaptischer Plastizität im Hippocampus litten. Das ist eine wichtige Hirnregion, die sowohl bei Menschen als auch bei Nagetieren von entscheidender Bedeutung für die räumliche Orientierung und das Lernen ist. 

"Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Söhne männlicher Kokainsüchtigen gefährdet sind, Lerndefizite zu entwickeln", erklärte der leitende Autor Professor R. Christopher Pierce von der Universität in Pennsylvania. Pierce und seine Kollegen vermuten, dass epigenetische Mechanismen die Wurzel des Problems sind. Epigenetik bezieht sich auf erbliche Merkmale, die nicht durch Veränderungen in der DNA-Sequenz verursacht werden, sondern durch Veränderung der Aktivität der Gene – ohne die DNA-Sequenz zu verändern.

Ihre Forschung zeigte, dass der Konsum von Kokain bei Vätern epigenetische Veränderungen im Gehirn ihrer Söhne auslöste, die die Expression von für die Gedächtnisbildung wichtigen Genen veränderte. D-Serin, ein für das Gedächtnis essentielles Molekül, war bei denjenigen männlichen Ratten verringert (vermehrt abgebaut), deren Väter Kokain bekommen hatten. Wenn die Experten das D-Serin im Hippocampus dieser Tiere erhöhten, verbesserte sich zugleich deren Lernfähigkeit.

"Folglich ist die Entwicklung von D-Serin und verwandten Verbindungen, die von Menschen gut vertragen werden, als medikamentöse Therapie besonders interessant", fasst Pierce zusammen. "Die Fähigkeit von D-Serin, die nachteiligen Wirkungen des väterlichen Kokainkonsums auf die Gehirnleistung ihrer Nachkommen wieder rückgängig zu machen, gibt unserer Arbeit auch eine klinische Relevanz."

Quelle: ScienceDaily, University of Pennsylvania School of Medicine, Molecular Psychiatry





Autor: äin-red