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05.10.2020

Studie: Starke Straßenbeleuchtung lässt Teenager schlechter schlafen

Eine groß angelegte Studie mit Teenagern in den USA zeigt, dass nächtliches Kunstlicht draußen die Schlafqualität und Gesundheit von Jugendlichen negativ beeinflussen kann.

© Dan Race - Fotolia.com

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Untersuchungen zeigen, dass Jugendliche, die in Gebieten leben, die nachts durch viel künstliches Licht beleuchtet werden, tendenziell weniger Schlaf bekommen und häufiger unter emotionalen Problemen leiden als Jugendliche, die in Gebieten mit wenig Nachtbeleuchtung leben. Die Forschungsarbeit wurde in „JAMA Psychiatry“ veröffentlicht.

„Diese Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, sowohl den Einfluss von allgemeinen als auch von individuellen Umweltfaktoren auf die psychische Gesundheit und den Schlaf zu berücksichtigen“, verdeutlichte die Studienautorin Dr. Diana Paksarian, Ph.D., Postdoktorandin am NIMH. Tagesabläufe, einschließlich der zirkadianen Rhythmen, die unsere Schlaf-Wach-Zyklen bestimmen, gelten als wichtige Faktoren, die zur körperlichen und geistigen Gesundheit beitragen. Das Vorhandensein von künstlichem Licht in der Nacht kann diese Rhythmen stören und den Tag-Nacht-Zyklus verändern, der hormonelle, zelluläre und andere biologische Prozesse beeinflusst. Forscher haben Zusammenhänge zwischen künstlichem Licht in Innenräumen, Tagesrhythmen und psychischer Gesundheit untersucht, aber welchen Einfluss künstlichem Licht im Freien insbesondere auf Teenager hat, hat bisher relativ wenig Beachtung gefunden.

In dieser Studie untersuchten Dr. Diana Paksarian und Dr. Kathleen Merikangas, Ph.D., und Mitautoren die Daten aus einer national repräsentativen Stichprobe von Jugendlichen in den USA, die als Teil der Untersuchung „National Comorbidity Survey Adolescent Supplement (NCS-A)“ von 2001 bis 2004 erhoben wurden. Die Aufzeichnungen enthielten Informationen zu individuellen Merkmalen der Teilnehmer und Informationen zur Umgebung, in der sie lebten. Der Survey gab auch Auskünfte zur psychischen Gesundheit und zu den Schlafmustern der insgesamt 10.123 Jugendliche im Alter von 13 bis 18 Jahren.
Im Rahmen von persönlichen Interviews bewerteten Experten, ob die Jugendlichen diagnostischen Kriterien für verschiedene psychische Störungen erfüllten. Die Jugendlichen beantworteten auch Fragen zu ihren Schlafgewohnheiten und berichteten, wann sie gewöhnlich ins Bett gingen und wie viele Stunden sie normalerweise an Wochentagen und am Wochenende schliefen.

Um die nächtliche Exposition der Jugendlichen gegenüber künstlichem Licht im Freien zu messen, verwendeten die Forscher Satellitenbilder. Wie erwartet variierten die künstlichen Lichtwerte nachts je nach Region. Städtisches oder ländliches Umfeld, sozioökonomisches Niveau und Bevölkerungsdichte waren wichtige Faktoren.

Es zeigte sich, dass Jugendliche, die nachts in Gebieten mit viel künstlichem Licht lebten, tendenziell über spätere Schlafenszeiten und eine kürzere Schlafdauer unter der Woche berichteten. Dieser Zusammenhang bestand auch, wenn die Forscher verschiedene Faktoren auf individueller Ebene (wie Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Anzahl der Geschwister, elterliche Erziehung) und Faktoren in der direkten Nachbarschaft (wie Urbanität und Bevölkerungsdichte) berücksichtigt hatten. Die Analysen zeigten, dass Jugendliche in Gebieten mit der größten Außenbeleuchtung im Durchschnitt etwa 29 Minuten später ins Bett gingen und 11 Minuten weniger Schlaf hatten als Jugendliche in Gebieten mit der geringsten Beleuchtung.

Die Daten legten zudem nahe, dass ein höheres Maß an künstlichem Licht in der Nacht auch mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für emotionale Probleme oder Angststörung einherging. Insbesondere Jugendliche, die nachts in Gebieten mit höherem künstlichem Licht lebten, erfüllten mit größerer Wahrscheinlichkeit die diagnostischen Kriterien für eine bipolare Störung oder eine spezifische Phobie (Angststörung). Die Studienergebnisse deuten darauf hin, dass Schlafstörungen und psychische Probleme möglicherweise auch von künstlicher nächtlicher Beleuchtung beeinflusst werden können.

Die Ergebnisse der Studie heben auch soziale Unterschiede bei der Exposition gegenüber künstlichem Licht hervor, was darauf hinweist, dass Jugendliche, die Minderheiten angehören, aus Einwandererfamilien stammen oder aus Familien mit geringerem Einkommen stammen, eher in Gebieten leben, die nachts stark ausgeleuchtet sind.

In dem Maße, in dem die Exposition gegenüber künstlichem Licht den täglichen Rhythmus wie Schlafmuster stört, könnte dies ein zusätzlicher Stressfaktor für Jugendliche sein, die aufgrund sozialer Benachteiligung bereits einem erhöhten Risiko für Gesundheitsprobleme ausgesetzt sind.

„Obwohl Umgebungslicht nur ein Faktor in einem komplexeren Netzwerk von Einflüssen auf Schlaf und Verhalten ist, könnte es ein wichtiger Ansatzpunkt für vorbeugende Maßnahmen und zur Verbesserung der Gesundheit von Jugendlichen sein“, so die Autoren.

Quelle: HealthDay, National Institut of Mental Health, JAMA Psychiatry


Autor: äin-red