Kinder- & Jugendärzte im Netz

Ihre Haus- & Fachärzte von der Geburt bis zum vollendeten 18. Lebensjahr

Herausgeber:

04.01.2019

US-Umfrage: Alarmierend viele Familien benutzen übriggebliebene Antibiotika

Forschungsergebnisse, die auf der National Conference & Exhibition 2018 der American Academy of Pediatrics (AAP) präsentiert wurden, zeigen, dass fast drei Viertel der Eltern verschriebene Antibiotika behalten und sie sogar an andere weitergeben, statt sie ordnungsgemäß zu entsorgen. Dadurch steigt das Risiko von Resistenzen.

Die Einnahme von Antibiotika, wenn diese unnötig ist oder in der falschen Dosis oder im falschen Zeitrahmen erfolgt, führt zu einer steigenden Rate von Infektionen, die nicht mehr mit Antibiotika bekämpft werden können. Die Ergebnisse einer amerikanischen Umfrage zeigen, dass die Bevölkerung besser darüber aufgeklärt werden muss. Denn der Befragung zufolge heben Eltern übriggebliebene Antibiotika häufig auf und geben sie an andere innerhalb und außerhalb der Familie weiter.

Eine Zusammenfassung der Studie „Diversion of Prescription Antibiotics: Should you take from Peter to treat Paul?“ ("Weitergabe von verschreibungspflichtigen Antibiotikas: Solltest du von Peter welche nehmen, um Paul zu behandeln?") wurde am Montag, den 5. November, auf der National Conference & Exhibition der American Academy of Pediatrics (AAP) im Orange County Convention Center in Orlando, Florida, präsentiert.

Die leitende Autorin Dr. Ruth Milanaik, DO, FAAP, erklärte, die Studienergebnisse zeigen bei einer nationalen Stichprobe, dass ein "alarmierender Prozentsatz“ der Eltern Antibiotika weitergibt.

"Dies ist nicht nur für diejenigen gefährlich, denen die Antibiotika nicht verschrieben wurden, sondern für ganze Bevölkerungsgruppen, bei denen einige Antibiotika nicht mehr helfen, wenn die Bakterien, auf die sie abzielen, resistent geworden sind", warnte Dr. Milaniak vom Cohen Children's Medical Center in New York.

Für die Studie wurde ein anonymisierter Online-Fragebogen über Amazon Mechanical Turk an eine nationale Stichprobe von 496 Eltern verteilt. Fast die Hälfte (48,2%) der Eltern gab an, dass sie Antibiotika behalten hätten, anstatt sie ordnungsgemäß zu entsorgen. 73% der Eltern gaben die Medikamente später an Geschwister des ursprünglichen Patienten, nicht verwandten Kindern und nicht verwandten Erwachsenen - manchmal Monate nach der ursprünglichen Verschreibung des Antibiotikums - ohne ärztliche Beratung. Teilweise nahmen Eltern die übrigen Antibiotika auch selbst ein.

Risiko für "Fremdeinnehmer" und Rest der Bevölkerung

Diejenigen, die das Antibiotikum von anderen privaten Personen erhalten hatten, nahmen es in der ursprünglich vorgeschriebenen Dosierung ein, auch wenn sie nicht der gleiche Patient waren, oder Erwachsene schätzten die Dosis für ein Kind – entsprechend dem Alter.

Insgesamt gaben 16% der Teilnehmer an, dass sie ihrem Kind Medikamente für Erwachsene gegeben hätten.

Milanaik sagte, dass mehr Anstrengungen und Ressourcen für die Aufklärung der Familien über die Wirkungsweise von Antibiotika investiert werden müssten, dass sie nicht für alle Krankheiten notwendig seien und dass es riskant sei, Antibiotika ohne Rücksprache mit einem Arzt einzunehmen.

"Obwohl die Entdeckung von Antibiotika die Medizin revolutioniert hat, müssen Kliniker unbedingt betonten, wie wichtig die richtige Verwendung und Entsorgung dieser Medikamente ist, um sicherzustellen, dass sie ein wirksames Mittel gegen Infektionskrankheiten bleiben", forderte Dr. Milanaik.

Tamara Kahan, Autorin der Kurzfassung zu der Umfrage, ist der Meinung, dass auch nach den Ursachen geforscht werden sollte, warum Eltern dies tun, und dass wirksame Maßnahmen dagegen gefunden werden sollten. "Wir fanden zum Beispiel, dass einer der häufigsten Gründe, warum Eltern Antibiotika weitergegeben haben, war, dass sie die Kosten für einen zweiten Arztbesuch vermeiden wollten", verdeutlichte sie. "Follow-up-Umfragen könnten untersuchen, ob ein Zusammenhang zwischen mangelnder Abdeckung durch die Krankenversicherung oder eine lückenhafte Grundversorgung und der Weiterverwendung von Antibiotika besteht", kommentierte sie.

Quelle: AAP News


Autor: äin-red