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10.05.2019

Asthma: Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren haben gegensätzliche Wirkungen

Eine amerikanische Beobachtungsstudie legt nahe, dass Omega-3-Fettsäuren bei Kindern Asthma lindern können, aber im Gegensatz dazu eine höhere Menge an Omega-6-Fettsäuren in der Nahrung den gegenteiligen Effekt hat.

Forscher der Johns Hopkins Medicine kommen aufgrund einer sechsmonatigen Studie mit Kindern aus Baltimore City zu dem Schluss, dass reichlich Omega-3-Fettsäuren in der Ernährung zu weniger Asthma-Symptomen führen, die durch die Luftverschmutzung in Innenräumen ausgelöst werden. Dieselbe Studie lässt aber auch die Vermutung zu, dass höhere Mengen an Omega-6-Fettsäuren in der Nahrung den gegenteiligen Effekt haben und mit schwererem Asthma einhergehen können.

Mit gesunder Ernährung Asthma verbessern

Die Experten erklären, dass Familien und Gesundheitsdienstleister mithilfe der Ernährung in der Lage sein könnten, Kinder vor den schädlichen Auswirkungen der Luftverschmutzung in Innenräumen etwas zu schützen. Positiv wirken sich Omega-3-Fettsäuren aus, wie sie z.B. in Lachs enthalten sind. Zugleich sollten Kinder Lebensmittel reduzieren, die viel Omega-6-Fettsäuren enthalten, wie Sojaöl und Maisöl. Letztendlich könnte die Politik mit der Gestaltung des Schulessens dazu beitragen, Kinder mit entsprechenden Nährstoffen zu versorgen.

"Unsere Gruppe untersuchte, was gegen die Auswirkungen der Luftverschmutzung in Innenräumen in Häusern in Baltimore City getan werden kann", erklärte Professor Emily Brigham, M. D., M. H., leitende Studienautorin von der Johns Hopkins University School of Medicine. "Die Ergebnisse sind vielversprechend, aber wir wollen es nicht dabei belassen."

Die Luftverschmutzung in Innenräumen, die sich u.a. beim Kochen, Putzen und beim Zigarettenrauchen bildet, ist ein bekannter Auslöser für Asthma. Frühere Arbeiten der Forschungsgruppe haben gezeigt, dass die Luftverschmutzung in Innenräumen, insbesondere Partikel in der Luft in Häusern in Baltimore City oft die akzeptablen Standards für die Außenluftqualität überschreitet, die von der US-amerikanischen Umweltschutzbehörde (EPA) festgelegt wurden.

Einfluss auf Entzündungswerte

Brigham stellte fest, dass es immer mehr Beweise dafür gibt, dass die Ernährung, insbesondere der Gehalt an Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren, eine Rolle für die Lungengesundheit spielen kann. Sie beeinflusst, wie der Körper auf Entzündungen reagiert und diese bekämpft. Omega-3-Fettsäuren, die reichlich in Fisch und bestimmten Nüssen und Samen vorkommen, werden zum Teil als gesund angesehen, da sie Entzündungen reduzieren können. Omega-6-Fettsäuren, die hauptsächlich in pflanzlichen Ölen (wie aus Mais, Sojabohnen, Färberdisteln und Sonnenblumen) vorkommen, haben in anderen Studien gezeigt, dass sie unterschiedliche Auswirkungen auf die Gesundheit haben, jedoch das Potenzial besitzen, Entzündungen zu fördern. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Einnahme von Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren beeinflusst, wie stark Kinder mit Asthma-Symptomen auf die Luftverschmutzung in ihren Häusern reagieren.

An der aktuellen Studie nahmen 135 Kinder mit Asthma im Alter von 5 bis 12 Jahren teil. 96% der Kinder waren Afroamerikaner und 47% waren Mädchen. Etwa ein Drittel der Kinder hatte ein mildes, ein weiteres Drittel moderates und das letzte Drittel schweres Asthma. Die Forscher definierten den Schweregrad von Asthma auf der Grundlage der Richtlinien des Nationalen Asthma-Aufklärungs- und Präventionsprogramms, das die Symptome, den Inhalator-Gebrauch und die Fähigkeit der Lungen auszuatmen bewertete. Je mehr Symptome vorliegen, je mehr Medikamente verwendet werden und je schlechter die Lungenfunktion ist, desto schwerwiegender wird das Asthma eingeschätzt.

