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03.03.2021

Starke Angst vor Spritzen beginnt sich etwa mit fünf Jahren zu verfestigen

Die Angst vor Spritzen ist relativ verbreitet und kann sogar dazu führen, dass einige Menschen wichtige Impfungen, Therapien und Zahnbehandlungen vermeiden.

„Die Angst vor Spritzen entwickelt sich etwa im Alter von 5,5 Jahren und kann, wenn sie stark ausgeprägt ist, bis ins Erwachsenenalter hinein anhalten. Deshalb ist es wichtig, dass Kinder früh eine positive Einstellung dazu gewinnen. Neben einer bestimmten Veranlagung zu Ängstlichkeit entscheiden schlechte Erfahrungen über die weitere Haltung des Kindes gegenüber Spritzen“, erklärt Dr. Monika Niehaus, Kinder- und Jugendärztin und Mitglied des Expertengremiums vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Schätzungsweise 3,5 bis 10% der Bevölkerung leiden unter einer Spritzenangst, so das Ergebnis einer finnischen Überblicksstudie. Etwa drei Viertel der Betroffenen machen demnach ein einschneidendes Erlebnis dafür verantwortlich. Bei Phobien kann eine Psychotherapie sinnvoll sein.

Furcht vor Spritzen hat ein Großteil der Kinder, doch verringert sich dieses ungute Gefühl und verschwindet oft sogar ganz, wenn die Kinder älter werden. Eine starke Angst bzw. Phobie zeigen etwa 19% der Vier- bis Sechsjährigen, während dies nur noch für 11% der Zehn- bis Elfjährigen zutrifft, so ein weiteres Ergebnis der finnischen Arbeit. „Kinder beruhigt die Anwesenheit der Eltern, wenn diese selbst keine negativen Gefühle gegenüber Impfungen zeigen. Bis zu einem Alter von 10 Jahren sollten die Eltern in jedem Fall anwesend sein“, so Dr. Niehaus.

Eltern sollten bei älteren Kindergartenkindern und Schulkindern einige Wochen vor dem Impftermin das Thema „Impfungen“ ansprechen. Wenn Kinder sich fürchten, sollten Eltern nicht darüber lachen, sondern dies ernst nehmen. Dabei sollten sie aber ehrlich sein und nicht verheimlichen, dass ein kurzer Schmerz möglich ist. „Lenken Sie die Aufmerksamkeit Ihres Kindes darauf, wie wichtig Impfungen sind und darauf, dass sie sie davor bewahren, krank zu werden“, ergänzt Dr. Niehaus. Da Kinder in diesem Alter gerne das Gefühl haben, dass sie eine gewisse Kontrolle über eine Situation haben, kann der Kinder- und Jugendarzt sie vielleicht wählen lassen, auf welcher Seite die Spritze zum Einsatz kommt. Oder Kinder entscheiden beispielsweise, ob sie hinsehen wollen oder nicht. Ein mitgebrachtes Lieblingsbuch oder -Stofftier kann für Ablenkung sorgen.

Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut hat einige Maßnahmen herausgearbeitet, die Kindern in den verschiedenen Altersgruppen den unangenehmen Einstich erleichtern:

  • Bei Säuglingen wirkt ein Schnuller oder das Stillen schmerzlindernd.
  • Bei Kindern unter zwei Jahren kann zwei Minuten vor der Impfung eine Zuckerlösung einen schmerzlindernden Effekt haben.
  • Eltern sollten Säuglinge und Kleinkinder bis zu drei Jahren auf dem Schoß oder auf dem Arm halten.
  • Kinder ab drei Jahren können bei der Impfung aufrecht sitzen – vorausgesetzt sie neigen nicht zu Ohnmachtsanfällen.
  • Die Verwendung eines Eissprays, einer betäubenden Creme oder eines betäubenden Pflasters kurz vor der Impfung lindert/n den Einstichschmerz.

Quellen: RKI/STIKO, Children’s Hospital Colorado, Open Nurs., The Conversation
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Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ). Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.kinderaerzte-im-netz.de. Bei Veröffentlichung in Online-Medien muss die Quellenangabe auf diese Startseite oder auf eine Unterseite des BVKJ-Elternportals verlinken. Fotos und Abbildungen dürfen grundsätzlich nicht übernommen werden.

Autor: äin-red