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05.11.2018

USA: Höchste Anzahl von Säuglingen mit Syphilis seit 20 Jahren

Die Zahl der an Syphilis erkrankten Neugeborenen hat sich in den letzten Jahren fast verdreifacht, berichteten US-Gesundheitsbehörden (Centers for Disease Control and Prevention).

In den USA sind die Syphilis-Fälle bei Neugeborenen von 362 im Jahr 2013 auf 918 im Jahr 2017 angestiegen - die höchste Zahl seit 20 Jahren. In 37 Staaten wurden Fälle beobachtet, hauptsächlich im Westen und Süden.

"Wir haben einen Anstieg der Syphilis bei Frauen im gebärfähigen Alter beobachtet, und es ist nicht überraschend, dass wir bei Schwangeren einen Anstieg verzeichnen", erklärte der leitende Forscher Dr. Gail Bolan, Direktorin der Abteilung für STD-Prävention (Prävention von sexuell übertragbaren Krankheiten [Sexually Transmitted Diseases]) bei den US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC).

Es gibt keine einfache Antwort darauf, warum es zu einer Zunahme gekommen ist, fügte sie hinzu. Syphilis ist seit langem mit Armut, Drogenabhängigkeit, Obdachlosigkeit und Inhaftierung verbunden, sagte Bolan. Dort, wo die Bevölkerung kein Vertrauen in das Gesundheitssystem hat, steigt die Syphilisrate, merkte sie an.

"Es sind diese sozioökonomischen Faktoren, bei denen das Netz unserer Gesellschaft wirklich durchlässig ist. Frauen, die Babys mit Syphilis zur Welt bringen, befinden sich wirklich am Rande unserer Gesellschaft", bedauerte Bolan.
Die Zunahme der Säuglinge mit dieser Krankheit spiegelt die Zunahme der Syphilisfälle bei Frauen im gebärfähigen Alter wider, so CDC. Und Syphilis übertrifft den Anstieg anderer sexuell übertragbarer Krankheiten in den USA, beschrieb der Bericht die derzeitige Situation. Die meisten Frauen, die Babys mit Syphilis gebären, haben Schwangerschaftsvorsorge erhalten, ergänzte Bolan. Das Gesetz verlangt, dass alle Frauen bei ihrer ersten pränatalen Untersuchung auf Syphilis getestet werden, verdeutlichte sie.

Bolan forderte auch, dass Frauen mit hohem Risiko für Syphilis im dritten Trimester erneut getestet werden sollten. Wenn die Krankheit früh erkannt wird, kann eine einfache Einnahme von Penicillin sowohl die Mutter als auch den Fötus heilen, betonte sie.

Unbehandelt besteht für ein infizierte Frau ein 80%-iges Risiko, die Infektion an ihr Kind weiterzugeben, sagt die CDC. Wenn ein Kind mit Syphilis geboren wird, kann es geheilt werden, aber das Risiko von Organschäden, die zu Taubheit und verzögerter Entwicklung führen können, besteht bereits, beschrieb Bolan die Folgen.

Der CDC zufolge wurde 1 von 3 Frauen, die ein Baby mit Syphilis im Jahr 2016 zur Welt brachte, während der Schwangerschaft getestet, aber entweder bekamen viele unter ihnen Syphilis nach diesem Test oder sie wurden nicht rechtzeitig behandelt, um die Infektion beim ungeborenen Baby zu heilen.

Aus diesem Grund möchte die CDC, dass Frauen früh in der Schwangerschaft getestet werden und Frauen mit hohem Infektionsrisiko während ihrer Schwangerschaft ein zweites Mal - insbesondere Frauen, die in Gebieten leben, in denen Syphilis verbreitet ist.

Im Jahr 2017 wurden 64 mit Syphilis infizierte Babys tot geboren. Bolan vermutet, dass es eine höhere Dunkelziffer gibt. Infizierte Babys können auch in den Monaten nach der Geburt sterben, fügte sie hinzu.

Sexuell aktive Frauen können ihr Risiko, an Syphilis zu erkranken, senken, indem sie in langfristigen monogamen Beziehungen mit jemandem bleiben, der auf die Krankheit getestet wurde und Kondome benutzen, wenn sie Sex haben, rät die CDC.

Geschlechtskrankheiten nehmen insgesamt zu

Syphilis ist nicht die einzige Geschlechtskrankheit ist, die wiederauflebt. Letzten Monat veröffentlichte die CDC einen Bericht, der erhöhte Raten von Syphilis, Gonorrhoe und Chlamydien feststellte. Die Syphilisraten seien zwischen 2013 und 2017 um 76% gestiegen. Junge Menschen sind besonders hart betroffen und machen fast die Hälfte aller neuen STD-Fälle aus - darunter Frauen im gebärfähigen Alter.

Deshalb sei wichtig, dass Screening-Richtlinien eingehalten werden und schwangere Frauen auf Syphilis und andere sexuell übertragbare Krankheiten sehr früh in der Schwangerschaft getestet würden, so amerikanische Experten.

In Deutschland steigen Syphilis-Fälle seit 2009

Von 3.828 Syphilis-Fällen im Jahr 2009 stieg die Zahl in Deutschland auf 7.515 im Jahr 2017, und 2018 geht dieser Trend anscheinend weiter. Dabei erhöhte sich 2009 bis 2017 aber vor allem der Anteil der Männer, während der Anteil der Frauen unter 500 blieb. Unter letzteren waren wie in den USA vor allem Frauen im gebärfähigen Alter betroffen. Jährlich infizierten sich bis zu vier Babys unter einem Jahr mit Syphilis. In Deutschland umfasst die Schwangerenvorsorge eine Testung auf Syphilis (Lues).

Quelle: UPI, CDC (MMWR), Robert Koch-Institut: SurvStat@noSpam.RKI 2.0, https://survstat.rki.de, Abfragedatum: 27.09.2018

Autor: äin-red