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07.03.2012

Trauer ums Haustier: Kindern die Wahrheit sagen

Liegt das Haustier tot im Käfig, ist die Trauer bei Kindern oft groß. Eltern fühlen sich in dieser Situation hilflos. Einfach ein neues Tier zu kaufen, ist aber keine Lösung. Besser ist es, Kindern ihre Gefühle zuzugestehen und gemeinsam mit ihnen zu trauern...

Wenn ein Haustier stirbt, stellen sich Eltern viele solcher Fragen: Würde ihn ein neues Tier von seiner Trauer ablenken? Sollen sie den Hund im Garten bestatten? Fachleute raten, möglichst offen mit der Trauer umzugehen und nichts zu beschönigen.

In jedem Fall sollten Eltern Kinder in ihrem Schmerz ernst nehmen. Das gilt auch, wenn ein kleines Tier gestorben ist. Denn die Beziehungsqualität zwischen Kind und Tier hat nichts mit dessen Größe zu tun oder der Bedeutung, die ihm Erwachsene beimessen: „Ein Kind kann auch um eine Maus trauern“, sagt Andrea Beetz, die am Institut für Sonderpädagogik der Uni Rostock lehrt.

Die Verbindung zwischen Kindern und Tieren sei meist sehr eng: „Tiere werden wie Familienmitglieder oder Freunde behandelt“, erklärt Beetz. Studien hätten mittlerweile belegt, dass Kinder mit Tieren weniger gestresst sind, sich mehr zutrauen und auch leichter auf andere Kinder zugehen können. Stirbt das Tier, ist der Schock deshalb groß. Umso wichtiger ist dann die Reaktion von Mutter und Vater.

„Auf keinen Fall sollten Eltern den Tod geheim halten“, soSilke Haase, Psychotherapeutin in Berlin. Beispielsweise dann, wenn das Tier während der Schulzeit sterben würde. Manche Eltern kämen auch auf die Idee, schnell ein neues Tier in den Käfig zu setzen und darauf zu hoffen, dass der Unterschied nicht auffällt. „Besser ist es, wenn Kinder den ehrlichen Grund für den Tod des Tieres erfahren. Sie spüren ohnehin, wenn Eltern ihnen etwas verheimlichen.“

Stirbt das Tier überraschend, bleibt meist keine Chance, Kinder einzubinden. Anders sieht es aus, wenn das Tier schon länger leidet und der Tierarzt es einschläfern soll. Grundsätzlich könnten Kinder bei dieser Prozedur dabei sein. „Eltern sollten aber vorher abklären, ob die Kinder das wollen“, rät Haase.

Nach Erfahrung von Andrea Beetz können Kinder mit der Situation beim Tierarzt unterschiedlich gut umgehen. „Wichtig ist auf jeden Fall, dass sie sich von dem Tier noch einmal verabschieden können, bevor es die Spritze bekommt.“ Wichtig sei, hinterher mit den Kindern über das Erlebte zu sprechen. Dabei ist auch die Wortwahl wichtig: „Mutter und Vater sollten nicht sagen Der schläft nur„, warnt Beetz. Denn vor allem kleine Kinder entwickelten dann Angst, selbst schlafen zu gehen und vielleicht nicht mehr aufzuwachen.

Rituale helfenGanz gleich, auf welche Art und Weise das Haustier stirbt, wichtig sind für Kinder Trauerrituale. Dies kann ein Abschiedsbrief sein oder die eigene Decke, die mit ins Grab gelegt wird. Doch nicht nur Kinder trauern: Auch die Eltern schmerzt der Verlust des Haustieres. Zurückhalten sollten sie diese Emotionen nicht: „Eltern sollten den Kindern gegenüber zeigen, dass sie traurig sind“, empfiehlt Haase. Dadurch könnten sie ihre eigenen Gefühle besser einordnen.

Zur Wiedergutmachung kaufen viele Eltern ein neues Haustier. Das sei aber genau das Falsche, ment Haase: „Damit geht man einfach über die Trauer hinweg.“ Für Kinder sei es aber eine wichtige Erfahrung, dass manche Dinge unersetzbar sind. Wenn überhaupt, sollten Eltern erst dann ein neues Tier kaufen, wenn das Kind selbst diesen Wunsch äußert, weiß Pädagogin Beetz.

Kinder trauern in sporadischen PhasenSo groß die Trauer am Anfang auch sein mag - nach einiger Zeit scheint sie bei Kindern wie weggeblasen zu sein. Dieser Eindruck könne aber auch täuschen: „Kinder trauern nicht an einem Stück, sondern eher sporadisch“, sagt Haase. Nachfragen zum Tod könnten auch noch nach Monaten auftauchen, ergänzt Beetz. Dann sollten Eltern darauf eingehen und keine Bemerkungen wie „Das ist doch jetzt schon so lange her“ machen.

Tiere bestattenUnter bestimmten Voraussetzungen können Halter ihr totes Tier im eigenen Garten begraben. Das Tier darf nicht an einer Seuche gestorben sein und muss in mindestens 50 Zentimetern Tiefe vergraben werden. Der Ort darf nicht in einem Wasserschutzgebiet oder in der Nähe von öffentlichen Wegen liegen, erläutert die Tierschutzorganisation Vier Pfoten auf ihrer Homepage. Am besten erkundigen sich Besitzer beim zuständigen Ordnungsamt, da die Bestimmungen von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sind.

Quelle: dpa

Autor: äin-red