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13.10.2017

Trennung der Eltern: Gemeinsames "physisches" Sorgerecht bedeutet für Kinder weniger Stress

Kinder, die nur mit einem Elternteil leben, sind mehr gestresst als Kinder von getrennten Eltern, die sich das Sorgerecht teilen. Und dies gilt unabhängig davon, welche Konflikte zwischen den Eltern oder zwischen Eltern und Kindern vorliegen. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie der Karlstad Universität in Stockholm.

"Eine Erklärung dafür könnte sein, dass Kinder, die die meiste Zeit von einem Elternteil getrennt leben, Ressourcen wie Verwandte, Freunde und Geld verlieren. Vergangene Studien haben hat gezeigt, dass Kinder sich evtl. Sorgen machen um das Elternteil, das sie selten sehen, was mehr Stress bedeutet", erklärte Dr. Jani Turunen, Forscher an der Universität in Stockholm.
Die Tatsache, dass Kinder, die ganz mit einem Elternteil leben, sich schlechter fühlen als Kinder von getrennten Eltern, die sich beide abwechseln um die Kinder kümmern, ist bekannt, aber diese Studie ist die erste, die sich speziell auf Stress konzentriert. Gemeinsames physisches Sorgerecht ist nicht zu verwechseln mit gemeinsamer gesetzlicher Erziehungsberechtigung.

Ein gemeinsames gesetzliches Sorgerecht gibt beiden Eltern nur das Recht, gemeinsam Entscheidungen zu treffen, wenn um die Erziehung des Kindes, die Schulauswahl, die Religion usw. geht. Gemeinsames „physisches“ Sorgerecht bedeutet, dass das Kind tatsächlich bei beiden Elternteilen etwa die gleiche Zeit verbringt und zwischen den einzelnen Haushalten wechselt.

Die Daten für diese Studie stammen Umfragen zu Lebensbedingungen in Schweden, zwischen 2001 und 2003 und den Meldedaten. Schweden sei ein Land, das oft als Vorreiter für neue Familienformen und Vorgehensweisen bei Scheidung, Geburtshilfe und „Zusammenwürfeln“ von Teilfamilien gelte, stellte Turunen in der Pressemeldung der Universität fest. "Das bedeutet, dass die Ergebnisse dieser Studie für die Situation in vielen europäischen Ländern heute relevant sind, da sie evtl. mit der in Schweden vor 15 Jahren vergleichbar sei", kommentierte Jani Turunen.

In der Umfrage beantworteten insgesamt 807 Kinder, die in verschiedenen Wohnverhältnissen lebten, Fragen, wie z.B. wie oft sie Stress erlebten und wie gut oder schlecht sie mit ihren Eltern auskämen. Die Eltern sollten beispielsweise Auskunft darüber geben, wie gut sie sich mit ihrem ehemaligen Partner arrangierten.

„Geteiltes“ Wohnen bei beiden Elternteilen bringt mehr Stabilität als Unruhe

Die Studie zeigte, dass Kinder, die mit nur einem (alleinerziehenden) Elternteil leben, dazu tendieren, mehrmals in der Woche Stress zu erleben, im Vergleich zu Kindern, deren Eltern sich das Sorgerecht auch zeitlich und räumlich teilen. Dies gilt der Studie zufolge in der Regel auch dann, wenn die Eltern sich schlecht verstehen oder wenn die Kinder mit einem oder beiden Elternteilen Konflikte haben.

Experten hätten bisher die Sorge gehabt, dass das gemeinsame „physische“ Sorgerecht für eine instabile Lebenssituation sorgen könnte, die dazu führen könnte, dass Kinder mehr gestresst würden. Doch basierten diese Befürchtungen nur auf theoretischen Annahmen und nicht auf empirischer Forschung, gab Jani Turunen zu bedenken.

Was Kinder, deren Eltern sich gemeinsamen gleichwertig „physisch“ um ihr Kind kümmern, vermutlich weniger Stress-anfällig macht, ist der Umstand, dass sie eine aktive Beziehung zu beiden Elternteilen haben können. Und es ist bereits erwiesen, dass dies für das Wohlergehen eines Kindes wichtig ist. Die Beziehung zu beiden Eltern sei für das Kind wichtiger und vermittelt ihm mehr Stabilität als der regelmäßige Wechsel von einer Wohnung zur anderen bzw. die Anpassung an eine neue Wohnsituation, so Jani Turunen.

Quelle: Science Daily, Stockholm University, Journal of Divorce & Remarriage

Autor: äin-red