Die Teilnehmer und Betreuer dokumentierten täglich ihre Ernährung, Asthma-Symptome und Inhalator-Gebrauch jeweils für eine Woche und erneut nach drei und sechs Monaten. Die Forscher sammelten auch Blutproben, um bei jeder Befragung der Teilnehmer die Veränderungen der Entzündungsmarker festzustellen.

Während der jeweiligen Bewertungswochen maßen Fachleute in den Wohnungen der Teilnehmer die Luftverschmutzung anhand dem Anteil größerer und kleinerer Partikel in der Luft (größere Partikel mit einem Durchmessern von 10 Mikrometern und weniger - das entspricht einem Sechstel der Breite eines menschlichen Haares oder weniger-  und kleinere Partikel mit Durchmessern von 2,5 Mikrometern und kleiner). Beim Einatmen lagern sich die größeren Partikel typischerweise entlang der Atemwege ab, während die kleineren Partikel weiter in die Lunge eindringen und die kleinen Bronchiolen erreichen können. Beide Größenbereiche, obwohl für das bloße Auge nicht sichtbar, wurden mit Asthmasymptomen bei Kindern und Erwachsenen in Verbindung gebracht. Die durchschnittliche Konzentration der kleineren Partikel Wohnraum der Kinder betrug 26,8 Mikrogramm pro Kubikmeter (der jährliche EPA-Grenzwert für Außenluft beträgt 12 Mikrogramm pro Kubikmeter) und die durchschnittliche Konzentration der größeren Partikel darin betrug 39 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Omega-3-Fettsäuren lassen Körper weniger stark auf Luftverschmutzung reagieren

Die Studie ergab, dass Kinder mit jedem zusätzliche Gramm Omega-6-Fettsäure, das sie in der Nahrung aufnahmen, ein um 29% höheres Risiko hatten, unter schwerem Asthma zu leiden. Kinder, die mehr Omega-6-Fettsäuren zu sich nahmen, waren tendenziell bei gleicher Luftverschmutzung von mehr Asthmaanfällen betroffen. Mehr Omega-6-Fettsäuren in der Ernährung war auch mit höheren Entzündungswerten im Blut verbunden.
Umgekehrt sahen die Forscher bei jeder Erhöhung des Omega-3-Fettsäure- Anteils um 0,1 Gramm in der Nahrung eine um 3 bis 4%-ige Verringerung der Asthmasymptomen während des Tages als Reaktion auf einen Anstieg der Luftverschmutzung. Höherer Gehalt an Omega-3-Fettsäuren im Speiseplan bewirkten selbst bei gleicher Belastung durch Luftverschmutzung weniger Symptome.

Die Forscher sagen, dass die Ernährung vieler Kinder in den USA, einschließlich derer in Baltimore City, wo sie die Untersuchung durchgeführt haben, stark von den nationalen Richtlinien abweicht. Kinder konsumieren i.d.R. geringe Mengen an Omega-3-reichen Nahrungsmitteln und höheren Mengen an Omega-6-reichen Nahrungsmitteln. Dies entspricht der typischen amerikanischen Ernährung. Die Forscher schränken ein, dass in vielen Gegenden, in denen Menschen mit niedrigem Einkommen leben, diese wenig Möglichkeiten haben, sich gesund zu ernähren, da Omega-3-reiche Lebensmittel möglicherweise teurer sind. Brigham sagt: "Es kann sein, dass bei Bevölkerungsgruppen, die unverhältnismäßig stark von Asthma betroffen sind, dass beides - eine Verbesserung der Ernährung und der Luftverschmutzung zusammen - den größten Erfolg zeigt."

Quelle: Newswise, John Hopkins Medicine, American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine





Autor: äin-red