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23.02.2015

Selbständige Kinder besitzen häufig bessere kognitive Fähigkeiten

Kanadische Forscher untersuchen, wie Mütter die Selbständigkeit ihres Kindes unterstützen und welche Auswirkungen dies auf deren Fähigkeiten hat. Das Ergebnis: Werden Kinder von ihren Müttern immer wieder in ihrer Selbständigkeit gefördert, so wirkt sich dies laut den Experten von der Universität von Montreal auch positiv auf ihre kognitiven (geistige) Fähigkeiten aus.

Die Wissenschaftler konzentrierten sich besonders auf exekutive Funktionen. Darunter werden verschiedene Fähigkeiten verstanden, mit denen Menschen ihr Verhalten steuern können, um Ziele zu erreichen. "Wir konnten zeigen, dass die Exekutivfunktionen des Kindes von der Fähigkeit der Mutter abhängen, die Autonomie des Kindes zu unterstützen. Dazu gehört, dass Mütter ihrem Kind Problem lösendes Denken beibringen und dessen Perspektive einnehmen, um ihm bei der Bewältigung einer Aufgabe behilflich sein zu können ", verdeutlichte Célia Matte-Gagné, die die Studie leitete. "Die Studie demonstriert, dass es nicht nur wichtig für das Kind ist, einen guten Start zu haben. Während viele Studien bestätigt haben, dass die Unterstützung der Mutter bedeutend ist, haben nur wenige verfolgt, wie die mütterliche Hilfe sich im Laufe der Zeit ändern kann und welche Auswirkungen das hat."

78 Mütter und ihre Kinder nahmen an der Untersuchung teil. Die Probanden wurden zweimal zuhause vom Forscherteam besucht - einmal, als das Kind 15 Monate alt war, und dann wieder, als es 3 Jahre alt war. Jeder Besuch dauerte 60 bis 90 Minuten. Während dieser Zeit wurde die Mutter gebeten, ihrem Kind bei Aufgaben zu helfen, die etwas zu schwer für es allein waren. Beim ersten Besuch sollte das Kind einen Turm bauen und ein Puzzle vervollständigen. Beim zweiten Besuch sollten das Kind Formen sortieren. Die Tätigkeiten dauerten 10 Minuten und wurden mit Video aufgezeichnet.

Auf diese Weise konnten die Experten beurteilen, wie die Mutter die Autonomie ihres Kindes förderte:

  • Inwiefern die Mutter ihr Kind ermutigte, die Aufgabe zu lösen (mit positiven Rückmeldungen und mit einem aufmunternden Ton in der Stimme).
  • Ob sie sich in das Kind hineinversetzten konnte und sich anpassungsfähig erwies, um es zum Vervollständigen der Aufgabe zu bewegen.
  • Ob sie sich am Tempo ihres Kindes orientierte und ihm Möglichkeit gab, selbst Entscheidungen zu treffen und eine aktive Rolle zu spielen
  • und ob sie eingriff, um die Aufgabe an die Bedürfnisse des Kindes anzupassen, aber ihre Kontrolle auf ein Mindestmaß reduzierte.

Die Exekutivfunktionen des Kindes wurde nach drei Jahren getestet. Die höchste Punktzahl erreichten Kinder, deren Mütter durchweg am besten die Autonomie ihres Kindes unterstützen. Umgekehrt schnitten diejenigen am schlechtesten ab, deren Mütter diese Fähigkeit am wenigsten besaßen. Es gab keine Phase in der Entwicklung des Kindes, die besonders wichtig gewesen wäre. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass vor allem die Beständigkeit im Verhalten der Eltern einen großen Einfluss auf die Entwicklung ihres Kindes hat.

Quelle: Universite de Montreal, Journal of Child and Family Studies



Autor: äin-red