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09.01.2017

Studie: Vollmilch trägt nicht zu Übergewicht bei – im Gegenteil

Kanadische Experten hinterfragen die Empfehlung, dass Kinder fettarme Milch trinken sollten. Ihre Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass magere Milch nicht für geringeres Gewicht sorgt und darüber hinaus auch nicht so viel Vitamin D liefert wie Vollmilch.

Kinder, die Vollmilch trinken, sind schlanker und haben höhere Vitamin-D-Werte als diejenigen, die fettarme bzw. Mager-Milch trinken. Diese Vermutung äußern kanadische Forscher in einer aktuell im American Journal of Clinical Nutrition veröffentlichten Studie.

Kinder, die Vollmilch (3,25% Fettgehalt) tranken, hatten demnach einen um 0,72 Punkte niedrigeren Body-Mass-Index, als diejenigen, die 1%- oder 2%-Milch zu sich nahmen. Das könne den Unterschied zwischen einem gesunden Gewicht und Übergewicht ausmachen, erklärte der leitende Autor, Dr. Jonathon Maguire, Kinder- und Jugendarzt am St. Michael's Hospital (Toronto, Ontario, Kanada).
Die Studie konnte nicht erklären, warum der Verzehr von Milch mit einem höheren Fettgehalt mit einem niedrigeren BMI verbunden ist. Aber Dr. Maguire geht davon aus, dass Kinder, die Vollmilch trinken, satter sind als diejenigen, die die gleiche Menge an fettarmer Milch oder Magermilch konsumieren. Diese hungrigen Kinder sind wahrscheinlich auch eher bereit, andere Lebensmittel zu essen, die weniger gesund oder kalorienreicher sind, sagte Dr. Maguire. Daher könnten Kinder, die fettarme Milch trinken, insgesamt tatsächlich mehr Kalorien verbrauchen als diejenigen, die Vollmilch trinken.

Die Studie stellte auch fest, dass Kinder, die täglich eine Tasse Vollmilch tranken, einen vergleichbaren Vitamin-D-Spiegel mit diejenigen hatten, die fast 3 Tassen von 1%-iger Milch pro Tag tranken. Dies könnte daran liegen, dass Vitamin D fettlöslich ist und Milch mit höherem Fettgehalt mehr Vitamin D enthält. Es kann vielleicht ebenso an einer umgekehrten Beziehung zwischen Körperfett und Vitamin-D-Speicher liegen, so der Bericht. Je mehr Körperfett Kinder erreichen, desto geringer ist ihr Vitamin-D-Speicher.

"Kinder, die Magermilch trinken, werden dadurch nicht schlanker und sie profitieren auch nicht vom höheren Vitamin-D Gehalt der Vollmilch", sagte Dr. Maguire. "Fettarme Milch bringt gleich zwei Nachteile mit sich."
Die Ergebnisse der Studie widersprechen den gängigen Empfehlungen in Kanada und Amerika, wonach Kinder ab zwei Jahren täglich zwei Portionen fettarme (1% oder 2%) Milch trinken sollten, um das Risiko für Fettleibigkeit zu reduzieren.

Dr. Maguire kommentierte, dass die Resultate darauf hinweisen, dass bestehende Ernährungsrichtlinien bezüglich des Milchfettverbrauchs evtl. überprüft werden sollten, um sicherzustellen, dass sie die gewünschte Wirkung haben. Fettleibigkeit im Kindesalter hat sich in den letzten 30 Jahren verdreifacht, während sich der Verzehr von Vollmilch im gleichen Zeitraum halbiert hat.

"Wir sollten nach der richtigen Antwort suchen […]", sagte Dr. Maguire.
Für diese Studie untersuchten die Wissenschaftler 2.745 Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren. Die Experten befragten Eltern, maßen Höhe und Gewicht, berechneten den BMI der Kinder und nahmen von ihnen Blutproben, um den Vitamin-D-Status zu bestimmen. Von den untersuchten Kindern tranken 49% Vollmilch, 35% tranken Milch mit 2% Fettanteil, 12% tranken Milch mit 1% Fettanteil und 4% tranken entrahmte Milch. Weniger als 1% der Kinder wechselten zwischen den Milchsorten.

Quelle: medicalXpress, St. Michael's Hospital Press Release, American Journal of Clinical Nutrition





Autor: äin-red