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03.01.2020

US-Umfrage: Zwei Drittel der Eltern glauben nicht, eine Depression bei ihrem Jugendlichen identifizieren zu können

Laut einer neuen amerikanischen Umfrage gehört es zu den größten Herausforderungen für Eltern, den Unterschied zwischen den normalen Stimmungsschwankungen eines Teenagers und einem größeren psychischen Problem zu erkennen.

© imagesetc - Fotolia.com

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Obwohl die Mehrheit der Eltern angibt, dass sie zuversichtlich sind, Depressionen bei ihren Kindern im mittleren oder höheren Schulalter erkennen zu können, haben zwei Drittel der Umfrage des CS Mott Children's Hospital von der Universität von Michigan zufolge Schwierigkeiten, bestimmte Anzeichen und Symptome einer Depression auszumachen.

40% der Eltern kennen kaum die Unterschiede zwischen normalen Stimmungsschwankungen und Anzeichen einer Depression, während 30% angeben, dass ihr Kind gut darin ist, Gefühle zu verbergen.

"In vielen Familien bringen die Jugendjahre dramatische Veränderungen sowohl im Verhalten als auch in der Dynamik zwischen Eltern und Kindern mit sich", erklärte Prof. Dr. Sarah Clark, eine leitende Autorin der Studie. "Diese Übergänge können es besonders schwierig machen, den emotionalen Zustand von Kindern und eine mögliche Depression zu beurteilen." Dennoch sagte ein Drittel der befragten Eltern, nichts würde ihre Fähigkeit beeinträchtigen, Anzeichen einer Depression bei ihrem Kind zu erkennen.

Manche Eltern überschätzen ihre Feinfühligkeit gegenüber ihrem Teenager

"Einige Eltern überschätzen möglicherweise ihre Fähigkeit, Depressionen in der Stimmung und im Verhalten ihres eigenen Kindes zu erkennen", so Clark.

Die Umfrage legt auch nahe, dass das Thema Depression für Schüler der Mittel- und Oberstufe nur allzu vertraut ist. Jedes vierte Elternteil gibt an, dass sein Kind einen Altersgenossen oder Klassenkameraden mit Depressionen kennt, und jedes zehnte Kind einen Altersgenossen oder Klassenkameraden, der durch Selbstmord gestorben ist.

In der Tat steigen die Selbstmordraten bei Jugendlichen in den USA weiter an. Bei Menschen im Alter von 10 bis 24 Jahren stieg die Selbstmordrate nach Angaben der CDC (Centers for Disease Control and Prevention) zwischen 2007 und 2017 um 56%.

"Unser Bericht bekräftigt, dass Depressionen kein abstraktes Konzept für Teenager und Jugendliche von heute oder ihre Eltern sind", betonte Clark.
"Dieses Maß an Vertrautheit mit Depressionen und Selbstmord steht im Einklang mit jüngsten Statistiken, die einen dramatischen Anstieg des Selbstmordes bei Jugendlichen in den USA in den letzten zehn Jahren belegen. Steigende Selbstmordraten unterstreichen, wie wichtig es ist, Depressionen bei Jugendlichen zu erkennen."

Verglichen mit den Bewertungen ihrer eigenen Fähigkeiten waren die befragten Eltern auch weniger zuversichtlich, dass ihre Kinder oder Jugendlichen Depressionen bei sich selbst erkennen würden.

Clark sagte, Eltern sollten wachsam bleiben, wenn sie Anzeichen einer möglichen Depression bei Kindern entdecken, die von Traurigkeit und Isolation bis zu Wut, zu Gereiztheit und zu aggressivem Verhalten reichen können. Eltern könnten auch mit ihren Jugendlichen oder Teenagern darüber sprechen, ob sie einen Erwachsenen haben bzw. finden können, der vertrauenswürdig ist, wenn sie sich schlecht fühlen, riet Clark.

Schulen könnten größere Rolle beim Aufspüren von depressiven Jugendlichen spielen

Die meisten Eltern glauben auch, dass Schulen eine Rolle bei der Identifizierung potenzieller Depressionen spielen sollten. "Die gute Nachricht ist, dass Eltern Schulen als einen wertvollen Partner bei der Erkennung von Depressionen bei Jugendlichen ansehen", so Clark. Die schlechte Nachricht ist, dass zu wenige Schulen über ausreichende Ressourcen verfügen, um Schüler auf Depressionen zu untersuchen und Schüler, die Hilfe bräuchten, zu beraten."

Clark ermutigt die Eltern dazu, sich zu erkundigen, ob an der Schule ihres Kindes ein Depressionsscreening stattfindet und ob Beratung für betroffene Schüler angeboten wird. In Anbetracht der begrenzten Ressourcen in vielen Schulbezirken könnten Eltern dafür eintreten, indem sie Verantwortlichen über die Bedeutung des Angebots von psychosozialen Diensten an Schulen sprechen.

Der national repräsentative Mott Poll Report basiert auf den Antworten von 819 Eltern mit mindestens einem Kind in der Mittel- oder Oberstufe.

Quelle: medicalXpress, Mott Poll Report





Autor: äin-red