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25.01.2021

Rodeln: Verletzungsgefahren meiden und Helm tragen

Eine amerikanische Untersuchung bestätigt erneut, dass Rodeln nicht so ungefährlich ist, wie allgemein angenommen wird, und dass bei dieser Freizeitaktivität überwiegend Minderjährige von Unfällen und Verletzungen betroffen sind. Die amerikanischen Autoren raten deshalb dazu, auch beim Rodeln einen Helm zu tragen und hindernisfreie Schlittenabfahrten zu wählen.

© Juozas Rupsys - Fotolia.com

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Eine aktuelle Studie, die von Forschern des Center for Injury Research and Policy at Nationwide Children's Hospital durchgeführt wurde, ergab, dass von 2008 bis 2017 220.488 Patienten in US-Notaufnahmen wegen Verletzungen im Zusammenhang mit Rodeln behandelt wurden. Fast 70% dieser Patienten waren Heranwachsende bis zum Alter von 19 Jahren. Im Vergleich zu Erwachsenen wurden Kinder wegen eines Schlittenunfalls fast siebenmal häufiger in einer Notaufnahme behandelt.

Kopfverletzungen ereignen sich beim Schlittenfahren häufig

Die im „Clinical Journal of Sports Medicine“ veröffentlichte Studie ergab, dass die Mehrheit der Patienten infolge einer Kollision verletzt wurde (63%), z.B. wenn der Patient mit einem Objekt zusammenstieß (47%), wenn er auf dem Boden aufschlug (16%) oder wenn er auf eine andere Person (10%) oder einen Schlitten (7%) prallte.

"Kollisionen sind aufgrund ihrer Folgeverletzungen besonders besorgniserregend", verdeutlichte Dr. Rebecca McAdams, MA, MPH, Mitautorin dieser Studie und leitende wissenschaftliche Mitarbeiterin Center for Injury Research and Policy at Nationwide Children's Hospital. "Wir fanden heraus, dass bei Patienten, die durch eine Kollision verletzt wurden, häufiger eine Kopfverletzung, eine Gehirnerschütterung oder eine Schädelverletzung diagnostiziert wurde und sie mehr als doppelt so häufig ins Krankenhaus eingeliefert wurden wie Patienten, die durch alle anderen Mechanismen verletzt wurden."

Kopfverletzungen sind beim Rodeln ein ernstes Problem. Der Kopf war sowohl für Kinder als auch für Erwachsene das am häufigsten verletzte Körperteil. Tatsächlich erlitten fast 82% der Kinder, die wegen einer Rodelverletzung behandelt wurden, eine Kopfverletzung. Die Forscher empfehlen aus diesem Grund, beim Rodeln einen Helm zu tragen, um das Risiko und die Schwere von Kopfverletzungen zu verringern.

Die gute Nachricht ist, dass die Rate der Verletzungen im Zusammenhang mit dem Rodeln, die in Notaufnahmen von US-Krankenhäusern sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen behandelt wurden, während des zehnjährigen Studienzeitraums zurückging. Trotz dieses Rückgangs wurden im letzten Studienjahr 13.228 Patienten wegen Schlittenunfällen behandelt.

"Obwohl wir uns darüber gefreut haben, dass die Zahl der Verletzungen im Zusammenhang mit dem Rodeln in den letzten Jahren zurückgegangen ist, sind diese Verletzungen immer noch zu häufig. Wir sollten deshalb Informationen über die möglichen Gefahren besser bekannt machen […]", betonte Dr. Lara McKenzie, PhD, MA, leitende Autorin der Studie.

Die Experten geben folgende Tipps, um das Rodeln sicherer zu machen:

  • • Beim Rodeln sollte ein Helm getragen werden: Machen Sie es sich zur Regel, dass jeder einen Helm tragen muss, wenn er Schlitten fahren möchte. Am besten passende Schneesporthelme oder Fahrradhelme.
  • • Wählen Sie einen möglichst „sicheren“ Schlitten: Schlitten, die gelenkt werden können und über Bremsfunktionen verfügen, bieten möglicherweise mehr Kontrolle als flache Scheiben und Ähnliches. Befolgen Sie auch die Herstellerrichtlinien in Bezug auf die Anzahl der Mitfahrer, die ein Schlitten sicher aufnehmen kann.
  • • Überprüfen Sie die die Abfahrt. Ein sicherer Rodelberg sollte:
    • frei von Hindernissen sein (z. B. Bäume, Felsen, Lichtmasten, Wände usw.).
    • Am Ende des Hügels sollte ausreichend Platz vorhanden sein, damit der Schlitten genügend Platz hat, um an Geschwindigkeit zu verlieren (vermeiden Sie Zufahrten oder Hügel, die in einer Straße, einem Abhang, einem Parkplatz oder einem Gewässer wie einem Fluss oder Teich enden).
    • frei von motorisierten Fahrzeugen wie Geländefahrzeugen, Schneemobilen, Autos usw. sein. Die Verwendung dieser Fahrzeuge zum Ziehen eines Schlittens kann zu schweren Verletzungen und sogar zum Tod führen.
  • Befolgen Sie die Regeln: Fahren Sie den Schlitten nur, wenn die Füße zum Fuß des Hügels zeigen. Fahren Sie nur bei Tageslicht. Bringen Sie Kindern bei, wie sie sich vom den Schlitten abrollen können, wenn er zu schnell wird oder wenn ein Zusammenstoß droht
  • Ein Erwachsener sollte anwesend sein, um die Umgebung auf Gefahren hin zu überprüfen und sicherzustellen, dass die Kinder die Sicherheitsvorschriften befolgen.

Die Daten für die „Schlitten-Verletzungs-Studie“ stammen vom National Electronic Injury Surveillance System (NEISS), das von der US-amerikanischen Consumer Product Safety Commission gepflegt wird. Die NEISS-Datenbank bietet Informationen zu Verletzungen im Zusammenhang mit Konsumgütern sowie zu Sport- und Freizeitunfälle, aufgrund derer Patienten landesweit behandelt werden mussten.

Quellen: EurekAlert! Nationwide Children's Hospital, Clinical Journal of Sports Medicine

Autor: äin-red