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14.09.2020

Nicht zeitgerecht durchgeführte Masernimpfungen ermöglichten 2018-2019 großen Ausbruch in New York

Verspätet durchgeführte Impfungen ermöglichten die starke Ausbreitung von Masern von 2018 bis 2019 in New York City. Dies ergab eine Studie, die in der Ausgabe von „Science Advances“ veröffentlicht wurde.

Dank eines wirksamen Impfstoffs und einer hohen Impfrate wurde USA im Jahr 2000 für masernfrei erklärt. Das heißt, es gab keine endemische Übertragung von Masern über mehr als 12 Monate. Doch aufgrund der Impfskepsis und der sinkenden Impfraten in den letzten Jahren gab es eine zunehmende Anzahl großer Ausbrüche.

In den Jahren 2018–2019 erlebte New York City den größten Masernausbruch in den USA seit fast drei Jahrzehnten mit fast 650 bestätigten Fällen. Um die wichtigsten Gründe dafür zu identifizieren, hatte Professor Dr. Wan Yang von der Mailman School of Public Health at Columbia University in New York City die Übertragungsdynamik dieses Ausbruchs mithilfe eines Rechenmodells untersucht.

Kleine Kinder nicht nur am häufigsten erkrankt, sondern meist auch Überträger

Im Herbst importierten Reisende Masern nach New York und führten zu einer Verbreitung. Der Ausbruch erreichte im März 2019 seinen ersten altersgruppenspezifischen Höhepunkt bei den 1- bis 4-Jährigen (275 Fälle oder 42,8%). Die Ergebnisse zeigen, dass eine verzögerte Impfung von 1- bis 4-Jährigen die anfängliche Ausbreitung ermöglichte und dass ein verstärkter infektiöser Kontakt, wahrscheinlich über „Masernparteien“, die weitere Übertragungen erleichterte. Etwa die Hälfte der Säuglinge im Alter von 1 Jahr war ohne Impfschutz und anfällig, sodass es zu vielen Infektionen kam. Kinder im Alter von 1 bis 4 Jahren hatten nicht nur die meisten Infektionen (42,8%), sondern schienen auch am häufigsten die Überträger auf anderen Altersgruppen zu sein. Über den gesamten Untersuchungszeitraum (Oktober 2018 bis Juli 2019) wurden schätzungsweise 51,6% der Gesamtfälle von 1- bis 4-Jährigen infiziert, verglichen mit 25,2% von 5- bis 17-Jährigen.

In den USA sollen Babys eine erste Dosis des Masern-Mumps-Röteln-Impfstoffs mit 12–15 Monaten und eine zweite Dosis mit 4–6 Jahren erhalten. In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut Kinder im Alter von 11 bis 14 Monaten mit einer kombinierte Schutzimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR-Impfung) zu immunisieren, gefolgt von einer 2. Impfung im Alter von 15 bis 23 Monaten.

Die Zahl der Infektionen und Krankenhausaufenthalte hätte ohne die damals in New York City durchgeführten Impfkampagnen mehr als zehnmal höher ausfallen können und hätte vor allem Kinder unter vier Jahren betroffen, so Dr. Yang. Um den Ausbruch einzudämmen, startete das NYC Department of Health and Mental Hygiene (DOHMH) umfangreiche Impfkampagnen und ordnete am 9. April 2019 die obligatorische Impfung aller Personen an, die in den betroffenen Postleitzahlen lebten, arbeiteten oder zur Schule gingen. Infolgedessen wurden von Oktober 2018 bis Juli 2019 über 32.000 Personen unter 19 Jahren gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) immunisiert, und der Ausbruch ließ nach.

"Diese Ergebnisse zeigen die Auswirkungen des Hinausschiebens von Impfterminen auf alle anfälligen Altersgruppen, insbesondere auf Säuglinge, die zu jung sind, um ihre erste Dosis Masern-, Mumps- und Röteln-Impfstoff zu erhalten", kritisierte Dr. Yang in einer Erklärung.

Covid-19 sorgt möglicherweise für weitere Impflücken

Laut Bill de Blasio, Bürgermeister von New York City, sind die MMR-Impfraten in New York City aufgrund von COVID-19 im Mai bei allen Kindern um 63% und bei den über 2-Jährigen um 91% gesunken, was das Risiko für einen zukünftigen Masernausbruch oder der Verbreitung einer anderen Infektionskrankheit, die bisher durch Impfungen eingedämmt wurde, erheblich erhöht.

Quelle: HealthDay, CDC, Science Advances, Columbia Mailman School of Public Health









Autor: äin-red