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20.01.2002

Studie: Frühgeburt wirkt sich noch Jahrzehnte aus

Wie entwickeln sich "Frühchen" im Gegensatz zu Gleichaltrigen, die einen leichteren Start ins Leben hatten? Drogenverhalten, Schulausbildung und beruflicher Werdegang werden in einer Studie beleuchtet, die nun im «New England Journal of Medicine» veröffentlicht wurde. Sie stützt sich auf die Daten von 242 Frühchen mit einem Geburtsgewicht von weniger als 1,5 Kilogramm und vergleicht deren Entwicklung mit dem Werdegang von 233 voll ausgetragenen Babys.

Frühchen mit einem extrem niedrigem Geburtsgewicht werden einer neuen US-Studie zufolge auch als 20-Jährige noch eher krank. Darüber hinaus studieren sie seltener als Gleichaltrige mit einem leichteren Start ins Leben, kommen aber auch weniger oft mit dem Gesetz in Konflikt. Sie rauchen und trinken seltener. Außerdem meiden sie Risiken, mit denen sie ihr Leben aufs Spiel setzen würden. Grund für dieses Verhalten ist Studienautorin Maureen Hack vom Rainbow Babies and Childrens Hospital in Cleveland (US-Staat Ohio) zufolge die enge Bindung zu den Eltern. Diese widmeten den unterentwickelten Babys über Jahre hinweg mehr Aufmerksamkeit und Fürsorge als gesunden Geschwistern.

Hacks Studie, die erste ihrer Art über eine Zeit von zwei Jahrzehnten, ist im «New England Journal of Medicine» veröffentlicht. Sie stützt sich auf die Daten von 242 Frühchen mit einem Geburtsgewicht von weniger als 1,5 Kilogramm und vergleicht deren Entwicklung mit dem Werdegang von 233 voll ausgetragenen Babys. Beide Gruppen stammen aus einem Stadtteil von Cleveland, in dem vorwiegend Familien mit relativ kurzer Schul- und Ausbildung sowie vergleichsweise niedrigem Einkommen leben.

Demnach sind Frühchen als Jugendliche und junge Erwachsene häufiger krank und leiden mitunter dauerhaft unter Komplikationen ihrer Geburt wie etwa Hirnlähmungen, Blindheit und Lungenkrankheiten. Ihre Intelligenzquotienten und schulischen Leistungen reichten zwar
selten an das Niveau der Kontrollgruppe. Dennoch erwarben die Frühgeborenen fast genauso häufig einen Schulabschluss und fanden danach eine Beschäftigung.

Hacks Kollegin Marie McCormick vom Kinder-krankenhaus in Boston, nennt dieses Ergebnis in einem Begleitkommentar sehr ermutigend. Sie habe befürchtet, dass Frühchen durch die schulische Belastung eher abrutschen könnten und sich in Alkohol und Drogen flüchten würden. "Ihre innere Stärke und die ihrer Familien sollte weiter beleuchtet werden", empfiehlt McCormick.

Autor: äin-red