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07.09.2018

Sprachförderung: Eltern sollten sich viel mit ihren kleinen Kindern unterhalten

Eltern, die sich mit ihren kleinen Kindern unterhalten und nicht nur Monologe führen, verbessern die Verbindungen zwischen zwei Sprachregionen im Gehirn der Kinder und fördern damit ihre Sprachentwicklung. Dies zeigen aktuelle amerikanische Forschungsergebnisse.

Die aktuelle Studie, die im „Journal of Neuroscience“ veröffentlicht wurde, fand heraus, dass die wechselseitige Unterhaltung mit Erwachsenen bei Kleinkindern zu stärkeren Signalwegen zwischen zwei Gehirnregionen führen kann, die für ihre Sprachentwicklung entscheidend sind.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass die ‚Informationsautobahnen‘ zwischen den Sprachregionen des Gehirns bei Kindern ‚besser ausgebaut‘ waren, wenn diese viel mit ihren Eltern redeten […]", berichtete Dr. Rachel Romeo, Postdoktorandin im Kinderkrankenhaus von Boston und Hauptautorin der Studie, in einem Interview mit ABC News.

Die Studie des Teams der Harvard University, des Massachusetts Institute of Technology und der University of Pennsylvania um Dr. Romeo basiert auf der Untersuchung einer relativ kleinen Gruppe von 40 Kindern im Alter von 4 bis 6 Jahren.

Die Forscher zeichneten zwei Tage lang die Unterhaltungen der Kinder mit ihren Eltern auf, um die Anzahl der verschiedenen Wörter, die Kinder hörten, die Anzahl der Wörter, die sie sprachen, und die Anzahl wechselseitigen Äußerungen, die sie in Gesprächen mit ihren Betreuern machten, zu erfassen. Das Team verwendete dann ein MRI, um Bilder von den Gehirnen der Kinder anzufertigen, und testeten dann die verbalen und kognitiven Fähigkeiten der Kinder.

Nicht nur hören, sondern auch selbst sprechen ist wichtig

Kinder, die mehr wechselseitige bzw. interaktive Gespräche mit ihren Eltern führten, hatten stärkere Verbindungen zwischen den Gehirnregionen, die für das Sprachverständnis und Sprachbeherrschung verantwortlich waren. Es ist allgemein bekannt, dass die Quantität und Qualität die Sprache, die Kinder früh im Leben hören, ihre zukünftigen verbalen und kognitiven Fähigkeiten beeinflussen.

In einer Studie aus den 1990er Jahren fanden Forscher heraus, dass Kinder in einem höheren sozioökonomischen Umfeld bis zum Schulalter durchschnittlich 30 Millionen Wörter mehr hören, als Kinder, die in einem niedrigeren sozioökonomischen Umfeld aufwachsen. Die Erkenntnisse wurden in der internationalen Medizin als „Word Gap“ ("Wortlücken") bekannt.
Seitdem lag der Schwerpunkt der frühkindlichen Sprachentwicklung darauf, Kinder dazu zu bringen, eine größere Anzahl von Wörtern zu hören. Romeo ist der Meinung, dass die „Word Gap“-Theorie eine zu einfache Herangehensweise an die Sprachentwicklung ist, und die Arbeit ihres Teams ist Teil einer Bewegung, die mehr über die Qualität der Sprache nachdenkt, der Kinder ausgesetzt sind, statt nur die Quantität zu betrachten.

Während andere Untersuchungen die verbalen Fähigkeiten von Kindern mit der Komplexität von Gesprächen in Verbindung bringen, die sie in jungen Jahren mit Erwachsenen führen, ist dies die erste Studie, die nahe legt, welche spezifischen strukturellen Veränderungen im Gehirn für diese Assoziation verantwortlich sein könnten. Da dies eine kleine Studie ist, muss der Zusammenhang noch weiter belegt werden und z.B. in Studien mit mehr Teilnehmern nachgewiesen werden.

"Die Studie befindet sich in einem frühen Stadium. Sie sollte feststellen, ob diese Beziehungen [zwischen gesprochener Sprache und Gehirnstruktur] existieren. Jetzt, wo wir wissen, dass es so ist, werden wir zu einer Interventionsstudie übergehen […] und gezielt diese Gehirnregionen untersuchen", sagte Romeo.

Wenn sich bestätigt, was wir bisher gesehen haben, dann ist „interaktives Reden mit Kindern“ eine kostengünstige Intervention, die jeder Betreuer leisten kann.

"Wenn Sie Kinder in Gespräche mit einbeziehen, können Sie die Sprache an ihr Entwicklungsniveau anpassen ... So erhalten sie eine optimale Rückmeldung", ergänzte Romeo.

Quelle: ABC News, Journal of Neuroscience

Autor: äin-red