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11.08.2017

Übergewichtige Kinder werden von Freundschaften ausgeschlossen

In einer Umfrage unter 504 Teenagern in den Niederlanden fanden Forscher heraus, dass übergewichtige Kinder häufig von Freundschaften ausgeschlossen werden und selbst Klassenkameraden als Freunde bezeichnen, die ihre Sympathie nicht erwidern. Dicke Kinder und Jugendliche werden von ihren Mitschülern oft nicht gemocht.

© uwimages – Fotolia.com

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Übergewichtige Kinder wiederum bezeichnen weniger Klassenkameraden als ihre dünneren Kollegen nett. Diese negativen sozialen Interaktionen können das Risiko übergewichtiger Kinder erhöhen, einsam sowie depressiv zu werden und schlechte Essgewohnheiten zu bevorzugen.

"Unsere Ergebnisse sind alarmierend, denn wenn wir weiterhin eine soziale Umgebung haben, in der „überflüssige Pfunde“ die Norm sind, werden übergewichtige Kinder weiterhin geächtet", sagte Studienleiterin Professor Kaya de la Haye von der Keck School of Medicine der Universität von Südkalifornien (USC: University of Southern California). "Diese unerwünschten Wechselwirkungen erhöhen das Risiko von Einsamkeit, Depression, schlechten Essgewohnheiten und Krankheit."

Obwohl übergewichtige Kinder durchschnittlich so viele Klassenkameraden der Kategorie „Freund“ zuordneten wie Kinder mit gesundem Gewicht, erhielten sie 1,7-mal häufiger als ihre normalgewichtigen Altersgenossen die Bewertung „unsympathisch“ und verteilten auch 1,2-mal häufiger die Bewertung „unsympathisch“ unter ihren Gleichaltrigen. Diese kombinierten Tendenzen deuten darauf hin, dass übergewichtige Kinder in der Regel mehr nicht erwiderte Freundschaften pflegen und gegenseitige Frenemy-Beziehungen (Frenemy: Feind, der vorgibt ein Freund zu sein) haben, verdeutlichte de la Haye.

An der Studie waren amerikanische, niederländische und spanische Forscher beteiligt.

"Andere Forschungsarbeiten haben gezeigt, dass Menschen, die sich länger isoliert, einsam sind oder sozial ausgeschlossen fühlen, größere Entzündungswerte und eine verminderte Virusunterdrückung aufweisen", fügte de la Haye hinzu. "Wir sind uns nicht sicher, ob das hier eine Rolle spielt, aber vergangene Studien legen nahe, dass negative soziale Beziehungen unter die Haut gehen und die Gesundheit beeinträchtigen können."

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation stieg mit etwa 42 Millionen übergewichtigen oder fettleibigen Kindern im Jahr 2013 die Fettleibigkeit bei Kindern weltweit um 31% in etwas mehr als zwei Jahrzehnten.
In Deutschland sind rund 15% der Kinder und Jugendlichen übergewichtig, 6,3 % davon adipös (nach der Definition der AGA).

Isolation kann für übergewichtige Kinder zu einem Teufelskreis führen

Die internationale Studie basiert auf Fragebögen, die 504 Teenager aus den Niederlanden beantwortet haben, als sie 10 bis 12 Jahre alt waren. Teilnehmer aus 28 Klassen kennzeichneten ihre besten Freunde und ihre Feinde. Im Durchschnitt nahmen 26 Schüler pro Klasse an der Umfrage teil.
Kinder wurden Gewichtsklassen auf der Grundlage ihres Body-Mass-Index zugeordnet. Etwa 16% der Teilnehmer waren übergewichtig.

Im Durchschnitt bezeichneten Kinder fünf ihrer Klassenkameraden als Freunde und zwei als Feinde. Allerdings wurden übergewichtige Kinder in der Regel von nur vier Klassenkameraden als Freund angegeben und von drei Klassenkameraden als unsympathisch bewertet.

"Dieses soziale Umfeld, das durch weniger Freundschaften und mehr Antipathien gekennzeichnet ist, kann für übergewichtige Jugend mit einem erhöhten Risiko für psychosoziale Fehlanpassungen verbunden sein", so die Studienautoren. "Die daraus resultierende soziale Isolation kann auch ungesunde Verhaltensweisen wie eine übermäßige Nahrungsaufnahme und eine geringe Teilnahme an sportlichen und körperlichen Aktivitäten fördern, die zu einer weiteren Gewichtszunahme und damit zu einem Teufelskreis führen können."

Leider scheinen übergewichtige Kinder tendenziell weniger Freunde zu haben. Wenn sie Freunde haben, dann sind dies häufiger ebenso weniger populäre Kindern, die auch dazu neigen, übergewichtig zu sein, berichtete de la Haye.
"Wir sollten das Stigma des Übergewichts reduzieren", erklärte sie. "Wir haben Anti-Mobbing-Kampagnen in Bezug auf sexuelle Identität, Herkunft und Ethnizität. Wir sollten mehr tun, um Fettleibigkeit in unserem Anti-Mobbing-Repertoire zu integrieren."

Die Studie nutzte Daten aus einer umfangreichen noch andauernden Beobachtungsstudie (Tracking Adolescents‘ Individual Lives Survey), die bis heute die psychologische, soziale und physische Entwicklung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen erforscht.

USC-Wissenschaftler arbeiten interdisziplinär, um die körperliche und geistige Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu verbessern, und dies auch bis ins Erwachsenenalter.

Quelle: Science Daily, University of Southern California, PLOS ONE, Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter


   


Autor: äin-red