Kinder- & Jugendärzte im Netz

Ihre Haus- & Fachärzte von der Geburt bis zum vollendeten 18. Lebensjahr

Herausgeber:

14.05.2004

Stressfrei in die Pubertät

Die Pubertät ist für Jugendliche und Eltern eine schwierige Zeit. Jugendliche sind vielen körperlichen Veränderungen unterworfen, die auch seelische Probleme mit sich bringen können. Sie streben nach Selbständigkeit und stellen vieles in Frage, brauchen aber auf der anderen Seite viel Verständnis. Geduld, feste Regeln und Abmachungen können helfen diese konfliktreiche Phase zu meistern...

In Pubertät bewegen sich Jugendliche im Grenzbereich, sie fühlen sich nicht mehr als Kinder, sind aber noch keine Erwachsenen. Die Pubertät setzt normalerweise bei Mädchen im Alter von 11, bei Jungen im Alter mit 12 Jahren ein, wobei es starke individuelle Schwankungen gibt. In den vergangenen 50 Jahren hat sich der Beginn der Pubertät bei Mädchen und Jungen um etwa zwölf Monate nach vorn verlagert. Bei einer guten Ernährung und Gesundheitsversorgung entwickeln sich Kinder besser und schneller. Generell gibt es in den Industriestaaten eine Tendenz zur früheren und schnelleren Pubertät. Stadtkinder erleben ihre Geschlechtsreife meist eher als ihre Altersgenossen auf dem Land.

Jugendliche sind in dieser Zeit starken körperlichen Veränderungen unterworfen:

  • Der Stimmbruch setzt ein und verleiht dadurch Jungen wie Mädchen eine tiefere Stimme.
  • Die Schamhaare beginnen zu wachsen.
  • Bei Mädchen entwickelt sich die weibliche Figur. Das Wachstum der Brüste beginnt und die Menstruation setzt ein.
  • Wachstumsschübe lassen die Körper der Jungen und Mädchen oft unproportional und ungelenk erscheinen.
  • Talgdrüsen produzieren zu viel Hautfett, Pickel blühen auf und werden zusätzlich zu einem Problem für das Selbstbewusstsein.


Auch die Psyche ist betroffen
Die körperlichen Veränderungen wirken tiefgreifend auf die Psyche der Jugendlichen. Sie sind starken Gefühlsschwankungen ausgesetzt, wechseln oft zwischen Depression und Aggression, zwischen Verunsicherung und Überheblichkeit. Insbesondere die Jungen dieser Altersgruppe neigen zu einem größeren Risikoverhalten, z.B. beim Suchtmittelgenuss (Alkohol, Drogen). Bei Mädchen äußern sich psychische und soziale Probleme nicht selten in psychosomatischen Erkrankungen, wie z.B. Essstörungen, anderen Suchterkrankungen oder Depressionen. Die hohe Selbstmordrate (zweithäufigste Todesursache bei den 15- bis 19-Jährigen) bei Jugendlichen zeigt, wie sehr manche Jugendliche mit ihren Gefühlen zu kämpfen haben.

Eltern müssen viel Verständnis aufbringen
Das Zusammenleben mit pubertierenden Jugendlichen ist für viele Eltern schwierig. Einerseits brauchen die Kinder Selbstbestätigung und Anerkennung, andererseits streben sie nach Unabhängigkeit. Freunde spielen dabei eine wichtige Rolle. Eltern haben die schwierige Aufgabe, das richtige Maß zwischen Kontrolle und Loslassen zu finden. Sie brauchen viel Geduld und innere Sicherheit, um zwischen pubertärem Übermut und klaren Überschreitungen unterscheiden zu können. Für Kinder wie Eltern können feste Regeln und Abmachungen hilfreich sein: Eltern sollten beispielsweise die Privatsphäre ihrer Kinder achten, sollten aber selbst ihre eigenen Grenzen festsetzen, z.B. wenn die Unordnung zu groß wird und sie nicht als "Bedienstete" ihrer Kinder fungieren wollen.

TV-Tipp: In der Sendung "Wir in Bayern - Abenteuer Familie" (Bayerisches Fernsehen) haben Eltern am 14.05. ab 16:05 die Möglichkeit, sich zu diesem Thema zu informieren. Als Experte ist Herr Hannes Niggenaber, Psychologe im Studio. Sie können auch Fragen zum Thema unter der Telefonnummer 0137/44 45 41 stellen.

Autor: äin-red