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13.08.2018

Studie: Alkoholkonsum während des Stillens kann Entwicklung bei Kindern beeinträchtigen

Ein riskanter oder höherer Alkoholkonsum während des Stillens könnte laut einer australischen Langzeitstudie zu geistigen Beeinträchtigungen bei den Kindern führen.

In einem in „Pediatrics“ veröffentlichten Artikel analysierten Forscher die Daten von 5.107 Säuglingen, die im Rahmen der Studie "Growing Up in Australia: The Longitudinal Study of Australian Children“ alle zwei Jahre untersucht wurden. Dabei erfassten die Wissenschaftler auch Faktoren, wie Informationen über das Rauchverhalten und die Trinkgewohnheiten der Mütter während des Stillens.

Die Analyse zeigte einen signifikanten Zusammenhang zwischen erhöhtem Alkoholkonsum bei Müttern und verminderter Fähigkeit ihrer Kinder im Alter von 6-7 Jahren, Schlussfolgerungen zu ziehen. Der Effekt war unabhängig von anderen Faktoren, die eine Rolle gespielt haben könnten, einschließlich pränatalem Alkoholkonsum, Alter der Mutter, Einkommen, Geburtsgewicht, Kopfverletzung und Lernverzögerung.

Eine vergleichbare Assoziation wurde bei Kindern, die nie gestillt wurden, nicht beobachtet, was die Autoren in ihrer Annahme bestätigte, dass die kognitiven Effekte auf die Alkoholexposition durch die Muttermilch zurückzuführen sind.
"Die Resultate legen nahe, dass Alkoholexposition durch Muttermilch für die Beeinträchtigung der geistigen Entwicklung bei den gestillten Säuglingen verantwortlich war, und nicht psychosoziale oder umweltbedingte Faktoren, die im Zusammenhang mit dem Alkoholkonsum der Mutter auftreten", schreiben Louisa Gibson, Doktorandin der Neuropsychologie an der Macquarie Universität in Sydney, und Professor Melanie Porter, Abteilung Psychologie an der Macquarie Universität in Sydney.

Bei Kindern im Alter von 8-11 Jahren war der Zusammenhang jedoch nicht mehr erkennbar. Die Autoren erklärten, dass dies möglicherweise auf die positiven Einflüsse durch Faktoren wie höhere Bildung zurückzuführen sei.
Darüber hinaus fanden Frau Gibson und Professor Porter keinen Zusammenhang zwischen Rauchen während des Stillens und den kognitiven Fähigkeiten der Nachkommen.

Die Ergebnisse zum Stillen und kognitiven Beeinträchtigungen bei gestillten Säuglingen stimmen mit Tierstudien überein, die zeigen, dass Ethanol in der Muttermilch die normale Entwicklung des Gehirns beeinträchtigen kann.
"Das vermehrt Absterben von Zellen im zerebralen Kortex kann beispielsweise exekutive Fähigkeiten höherer Ordnung stören, auf die man bei den Denkaufgaben angewiesen ist", schreiben die Autoren. "In ähnlicher Weise könnte eine reduzierte Myelinisierung die Verarbeitungsgeschwindigkeit verringern, die benötigt wird, wenn ein Problem schnell gelöst werden muss."
Bei Kindern kann auch eine verminderte Wahrnehmung als sekundäre Folge von veränderten Ernährungs-  und Schlafmustern auftreten, die ihrerseits die Entwicklung des Gehirns beeinflussen und zu Verhaltensänderungen führen können und die zu weniger anregenden reizen in der Umgebung des Kindes führen könnten.

Die Autoren stellten jedoch fest, dass die Häufigkeit und Menge der konsumierten Milch sowie der Zeitpunkt des Alkoholkonsums im Vergleich zum Stillen nicht als Teil der Studie erfasst wurden.

Der Einfluss davon sei jedoch nicht bekannt, da nicht alle Frauen ihren Alkoholkonsum zeitlich begrenzten, um die Alkoholexposition zu verringern. Der unvorhersehbare Nahrungsbedarf eines Säuglings könnte diese Bemühungen, das Kind weniger Alkohol auszusetzen, ebenso behindern, so die Autoren.

Quelle: Pediatrics News, Pediatrics



 


Autor: äin-red