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17.11.2017

Resilienz schützt auch vor Mobbing

Eine aktuelle Studie zeigt, dass Resilienz ein schützender Faktor ist, wenn ein Kind gemobbt wird. Resilienz bezeichnet die Fähigkeit eines Menschen, Niederlagen, Unglücke und Schicksalsschläge ohne größeren seelischen Schaden zu bewältigen.

© Patryssia - Fotolia.com

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Die meisten Kinder erleben irgendwann in ihrem Leben Hänseleien oder Mobbing. Das bedeutet aber nicht, dass diese negativen Erfahrungen sie längerfristig beeinträchtigen müssen. Resilienz ist ein wichtiges persönliches Merkmal das Kinder davor schützt, die Verletzungen durch Mobbing in sich „hineinzufressen“ und dadurch Schaden zu nehmen.

"Resilienz" bezeichnet u.a. die Fähigkeit, sich nach schlechten Erfahrungen wieder zu erholen und sich erfolgreich an Stresssituationen anzupassen. Eine aktuelle Studie von der Florida Atlantic Universität und der Universität von Wisconsin-Eau Claire, die in der Zeitschrift, Child Abuse & Neglect veröffentlicht wurde, bestätigt, dass Resilienz oft darüber entscheidet, ob ein Kind Mobbing geradeso übersteht oder aus Widrigkeiten gestärkt hervorgeht.

Mit dieser seelischen Widerstandskraft sind manche Kinder von Natur aus mehr und andere weniger ausgestattet. Doch soziale und ökologische Faktoren spielen eine wichtige Rolle, wenn sich diese Stärke weiterentwickeln und gestärkt soll.

Widerstandsfähige Kinder sind weniger oft Opfer

Die Forscher stellten die Hypothese auf, dass widerstandsfähige Heranwachsende weniger häufig zu Mobbingopfern in der Schule und im Internet werden und dass diejenigen, die davon betroffen sind, weniger darunter leiden. Um dieses Konzept zu überprüfen, verwendeten die Experten eine validierte biopsychosoziale 10-Punkte-Resilienzskala, um die Beziehung zwischen Belastbarkeit und Erfahrung mit Mobbing und Cybermobbing zu untersuchen. Die Skala beinhaltete Aussagen wie "Ich kann mit allem umgehen, was mir in die Quere kommt", "Ich lasse mich nicht leicht durch Misserfolg entmutigen " und "Stressbewältigung macht mich stärker", wobei die Forscher sowohl den schützenden Effekt der Resilienz untersuchten als auch die Widerstandsfähigkeit durch Resilienz, die Kindern erlaubt, sich von Widrigkeiten zu erholen.

Basierend auf einer landesweit repräsentativen Stichprobe von 1.204 amerikanischen Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren, die in den Vereinigten Staaten lebten, stellten die Wissenschaftler fest, dass Schüler mit mehr Resilienz in der Schule oder im Internet seltener gemobbt wurden. Wenn resiliente Schüler jedoch gemobbt wurden, diente ihre Widerstandsfähigkeit als Puffer und schützte sie vor den negativen Folgen des Mobbings.

"Resilienz ist ein starker Schutzfaktor, sie verringert das Risiko für Mobbingerfahrungen und schwächt selbst bei erfolgtem Mobbing die negativen Folgen ab bzw. verhindert sie", erklärte Sameer Hinduja, Professor an der School of Criminology and Criminal Justice des FAU College for Design and Social Inquiry, und Co-Direktor des Cybermobbing-Forschungszentrums. Hindujas Co-Autor Justin W. Patchin, Ph.D., Professor für Strafrecht an der Universität von Wisconsin-Eau Claire, ergänzte: "Widerstandsfähige Kinder sind diejenigen, die aus einer Reihe von Gründen besser in der Lage sind, äußeren Belastungen und Rückschlägen standzuhalten, und die sich dadurch weniger in ihren Einstellungen und Handlungen beeinträchtigen lassen als ihre weniger resilienten Altersgenossen, wenn diese zum Opfer werden."


"Wir möchten, dass Kinder die Fähigkeiten erlernen und entwickeln, die sie benötigen, um mit Problemen fertig zu werden, und doch helfen wir ihnen selten, damit umzugehen und sie zu lösen […]", sagte Hinduja. "Stattdessen versuchen wir, sie ständig zu schützen und zu bewahren - anstatt ihr Selbstbewusstsein, ihre Problemlösungsfähigkeit, ihre Autonomie und Zielstrebigkeit zu fördern - alles innere Stärken".

Hinduja weist darauf hin, dass Opfer von verbalem und Online-Mobbing eine gewisse Handhabe hätten, ob sie zulassen oder verhindern, dass andere ihnen Schaden zufügen. Erwachsene im pädagogischen Bereich hätten deshalb die Verantwortung, Kindern die richtigen Strategien zu lehren und sie zu verfeinern, damit sie Beleidigungen abwenden können, ihnen keine Aufmerksamkeit schenken oder auf andere Weise über die Beleidigungen und den Hass hinauszuwachsen.

Quelle: Newswise, Florida Atlantic University, Child Abuse & Neglect

Autor: äin-red