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20.12.2019

Schulmahlzeiten: Japans Kinder genießen eine besonders gute Ernährung

Japan schafft eine seltene Leistung für ein Industrieland, wenn es darum geht, seine Kinder gut zu ernähren. Es besitzt im Vergleich zu anderen Ländern eine geringe Rate von übergewichtigen Kindern. Ein Grund dafür ist das Schulessen.

© VICUSCHKA - Fotolia.com

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Ein wegweisender Bericht der UNICEF (The State of the World’s Children 2019) zeigt, dass Japan in Bezug auf die Gesundheit von Kindern mit niedrigen Kindersterblichkeitsraten und wenigen untergewichtigen Kindern ein Spitzenreiter ist. Es ist jedoch auch das Land mit der niedrigsten Adipositasrate (Fettleibigkeit) bei Kindern unter den 41 Industrieländern in der "Organisation for Economic Cooperation and Development" und in der Europäischen Union.

Hauptfaktoren für die Gesundheit japanischer Kinder: Gesundheitsbewusstsein, regelmäßige Vorsorgen und Schulessen

Experten sagen, dass viele verschiedene Faktoren dafür verantwortlich seien, darunter eine gesundheitsbewusste Gesellschaft und regelmäßig vorgeschriebene Untersuchungen für Kinder, aber auch ein landesweites Schulspeisungsprogramm.

"Schulessen mit Menüs, die von Ernährungswissenschaftlern zusammengestellt werden, werden an allen Grundschulen und den meisten Mittelschulen in Japan angeboten", erklärte Professor Mitsuhiko Hara, Kinder- und Jugendarzt, von der Tokyo Kasei Gakuin University, gegenüber AFP. Die Mittagessen sind obligatorisch - keine mitgebrachten Lunchpakete sind erlaubt - und obwohl sie für die meisten nicht kostenlos sind, werden sie stark subventioniert.
Jede Mahlzeit enthält etwa 600-700 Kalorien und einen ausgewogenen Anteil von Kohlenhydraten, Fleisch oder Fisch und Gemüse, z.B. Reis mit gegrilltem Fisch und einem Spinat-Sprossen-Gericht, serviert mit Miso-Suppe mit Schweinefleisch, zusammen mit Milch und Trockenpflaumen.

"Das Mittagessen in der Schule soll eine Ernährung bieten, die eine Mahlzeit zuhause meist nicht gewährleistet", verdeutlichte Mayumi Ueda vom Bildungsministerium gegenüber AFP. "Ich denke, es [das Schulessen] trägt zu einer gesunden Nährstoffbilanz bei, die für Kinder notwendig ist."

Essen wird mit Wissensvermittlung über Ernährung kombiniert

Im Gegensatz zum Cafeteria-System, das in einigen westlichen Ländern betrieben wird, werden japanische Schulessen normalerweise im Klassenzimmer serviert. Die Schüler verteilen häufig selbst das Essen und räumen anschließend den Raum auf. Es gibt keine Auswahl bei den Gerichten und keine Zugeständnisse für Vegetarier oder Personen mit religiösen Einschränkungen, da sich die Bevölkerung in Japan weitgehend homogenen zusammensetzt und es kaum Vegetarier und Anhänger von anderen Religionen außerhalb des Buddhismus gibt.

Die Schulmahlzeiten sollen die Kinder nicht nur ernähren, sondern sie auch unterrichten. "Es gibt auch eine tägliche Sendung in der Schule, um die Ernährungselemente zu erklären, die im Schulessen des Tages enthalten sind, und dies ist eine gute Möglichkeit, Kinder zu erziehen", erläuterte Hara.
In der Grundschule verwenden Schüler Magnete mit Bildern von Lebensmitteln und ordnen sie auf einem Board verschiedenen Kategorien zu. Dabei lernen sie, Proteine von Kohlenhydraten zu unterscheiden.

"Schulspeisung ist als Teil der Erziehung gesetzlich verankert", ergänzte Ueda.
Es geht nicht nur darum, Essen zu essen, sondern auch darum, dass Kinder lernen, es selbst aufzutischen und aufzuräumen.

Ständige Erfassung der Ernährungs- und Essgewohnheiten in Japan

Die japanische Regierung untersucht jährlich die Ernährungs- und Essgewohnheiten in Japan und verwendet die Ergebnisse, um die Zutaten für die Schulmahlzeiten zu bestimmen.

Das Schulessen in Japan lässt sich bis ins Jahr 1889 zurückverfolgen, als in der nördlichen Präfektur Yamagata in Armut lebende Kinder mit Reisbällchen und gegrilltem Fisch versorgt wurden.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Programm landesweit ausgedehnt, um Kinder angesichts schwerwiegender Nahrungsmittelknappheit besser zu versorgen.

Erinnerung an Check-ups und Verwendung saisonal verfügbarer Nahrungsmittel

Hara räumte ein, dass es noch andere Faktoren gibt, die zur Gesundheit der japanischen Kinder beitragen. Japaner seien gesundheitsbewusst und ernährten sich vielseitig. "Und wir haben gelernt, entsprechend Lebensmittel den Jahreszeiten auszuwählen, was ebenso gesund ist. Japan ist eines der seltenen Länder, in denen der saisonabhängigen Ernährung sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt wird", fügte er hinzu.

Die Ergebnisse gehen aus den Statistiken hervor: Japan weist eine der niedrigsten Kindersterblichkeitsraten der Welt auf, und die Rate der übergewichtigen oder fettleibigen Kinder im Alter von fünf bis 19 Jahren liegt mit 14,42% weit unter den Raten der meisten anderen Industrieländer. Die USA erreicht mit 41,86% die Spitze der UNICEF-Rangliste, Italien folgt mit 36,87% und Frankreich mit 30,09%.

Hara sagte, dass ein weiterer Faktor für die Gesundheit der Kinder in Japan regelmäßige Gesundheitschecks sind. Eltern von Säuglingen werden von der örtlichen Regierung daran erinnert, und Kinder werden in der Schule einer Gesundheitskontrolle unterzogen, einschließlich der Messung von Größe und Gewicht.

Trotzdem ist Japan dem wachsenden Trend zu Übergewicht nicht gänzlich entgangen. Doch wie anderswo sind davon in Japan tendenziell auch weniger die wohlhabenden Familien betroffen. "Kinder in Armut sind mit größerer Wahrscheinlichkeit übergewichtig, weil Familien versuchen, die Kosten zu senken", beschrieb Hara die Gründe dafür. "Infolgedessen essen sie weniger Eiweiß, verzehren aber mehr Kohlenhydrate und Zucker, was zu Fettleibigkeit führt."

Schulessen seien für Kinder in solchen Familien umso wichtiger, betonte er. Ein Großteil der Ernährung machten die Schulmahlzeiten aus, sie seien daher besonders wichtig für benachteiligte Kinder.

Andere Länder in Südostasien konsumieren vorwiegend Fertiggerichte

Die Daten des UNICEF-Berichts zeigten demgegenüber auch, dass eine signifikante Anzahl von Kindern in südostasiatischen Ländern wie den Philippinen, Indonesien und Malaysia zu viele Fertiggerichte mit Instantnudeln essen.

Quellen: medicalXpress, studyinternational.com, UNICEF




Autor: äin-red