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25.02.2020

Neuartiges Coronavirus: Studie hält mehrere Infektionswege für möglich

Das neuartige Coronavirus (2019-nCoV bzw. neue Bezeichnung SARS-CoV-2), das für den weltweiten COVID-19-Ausbruch verantwortlich ist, kann laut einer am 17. Februar online in der Fachzeitschrift „Emerging Microbes & Infection“ veröffentlichten Studie vermutlich über mehrere Infektionswege verbreitet werden.

"Wir haben das Virus in oralen Abstrichen (Mundraum), Analabstrichen (am Gesäß) und im Blut nachgewiesen", schreibt Wei Zhang vom Wuhan Institute of Virology der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Wuhan, China, und Kollegen. "Infizierte Patienten können diesen Erreger möglicherweise über die Atemwege, den Stuhl, den Mund oder über Körperflüssigkeiten ausscheiden", schreiben sie.

Hauptübertragung vermutlich über die Luft

Ein US-Experte für Infektionskrankheiten gibt jedoch zu bedenken, dass die epidemiologischen Daten insgesamt weiterhin darauf hindeuten, dass die Übertragung in der Luft (Tröpfchen/Aerosole über die Atemwege) die Hauptursache für den COVID-19-Ausbruch ist.
"Es ist fast eine Neufassung des Influenza-Drehbuchs", verdeutlichte Michael T. Osterholm, PhD, MPH, Direktor des Center for Infectious Diseases Research and Policy (CIDRAP) von der Universität von Minnesota in Minneapolis. Bisher wurden orale Proben verwendet, um das SARS-CoV-2-Antigen nachzuweisen und eine Diagnose von COVID-19 zu bestätigen. Und Patienten mit zwei aufeinanderfolgenden negativen oralen Abstrichen haben das Virus vermutlich erfolgreich bekämpft und sind nicht mehr ansteckend.

Laut den chinesischen Autoren könnten Coronaviren jedoch auch fäkal-oral übertragen werden. Vor diesem Hintergrund führten Zhang und Kollegen eine Studie in einem Krankenhaus in Wuhan durch, um die Möglichkeit alternativer Übertragungswege von SARS-CoV-2 (bisher 2019-nCoV) zu untersuchen. Sie sammelten orale Abstriche, Analabstriche und Blutproben von insgesamt 178 mit dem Virus infizierten Patienten. Im ersten Teil ihrer Studie untersuchten die Forscher Proben von 39 Patienten, die positiv auf SARS-CoV-2 getestet worden waren, basierend auf oralen Abstrichen, die zum Zeitpunkt der Aufnahme in das Krankenhaus entnommen wurden. Sie führten molekulare Tests (quantitative Polymerasekettenreaktion [qPCR]) für SARS-CoV-2 an Blut, oralen Abstrichen und Analabstrichen durch. Laut Zhang und Kollegen reagierten 15 Proben dieser 39 Patienten auch nach mehreren Behandlungstagen noch positiv auf das Virus. Bei 8 Patienten (53,3%) waren die Speichelproben positiv, bei 4 Patienten (26,7%) die Abstriche am After, bei 6 Patienten (40%) die Blutproben und bei 3 Patienten (20%) das Blutserum.

Es gab Fälle, bei denen virales Material in Analabstrichen oder Blutproben vorhanden war, selbst wenn die oralen Abstriche negativ getestet wurden.
In einem E-Mail-Interview mit Medscape Medical News stellte einer der Hauptautoren der Studie, Peng Zhou, ebenfalls vom Wuhan Institute of Virology, fest, dass ihr chinesisches Team zwar noch nicht versucht hat, das Virus aus Stuhlproben infizierter Patienten zu isolieren, andere Gruppen dies jedoch offenbar getan haben und dabei einigen Erfolge hatten.

"Zusammenfassend warnen wir davor, dass 2019-nCoV auf mehreren Wegen übertragen werden kann", schreiben die Autoren.

Magen-Darm-Beschwerden möglich, aber selten

Obwohl bei COVID-19 über Magen-Darm-Beschwerden berichtet wurde, treten diese selten auf. Zum Beispiel zeigte eine Fallserie, dass 8% der Patienten mit einer 2019-nCoV-Infektion zu Beginn ihrer Krankheit Durchfall hatten.
In einem Interview mit Medscape Medical News sagte Osterholm, Direktor von CIDRAP, „die Frage bleibt offen, welche Rolle die fäkal-orale Übertragung bei dieser neuartigen Coronavirus-Krankheit spielen könnte.“ Er wies darauf hin, dass eine Überinterpretation der Daten aus dieser neuesten Studie vermieden werden müsse.

