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18.09.2020

Stillen: Muttermilch fördert eine gesunde Darmflora des Babys

Kanadische, iranische und amerikanische Forscher haben herausgefunden, dass mithilfe von Muttermilch Bakterien, die die Darmflora positiv beeinflussen, von der Mutter zum Darm des Kindes gelangen. Stillen direkt an der Brust fördert diesen Prozess anscheinend am besten.

Die in „Cell Host & Microbe“ veröffentlichte Studie ergab, dass bestimmte Bakterien, sowohl in der Muttermilch als auch im Stuhl von gestillten Säuglingen vorkommen. Diese Koexistenz ist höher, wenn Säuglinge direkt an der Brust gestillt werden.

„Unsere Studie bestätigt, dass Muttermilch sehr wichtig für die Entwicklung der Darmflora bei Säuglingen ist. Wir fanden heraus, dass die Exklusivität und Dauer des Stillens stark mit der Gesamtzusammensetzung der Darmflora eines Babys zusammenhängt […]", erklärte Professor Dr. Stuart Turvey von der University of British Columbia (UBC), ein Autor der Studie.

Laut den Wissenschaftlern ist dies die erste Studie, die den Zusammenhang zwischen mehreren Stillpraktiken (Modus, Exklusivität und Dauer), Milchbakterien und Milchkomponenten mit der Zusammensetzung der Darmflora bei Säuglingen zu mehreren Zeitpunkten im ersten Jahr eines Babys untersucht hat.

Die Experten analysierten das Mikrobiom des Stuhls von Babys und der Muttermilch mithilfe der 16S-rRNA-Sequenzierung, einer Technik zur Identifizierung, Klassifizierung und Bestimmung der Häufigkeit von Bakterienarten. Die 1.249 an der Studie beteiligten Mutter-Kind-Paare sind zugleich Teilnehmer der CHILD Cohort Study (CHILD), einer weltweit führenden Geburtskohortenstudie, die die Gesundheit von Müttern, Neugeborenen und Kindern untersucht. Die Ergebnisse bauen auf früheren CHILD-Untersuchungen auf, die zeigten, dass das Abpumpen von Muttermilch die Zusammensetzung des Mikrobioms der Muttermilch beeinflusst und damit auch die Gesundheit des Säuglings.

Probiotika von der Brust in den Darm

"Unsere Studie hat in einzigartiger Weise nachgewiesen, dass Muttermilch und Säuglingsdarm zwar unterschiedliche Mikrobiom-Zusammensetzungen aufweisen, es jedoch einige gemeinsam vorkommende Bakterien gibt, die in der Muttermilch von Müttern, die nur direkt stillten, häufiger vorkommen, während andere Bakterien einen Dosis-abhängigen Zusammenhang bei exklusivem Stillen zeigen", sagte Professor Brett Finlay von der UBC, ebenso Autor der Studie.

"Diese Ergebnisse stützen die Hypothese, dass Muttermilch als ‚Inkubator‘ fungieren kann, der bestimmte Bakterien anreichert, schützt und in den Darmtrakt eines Babys transportiert. Dies kann uns Hinweise geben, welche Bakterien als gute Probiotika fungieren könnten, da sie von der Brust in den Darm des Babys überstehen", fügte Finlay hinzu.

Quellen: News Medical Liefe Science, University of British Columbia, Cell Host & Microbe


Autor: äin-red