Kinder- & Jugendärzte im Netz

Ihre Haus- & Fachärzte von der Geburt bis zum vollendeten 18. Lebensjahr

Herausgeber:

14.06.2019

USA: Selbstmorde nehmen bei Minderjährigen und insbesondere bei Mädchen zu

Selbstmordraten steigen bei amerikanischen Kindern. Der Anstieg ist dabei bei Mädchen am größten. Darauf macht eine aktuelle Studie aufmerksam.

© imagesetc - Fotolia.com

© imagesetc - Fotolia.com

"Insgesamt stellten wir einen überproportionalen Anstieg der Suizidraten bei Mädchen im Vergleich zu jungen Männern fest, damit nähern sich die Suizidraten von Frauen an die von Männern an", sagte Studienautorin Donna Ruch, Postdoktorandin am Center for Suicide Prevention and Research des Nationwide Children's Hospital in Ohio.

Selbstmord ist die zweithäufigste Todesursache bei Amerikanern im Alter von 10 bis 19 Jahren. Bisher lag die Selbstmordrate bei Jungen höher als bei Mädchen. Jüngsten Berichten der U.S. Centers for Disease Controll and Prevention (CDC) zufolge sind die Selbstmordraten bei Mädchen nun jedoch höher als bei Jungen.
In der in "JAMA network open" veröffentlichten Studie untersuchten die amerikanischen Forscher Daten zu Selbstmorden bei Jugendlichen von 1975 bis 2016.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Selbstmordraten bei Jugendlichen bei beiden Geschlechtern Anfang der neunziger Jahre zurückgingen. Seit 2007 haben sie jedoch bei beiden Geschlechtern zugenommen, wobei die Zuwächse bei Mädchen größer als bei Jungen sind, insbesondere bei Mädchen im Alter von 10 bis 14 Jahren.

Laut Jeff Bridge, Co-Autor und Direktor des Center for Suicide Prevention and Research, nähern sich die Selbstmordraten von Frauen durch Erhängen oder Ersticken denen von Männern, was angesichts des "Geschlechterparadoxons" im Selbstmordverhalten beunruhigend ist.

Frauen denken häufiger als Männer an Selbstmord und üben häufiger als Männer einen Selbstmordversuch aus, doch enden diese weniger häufig als bei Männern tödlich. Es sterben laut Bridge mehr Männer durch Selbstmord als Frauen.

"Einer der Gründe dafür, dass es ein „Geschlechterparadoxon“ gibt, ist, dass Männer dazu neigen, mehr Gewalt anwenden, um sich zu töten, wie z.B. mithilfe von Schusswaffen oder durch Erhängen ", stellte Bridge in einer landesweiten Pressemitteilung fest. Da nun Frauen sich ebenso öfter erhängen, näheren sich die Raten erfolgreicher Selbstmorde bei Frauen und Männern aneinander an.

In Deutschland nehmen die Selbstmordraten zwar bei Jugendlichen nicht zu, aber die Geschlechter gleichen sich tendenziell ebenso an. 2013 und 2015 „übertrafen“ Mädchen die Jungen bei der Zahl der Selbstmorde (6 männliche zu 12 weiblichen Jugendliche und 6 männliche zu 13 weiblichen Jugendlichen bis zu 15 Jahren) und 2016 gab es nur eine geringe Differenz (9 männliche zu 8 weiblichen Jugendlichen bis zu 15 Jahren).

Zukünftige Forschungen sollten untersuchen, welche geschlechtsspezifische Faktoren das Suizidverhalten verändert haben und wie diese Informationen die Suizidprävention verbessern könnten, so die Autoren der Studie.

"Eltern sollten sich der Anzeichen von Selbstmord bewusst sein. Dazu gehören, dass ein Kind Selbstmordgedanken äußert, über einen längeren Zeitraum unglücklich ist, sich von Freunden oder schulischen Aktivitäten zurückzieht oder zunehmend aggressiv oder gereizt reagiert", erklärte er.

Wenn Eltern diese Warnzeichen bei ihrem Kind beobachten, sollten sie darüber mit dem Kinder- und Jugendarzt sprechen, der das Kind evtl. an einen Kinder- und Jugendpsychiater überweist.

Quelle: HealthDay, Nationwide Children's Hospital, JAMA network open, Todesursachenstatistik Statistisches Bundesamt






Autor: äin-red