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01.06.2020

Risiko für spätere Krebserkrankung im Mund-Rachen-Raum hat aufgrund von HPV-Infektionen im Jugendalter zugenommen

Jüngste Studien zeigen, dass die Häufigkeit von Krebserkrankungen im Mund-Rachen-Raum in den USA zwischen 1988 und 2004 um mehr als 200% gestiegen ist. Als häufigste sexuell übertragbare Infektion bei weiblichen Jugendlichen und jungen Frauen sind humane Papillomviren (HPV) für fast alle Gebärmutterhalskrebserkrankungen und die meisten Krebserkrankungen im Analbereich (Darmausgang) sowie im Mund-Rachenbereich verantwortlich.

Für eine in „JAMA Network Open“ veröffentlichte Studie versuchten Dr. Nicolas Schlecht, Dr. Angela Diaz, Dr. Robert Burk und ihre Kollegen aus News York, die Risikofaktoren für HPV-bedingte Krebserkrankungen im Mund-Rachen-Raum sowie den Zusammenhang der HPV-Impfung (mit vier Komponenten - 4vHPV) mit der HPV-Prävalenz in der Mundhöhle bei sexuell aktiven weiblichen Jugendlichen zu bewerten.

Die Forscher testeten orale Proben, die sie bei mehr als 1.200 Frauen entnommen hatten, auf HPV-DNA hin. Die Teilnehmerinnen hatten sich schon vor 10 Jahren einer wiederholten Entnahme von Speichelproben unterzogen. Die Teilnehmer waren zum Zeitpunkt der Einschreibung für die Studie 13 bis 21 Jahre alt (Durchschnittsalter 18 Jahre) und planten, den HPV-Impfstoff zu erhalten, oder hatten ihn bereits erhalten. Bei der Aufnahme in die Studie wurden die Teilnehmer nach sexuellen Verhaltensweisen befragt, einschließlich Anzahl und Art der Sexualpartner. Die Autoren der Studie sammelten auch Daten zu anderen sexuell übertragbaren Krankheiten, Schwangerschaften, kurz- und langfristigem Gebrauch von Verhütungsmitteln, Rauchen sowie Alkohol-, Marihuana- und anderem Drogenkonsum. Kontroll-Untersuchungen fanden alle 6 Monate bis zum Alter von 25 Jahren statt. Dadurch erhielten die Forscher Proben, die sie für HPV-Tests verwenden konnten, und von den Probanden über Fragebögen Auskunft zum Sexualverhalten. Die DNA aus den Proben wurde auf mehr als 40 HPV-Typen hin getestet, die mit der Infektion von Schleimhautgewebe assoziiert sind.

HPV-Typen des Impfstoffs kamen bei geimpften Frauen im Vergleich zu nicht geimpften Frauen deutlich weniger häufig vor

Die Teilnehmer waren bei ihren ersten sexuellen Aktivitäten durchschnittlich 14 Jahre alt. Zu Studienbeginn hatten 69,7% mindestens drei Sexualpartner. Bei den ersten Proben betrug die HPV-Nachweisrate 6,2%; 1,7% davon waren krebsauslösende Virus-Typen und 0,2% waren 4vHPV-Typen. „Während unsere Studienpopulation im Vergleich zu Teilnehmern früherer Studien im Durchschnitt eine höhere durchschnittliche Anzahl von Sexualpartnern und ein früher beginnendes Sexualleben hatten, war der Nachweis von 4vHPV-Impfstofftypen (HPV-Typen 6, 11, 16, 18) bei geimpften Frauen im Vergleich zu nicht geimpften Frauen signifikant niedriger“, erklärt Dr. Schlecht. Am häufigsten konnten HPV-Anteile bei den Teilnehmern im Alter von 16 Jahren (10,5% für alle Typen, 3,9% für krebsauslösende Typen). "Der Großteil der nachgewiesenen oralen HPV-Typen verschwand innerhalb von 12 Monaten, was die vorübergehende Natur dieser Infektionen widerspiegelt", fügt Dr. Schlecht hinzu. Wurde eine HVP-Infektion im Gebärmutterhals nachgewiesen, erhöhte dies auch die Wahrscheinlichkeit, dass HPV-Typen in der Mundhöhle ermittelt wurden. Obwohl kein deutlicher Zusammenhang zwischen der Praxis des Oralsexes (sowohl passiv als auch aktiv) und dem HPV-Nachweis festgestellt wurde, gab es einen starken Zusammenhang zwischen jahrelanger sexueller Aktivität und dem Nachweis von HP-Viren.

Häufigkeit von Impfungen und Infektionen

Zu Studienbeginn hatten 15,3% der Teilnehmer den 4vHPV-Impfstoff nicht erhalten. Um geimpfte mit nicht geimpften Teilnehmern zu vergleichen, verwendeten Dr. Schlecht und Kollegen einen Rechenansatz, der die Jahre der Aktivität und den gleichzeitigen Nachweis von 4vHPV-Typen im Gebärmutterhals berücksichtigte. Bei Teilnehmern, die mindestens eine Dosis des 4vHPV-Impfstoffs erhalten hatten, war die Wahrscheinlichkeit, dass ein 4vHPV-Typ in der Mundhöhle nachgewiesen wurde, um 83% geringer als bei nicht geimpften Teilnehmern.

"Diese Ergebnisse entsprechen unseren früheren Beobachtungen bezüglich des Nachweises von HPV im Gebärmutterhals und im analen Bereich (Darmausgang)", bemerkt Dr. Schlecht. „Der Nachweis von HPV in der Mundhöhle ist bei sexuell aktiven jugendlichen Frauen keine Seltenheit, nimmt jedoch mit dem Alter und der Zeit seit Beginn der sexuellen Aktivität ab. Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um festzustellen, ob die zusätzlichen Typen, auf die der neue 9-wertige Impfstoff ausgerichtet ist, ebenfalls abnehmen werden und ob die Impfung deren Vorkommen dieser Virustypen im Mundraum verringert. Ähnliche Studien bei männlichen Jugendlichen sind ebenfalls erforderlich.“

Quelle: Physician’s Weekly, JAMA Network Open

Autor: äin-red