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31.01.2022

Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Bauchfett

Jugendliche mit hohem BMI (Body Mass Index) sowie hohem viszeralen Fettgehalt (Bauchfett) zeigten Anzeichen von Arteriensteifigkeit, einem Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Darauf machen Forschungsergebnisse der University of Georgia aufmerksam. Der Prozentsatz der stark übergewichtigen Kinder und Jugendlichen ist mit der Pandemie gestiegen.

© Galina Barskaya - Fotolia.com

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Die in der Zeitschrift „Pediatric Obesity“ veröffentlichte Studie maß bei mehr als 600 Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen das viszeralen Fettgewebe (Bauchfett) und die arterielle Steifheit. Viszerales Fett ist das Fett im Bauchraum, das lebenswichtige Organe infiltriert. Die Arteriensteifigkeit zwingt das Herz-Kreislauf-System, härter zu arbeiten, um das Blut durch den Körper zu pumpen.

Die Forscher fanden bei übergewichtigen Jugendlichen einen signifikant höheren Anteil an viszeralem Fett und arterieller Steifheit. Das deutet darauf hin, dass Bauchfett wahrscheinlich zu Herz-Kreislauf-Problemen bei Kindern beiträgt.

„Je steifer die Arterie, desto schneller fließt das Blut durch diese Blutgefäße, und das kann schädlich sein und das Herz-Kreislauf-System überlasten“, erklärte Joseph Kindler, korrespondierender Autor der Studie und Assistenzprofessor an der University of Georgia. „Wenn sich diese Probleme häufen, führt das zu einem Dominoeffekt. Fällt dann ein weiteres System aus, kann das den Rest der Systeme überfordern. Das kann zu richtigen Gesundheitsproblemen führen.“
Studien zu kardiovaskulären Risiken bei Jugendlichen sind begrenzt. Aber Forscher glauben, dass bereits in der Kindheit die negativen Veränderungen des kardiovaskulären Systems beginnen, die dann längerfristig zu Krankheiten und Herzinfarkten führen.

„Wir wollen Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen. Wir möchten, dass Kinder bis ins Erwachsenenalter ein starkes und gesundes Leben führen“, verdeutlichte Kindler. „Wir müssen die zugrunde liegenden Faktoren für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ermitteln. Nur so können erkennen, wo wir ansetzen müssen – wie z.B. bei der Ernährung, bei körperlicher Aktivität, bei den Schlafgewohnheiten usw. Die Identifizierung der Faktoren ist der Schlüssel, und dann ist das Eingreifen entscheidend.“

Hoher BMI mit steiferen Arterien verbunden

Die Forscher verwendeten eine Technologie, die als Dual-Röntgen-Absorptiometrie (DXA: dual energy X-ray absorptiometry) bekannt ist, um das Körperfett bei den Kindern zu messen.

DXA wird häufig in der Knochen- und Hormonforschung verwendet, aber auch immer häufiger zur Beurteilung des Körperfetts. Denn es ist schneller, kostengünstiger und erfordert keine großen Strahlendosen wie bei anderen Scans.

Die Wissenschaftler maßen auch, wie lange es dauerte, bis das Blut der Teilnehmer vom Körperstamm zu den unteren Gliedmaßen gelangte, eine Standardmethode zur Beurteilung der Arteriensteifigkeit.
„Eine wirklich wichtige Botschaft zum Mitnehmen ist, dass die arterielle Steifheit, die Kinder auf der ganzen Linie für Herz-Kreislauf-Erkrankungen prädisponiert, bei Personen mit einem hohen BMI am ausgeprägtesten zu sein scheint“, betonte Kindler.

Übergewicht begünstigt Typ-2-Diabetes

Eine weitere Sorge ist, dass bei Kindern zunehmend Typ-2-Diabetes diagnostiziert wird, eine Erkrankung, die zuvor nur bei Erwachsenen beobachtet wurde. Übergewicht ist ein großer Risikofaktor. Unter den 600 Studienteilnehmern war bei 145 die Krankheit diagnostiziert worden.
"Es ist eine sehr weitverbreitete, beängstigende Erkrankung bei Jugendlichen, noch mehr als bei Erwachsenen", kommentierte Kindler. „Viele Körpersysteme neigen dazu, schneller als im Erwachsenenalter abzubauen, wenn die Krankheit während der Wachstumsjahre startet. Diese Krankheit befällt das Gehirn, die Nieren, die Knochen, die Leber.“

Quelle: EurekAlert! University of Georgia, Pediatric Obesity
 





Autor: äin-red