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25.01.2023

Rückenlage des Babys auf einer ebenen, festen Unterlage hilft plötzlichen Kindstod zu verhindern

Der Begriff plötzlicher Kindstod (SIDS: Sudden Infant Death Syndrome) bezeichnet den plötzlichen und unerwarteten Tod eines Säuglings im ersten Lebensjahr im Schlaf. Er gehört in den Industrienationen immer noch zu den häufigsten Todesursachen im ersten Lebensjahr. Die genauen Gründe dafür sind bis heute noch nicht geklärt, aber es gibt einige einfache Maßnahmen, die dies verhindern helfen.

“Legen Sie Ihr Baby zum Schlafen immer auf den Rücken in einen passenden Babyschlafsack. Die Unterlage sollte fest und eben sein. Bettdecken und Kissen oder andere Gegenstände, die das Risiko erhöhen, dass sie die Atemwege des Babys bedecken oder dass sich das Baby darin verheddern kann, sollten sie aus dem Kinderbett entfernen. Sie können darüber hinaus für eine Überwärmung des Babys sorgen“, betont Dr. Monika Niehaus, Kinder- und Jugendärztin und Mitglied des Expertengremiums vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

Säuglinge können ihre Schlafhaltung in den ersten fünf bis sechs Monaten noch nicht selbst beeinflussen. Die Rückenlage ist die sicherste und beste Schlafposition, Bauchlage und Seitenlage sind als Schlafpositionen riskant. „Wenn Ihr Baby jedoch von seinem Rücken zur Seite oder zum Bauch alleine gerollt ist, kann es in dieser Position gelassen werden, wenn es bereits in der Lage ist, vom Bauch zum Rücken und zurück zum Bauch zu rollen“, ergänzt Dr. Niehaus.

Eigenes Kinderbettchen

Das Baby sollte im eigenen Bett im Schlafzimmer der Eltern schlafen, aber nicht im selben Bett, zumindest für die ersten 6 Monate. Im Bett der Eltern besteht für Babys ein erhöhtes Risiko für den plötzlichen Kindstod. Eltern können zudem während des Schlafes versehentlich auf das Babys rollen.

Das SIDS-Risiko steigt, wenn Eltern und Baby das Bett teilen und das Kind nicht im eigenen Bettchen liegt, um das Fünf- bis Zehnfache, wenn ein Säugling unter vier Monate alt ist. Dieses Risiko ist sogar bis zu 67-mal höher, wenn das Baby mit jemandem auf einer Couch oder einem weichen Sessel oder Ähnlichem schläft. Das Risiko erhöht sich auf das Zehnfache, wenn es mit jemandem schläft, der beruhigende Medikamente oder Rauschmitteln wie Alkohol oder illegale Drogen zu sich genommen hat oder Raucher ist.

Babyschalen eigenen sich nicht als Schlafstätte

Zum Schlafen eigenen sich Sitzvorrichtungen wie Autositze, Kinderwagen, Schaukeln, Babyschalen und Tragetücher nicht, insbesondere für Säuglinge unter 4 Monaten. „Wenn das Baby darin einschläft, sollte es so schnell wie möglich auf eine feste, nicht geneigte, flache Schlaffläche gebracht werden. Kinder können dabei z.B. durch einen Sicherheitsgurt stranguliert werden, weil sie z.B. im Sitz nach unten rutschen, oder sie bekommen aufgrund ihrer zusammengesunkenen Körperhaltung nicht genug Luft“, verdeutlicht Dr. Niehaus.

Rauchen der Eltern gilt als Risikofaktor

Eine Umfrage unter über 2.500 Müttern in Deutschland ergab, dass die Mehrheit der Befragten wichtige Empfehlungen für eine sichere Schlafumgebung des Babys einhalten. Doch 43% der Mütter wollen ihren Babys noch lose Gegenstände mit ins Bett geben und 22% der Säuglinge leben demnach in einem Haushalt mit einem Raucher.
Weitere Faktoren, die schützend wirken, sind Stillen, Schnullergebrauch und eine nicht zu warme Schlafumgebung.

1998 starben noch 602 Kinder plötzlich und unerwartet im ersten Lebensjahr. Durch Aufklärungskampagnen verringerte sich die Zahl der Todesfälle 2010 auf etwa ein Drittel (184). Und von 2010 bis 2020 hat sich die Zahl der Todesfälle infolge des Plötzlichen Kindstods aufgrund der Präventionsmaßnahmen noch einmal fast halbiert (auf 64 Todesfälle).

Quellen: AAP, J Perinat Med., Healthychildren.org, BMJ Open, Pediatrics (1, 2), gbe-bund.de (Todesursachstatistik)
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Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ). Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.kinderaerzte-im-netz.de. Bei Veröffentlichung in Online-Medien muss die Quellenangabe auf diese Startseite oder auf eine Unterseite des BVKJ-Elternportals verlinken. Fotos und Abbildungen dürfen grundsätzlich nicht übernommen werden.

Autor: äin-red