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11.12.2020

Telemedizin hilft Eltern besser mit dem Verhalten ihrer autistischen Kinder umzugehen

Telemedizinische Programme oder Schulungen könnten Eltern unterstützen, wenn diese nicht an persönlichen Schulungen teilnehmen können, beispielsweise während der Pandemie, hoffen Forscher der Rutgers University-New Brunswick.

Sie konnten zeigen, dass telemedizinische Schulungen das Erziehungsverhalten von Eltern mit autistischen Kindern positiv beeinflussen können. Davon profitierten auch die Kinder durch Verhaltensveränderungen.
Die Rutgers-Forscher kommen in ihrer im „Journal of Applied Behavioral Analysis“ veröffentlichten Studie zu dem Schluss, dass Telemedizin ein leicht zugänglicher und wirksamer Ansatz sei, um Eltern von Kindern mit einer Autismus-Spektrum-Störung frühzeitig wirksame Verhaltensinterventionen zu zeigen.

"Da Eltern eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Kindern mit Autismus spielen, ist die Entwicklung eines effektiven, effizienten, sozial verträglichen und zugänglichen Trainings zur Umsetzung dieser Verhaltens-Interventionen von entscheidender Bedeutung", erklärte Hauptautor Professor Wayne Fisher, Direktor des Rutgers Center for Autism Research, Education and Services am Rutgers Brain Health Institute. "Viele Eltern haben jedoch aufgrund geografischer, wirtschaftlicher und zeitlicher Hindernisse keinen Zugang zu diesem komplexen Training - oder in jüngerer Zeit aufgrund der Pandemie, die das persönliche Training erschwert hat."

Es hat sich gezeigt, dass Kinder, die keine frühzeitigen intensiven Verhaltensinterventionen erhalten - Teil des auf angewandter Verhaltensanalyse basierenden Behandlungsansatzes (ABA: Applied Behavior Analyses-based Treatment) -, Schwierigkeiten haben, eine Beschäftigung zu finden, Freunde zu pflegen und als Erwachsene unabhängig zu leben. Eltern werden dabei in Interventionsmaßnahmen geschult, die problematische Verhaltensweisen ihrer Kinder wie Aggression reduzieren und angepasste Verhaltensweisen wie Kommunikation und soziale Fähigkeiten durch eine Kombination aus E-Learning und spielerischen Trainingsansätzen zu verbessern.

An der Studie nahmen 25 Erwachsene mit einem autistischen Kind teil, die keine Erfahrung mit ABA-Interventionen hatten. 13 wurden der „Telemedizin-Gruppe“ und 12 einer Kontrollgruppe zugeordnet, die das virtuelle Training nicht erhielt, aber mit anderen Verhaltensprogrammen fortfuhr, die sie bisher auch verwendeten.

In der Studie bewerteten die Wissenschaftler, wie gut Eltern die Verhaltensinterventionen implementiert hatten, die sie durch virtuelles Training und einem dargestellten Rollenspiel mit einem Spezialisten gelernt hatten. Vor und nach dem virtuellen Lernen sahen sich geschulte Beobachter Videos an, in denen gezeigt wurde, wie Eltern beider Gruppen auf Fachkräfte reagierten, die mithilfe eines Skripts die angemessene Verhaltensweisen wie das Initiieren von Gesprächen und Problemverhalten wie Aggressionen simulierten, die Kinder mit Autismus häufig zeigen. Die Experten stellten fest, dass die Eltern in der „Telemedizin-Gruppe“ große und statistisch signifikante Verbesserungen gegenüber der Gruppe zeigten, die das Training nicht erhalten hatte.
Die Untersuchung ergab auch, dass Eltern das Telemedizin-Training auf einer 7-Punkte-Skala mit 6,6 bewerteten, d.h., es war ihrer Meinung nach einfach zu bedienen, umfassend und effektiv.

"Die Ergebnisse belegen, dass Eltern in diesen komplexen Verfahren virtuell geschult werden können und dass die Methoden für sie einfach anzuwenden sind", fasste Fisher zusammen. "Ziel ist es schließlich, dass diese Interventionen nicht nur in der Klinik mit den ausgebildeten Fachkräften funktionieren, sondern auch im täglichen Leben eines Kindes umgesetzt werden können. Sie helfen den Eltern, besser mit den Verhaltensweisen ihres Kindes umzugehen, und dem Kind, besser zu kommunizieren und an Aktivitäten, wie zum Abendessen auszugehen, teilzunehmen."

Quelle: newswise, Rutgers University-New Brunswick, The Journal of Applied Behavioral Analysis


Autor: äin-red