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16.11.2020

Studie: Frühzeitige Einführung von Gluten kann Zöliakie bei Kindern möglicherweise verhindern

Eine Studie hat ergeben, dass die Einführung glutenhaltiger Nahrungsmittel ab einem Alter von vier Monaten in die Ernährung von Säuglingen verhindern könnte, dass sie Zöliakie entwickeln. Doch warnen Forscher zur Vorsicht, denn es seien weitere Studien erforderlich, bevor dies tatsächlich für die Praxis bestätigt und empfohlen werden kann.

Die Ergebnisse der in JAMA Pediatrics veröffentlichten EAT-Studie (Inquiring About Tolerance) von Forschern des King's College London, des NHS Foundation Trust von Guy und St. Thomas, St. George's, Universität London, und des Benaroya Research Institute, Seattle, legen nahe, dass die frühzeitige Einführung von glutenreicher Ernährung wirksam sein könnte, um Zöliakie zu vermeiden. Weitere Studien sind erforderlich, um dies zu bestätigen.

Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das körpereigene Immunsystem das eigene Gewebe angreift, wenn ein Betroffener Gluten (Klebereiweiß von Getreide) verzehrt. Derzeit ist nichts bekannt, was Zöliakie vorbeugen könnte. Die Behandlung besteht deshalb darin, Gluten langfristig aus der Ernährung zu verbannen. Selbst sehr geringe Mengen an Gluten in der Ernährung von Zöliakie-Betroffenen kann die Darmschleimhaut schädigen, Nahrungsaufnahme beeinträchtigen und Blähungen, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung und Müdigkeit auslösen.

Frühere Studien, die die frühe Einführung von Gluten bei Säuglingen untersuchten, variierten in der Menge des konsumierten Glutens und dem Zeitpunkt der Einführung. Die EAT-Studie untersuchte die Auswirkungen von Gluten neben dem Stillen ab einem Alter von vier Monaten. Die Ergebnisse wurden mit Kindern verglichen, die allergene Lebensmittel vermieden und nur Muttermilch bis zum Alter von sechs Monaten gemäß den Richtlinien der britischen Regierung bekamen.

Säuglinge im Interventionsarm der EAT-Studie erhielten ab einem Alter von vier Monaten wöchentlich 4 g Weizenprotein. Dies geschah in Form von zwei Getreidekeksen auf Weizenbasis, die einen altersgerechten Anteil an Weizen enthielten.

1004 Kinder wurden im Alter von drei Jahren auf Antitransglutanimase-Antikörper, dessen Vorhandensein auf Zöliakie hinweist, getestet. Diejenigen mit erhöhten Antikörperniveaus wurden von einem Spezialisten zur weiteren Prüfung überwiesen.

Die Ergebnisse zeigten, dass bei Kindern, die Gluten erst nach sechs Monaten angeboten bekamen, Zöliakie im Alter von drei Jahren häufiger auftrat, als erwartet - 1,4% dieser Gruppe von 516 Kindern. Im Gegensatz dazu gab es bei den 488 Kindern, die ab einem Alter von vier Monaten Gluten essen durften, keine Fälle von Zöliakie.

Der Hauptautor Professor Gideon Lack, Professor für pädiatrische Allergologie am King's College London und Leiter des Kinderallergiedienstes am Evelina London Children's Hospital, sagte: "Dies ist die erste Studie, die nahelegt, dass bei einer frühzeitigen Einführung von größeren Mengen Weizen in die Ernährung, und zwar noch bevor das Baby sechs Monate alt ist, die Entwicklung von Zöliakie verhindert werden kann. Diese Strategie könnte auch Auswirkungen auf andere Autoimmunerkrankungen wie Typ-1-Diabetes haben."
Die Autorin Dr. Kirsty Logan, die ebenso am King's College London im Bereich kindlicher Allergie forscht, ergänzte: "Die frühzeitige Einführung von Gluten und seine Rolle bei der Prävention von Zöliakie sollte weiter untersucht werden, wobei die Ergebnisse der EAT-Studie als Grundlage für größere klinische Studien dienen können, um diese Frage endgültig beantworten zu können."

Quellen: ScienceDaily, King’s College London, JAMA Pediatrics


Autor: äin-red