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23.09.2022

Studie identifiziert Risikofaktoren für lang anhaltende Beschwerden nach einer COVID-19-Erkrankung

Einer umfangreichen amerikanischen Studie zufolge, an der 25 Kinderkliniken teilnahmen, litten mehr als ein Viertel der Kinder und Jugendlichen, die zu Beginn der Pandemie mit einer Coronavirus-Infektion ins Krankenhaus eingeliefert wurden, zwei bis vier Monate später immer noch unter gesundheitlichen Problemen. Entweder waren sie von anhaltenden Beschwerden oder Einschränkungen in ihrem alltäglichen Leben betroffen. Vor allem Kinder mit starkem Übergewicht, Asthma oder mit Beteiligung mehrerer Organsysteme bei der Coronaerkrankung hatten demnach noch länger mit Folgeerscheinungen zu kämpfen.

© grafikplusfoto - Fotolia.com

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Im Rahmen der nationalen Overcoming-COVID-19-Studie befragten Forscher und Forscherinnen unter der Leitung von Prof. Dr. Adrienne Randolph, MD, MSc, vom Boston Childrens Hospital familiäre Betreuungspersonen von Patienten unter 21 Jahren, die mit COVID-19 oder dem Multisystem Inflammatory Syndrome in Children“ (MIS-C) (Multisystem-Entzündungssyndrom) ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Der Studienzeitraum von Mai 2020 bis Mai 2021, bevor Impfstoffe verfügbar waren. Von 358 Patienten beantworteten 279 die Fragen (78%).
Von diesen Kindern und Jugendlichen wurden etwa 40% mit akutem COVID-19 und etwa 60% mit MIS-C ins Krankenhaus eingeliefert. 50% bzw. 86% mussten auf der Intensivstation behandelt werden.
Bei der Nachsorge nach zwei bis vier Monaten litten 27% der Patienten mit akutem COVID-19 und 30% der MIS-C-Patienten noch unter Beschwerden, Aktivitätsstörungen oder beides.

„Fast drei Viertel der Kinder hatten sich wieder völlig erholt, was beruhigend ist. Aber leider traf dies für mehr als jeden Vierten nicht zu. Obwohl dies viel besser ist, als viele Berichte bei älteren Erwachsenen im Krankenhaus ergeben, ist es immer noch sehr besorgniserregend. Das Risiko einer schweren Erkrankung und anhaltender Komplikationen ist höher als das Risiko von Komplikationen durch den Impfstoff, die sehr selten sind", gibt Randolph zu bedenken.

Bei den Kindern und Jugendlichen mit anhaltenden Symptomen taten folgende Beschwerden besonders häufig auf:

  • Müdigkeit oder Schwäche (bei 11,3% der COVID-19-Patienten und 20% der MIS-C-Patienten)
  • Kurzatmigkeit (9,2% bzw. 2,5%)
  • Husten (9,2 und 2,5%)
  • Kopfschmerzen (8,4 und 7,5%)
  • Muskel- und Körperschmerzen (5 und 3,1%)
  • Fieber (2,5 und 0,6%).

Einschränkungen im Alltag traten nach MIS-C etwas häufiger auf (21,3% der jungen Patienten waren betroffen) als nach akutem COVID-19 (14,3%).

  • 6,7% Patienten der COVID-19-Gruppe und 14,4% der MIS-C-Gruppe konnten nicht mehr so viel laufen oder sich bewegen wie zuvor.
  • 6,7 bzw. 7,5% der Heranwachsenden schliefen deutlich mehr als sonst.
  • 4,2 bzw. 3,8%der Heranwachsenden hatten Schwierigkeiten, Schulaufgaben zu erledigen oder fühlten sich abgelenkt und unkonzentriert.

Drei Faktoren waren mit einem erhöhten Risiko für länger anhaltende gesundheitliche Probleme verbunden:

  • Eine Beteiligung mehrerer Organsysteme bei Patienten mit akutem COVID-19.
  • Eine bereits bestehende Atemwegserkrankung (normalerweise Asthma) bei kleinen Patienten mit MIS-C.
  • Starkes Übergewicht bei Patienten mit MIS-C.

Randolph merkte an, dass diese Studie auf Kinder und Jugendliche beschränkt war, die ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten, und dass sie früh in der Pandemie stattfand. Die meisten Kinder und Jugendlichen wurden vor dem Höhepunkt der Delta-Welle eingeliefert.

"Wir sind dabei, neuere Daten zu analysieren, die die Delta-Welle und einen Teil der Omicron-Welle abdecken, einschließlich der Auswirkungen auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität", ergänzte Randolph. „Ich denke, dass es Unterschiede geben wird. Es ist wichtig zu verstehen, wie sich all die verschiedenen Varianten auf Kinder auswirken, und zu verfolgen, wie wirksam die Impfung bei der Verhinderung von Langzeitkomplikationen ist.“
Laufende Untersuchungen unter der Leitung des Boston Children's Hospital erforschten auch neurologische Komplikationen bei akutem COVID-19 und MIS-C unter Verwendung detaillierter neurokognitiver Tests, berichtete Randolph.

„Jetzt, wo Impfstoffe verfügbar sind, empfehle ich Kindern und Jugendlichen dringend, sich impfen zu lassen“, betonte sie. „Wir wissen, dass Patienten erneut infiziert werden können, selbst wenn sie COVID-19 hatten, und wir haben zuvor gezeigt, dass die Impfung MIS-C und einen schweren Verlauf von COVID-19 verhindern kann.“

Ass.-Prof. Dr. Aline Maddux, MD der University of Colorado School of Medicine and Children's Hospital Colorado, war die Erstautorin der aktuellen Studie. Die Studie wurde von den Centers for Disease Control and Prevention (an Boston Children's) und dem Eunice Kennedy Shriver National Institute of Child Health and Human Development (K23HD096018, an Maddux) finanziert.

Quellen: news-medical.net, Boston Children’s Hospital, Pediatrics


  



Autor: äin-red