Ähnlich wie bei anderen Infektionskrankheiten keine Rückschlüsse auf Ansteckungsgefahr möglich

Er stellte klar, dass wenn eine Probe mithilfe PCR (Polymerase-Kettenreaktion - englisch polymerase chain reaction, PCR) positiv getestet wurde, dies nur auf das Vorhandensein von viralen Nukleotiden (Virusbestandteile) hinweise, die als Abbauprodukt einer Infektion zurückbleiben könnten. Es spiegelt jedoch nicht automatisch das Vorhandensein eines lebensfähigen Virus wider, das ansteckend ist und andere Menschen gefährden könnte.

Zu Krankheitsbeginn wahrscheinlich mehr Virusbestandteile im Mund- und Nasen-Rachen-Raum

Im zweiten Teil ihrer Studie untersuchten die Forscher Proben von 139 der 178 Patienten, um Veränderungen beim Nachweis der Viren in oralen und analen Proben im Lauf der Zeit zu untersuchen. Dabei analysierten sie, ob die Proben virale Antikörper und Virusbestandteilen enthielten. Es zeigte sich, dass am ersten Tag der Probenahme relativ wenig Antikörper oder gar keine nachweisbar waren. Am Tag 5 waren die Titer der Antikörper bei den meisten Patienten jedoch gestiegen. Im Gegensatz dazu wurden am Tag 0 8 von 16 (50%) der oralen Abstriche positiv getestet, ebenso 4 Analabstriche (25%). Am Tag 5 wurden 25% der oralen Abstriche und 37,5% der Analabstriche positiv auf das virale Nukleotid getestet.

Diese Ergebnisse legen nahe, dass zunächst in der Anfangsphase der Erkrankung sich mehr Patienten über Speichelproben ermitteln lassen, während im weiteren Verlauf der Nachweis im Stuhl möglicherweise zunimmt.

Kinder anscheinend weniger betroffen als Erwachsene

Obwohl sich das Coronavirus (auch bekannt als COVID-19) leicht zwischen Menschen ausbreiten kann - es wird geschätzt, dass jede kranke Person zwei weitere ansteckt - sind bisher nur sehr wenige Kinder mit dem neuen Coronavirus diagnostiziert worden. Es besteht deshalb die Hoffnung, dass Kinder ein geringeres Krankheitsrisiko haben.

Eine andere Studie, die 34 infizierten Kindern in China beobachtete, die unter keiner chronischen Krankheit litten, zeigte, dass diese meist nur unter unspezifischen Bescherden wie Fieber und Husten litten und die Krankheit milder als bei Erwachsenen verlief.

Darüber hinaus legen neuere Untersuchungen aus Wuhan, China, nahe, dass das Virus während der Schwangerschaft nicht von schwangeren Frauen auf ihr Ungeborenes übertragen wird. Obwohl die Studie, die in "The Lancet" veröffentlicht wurde, wenig Teilnehmerinnen aufwies (nur neun schwangere Frauen), bietet sie einen ersten Eindruck, wie sich die Atemwegserkrankung auf Schwangerschaften auswirkt.

Nachdem nur 36 Stunden nach der Geburt bei einem Neugeborenen, dessen Mutter erkrankt war, die Infektion nachgewiesen wurde, hatten Wissenschaftler überprüft, ob das Coroanvirus im Mutterleib an einen Fötus weitergegeben werden kann. "Es scheint, dass SARS-CoV-2 nicht im Fruchtwasser, Nabelschnurblut oder in der Muttermilch enthalten ist und übertragen werden kann", erklärte der Co-Autor der Studie, Wei Zhang, Associate Professor für Präventivmedizin an der Northwestern University Feinberg School of Medicine, in einem Interview mit Healthline. Es ist jedoch nicht klar, wie sich das Virus auf Frauen in den frühen Stadien der Schwangerschaft auswirkt, da in dieser Studie nur diejenigen in ihrem dritten Trimester untersucht wurden. Frauen, die mit dem Coronavirus infiziert sind, müssen wahrscheinlich nach der Geburt von ihren Neugeborenen isoliert werden, um eine Infektion ihres Kindes durch engen Kontakt zu vermeiden, fügte Zhang hinzu..

Quellen: Medscape, Emerging Microbes & Infection, Healthline, The Lancet, Zhonghua Er Ke Za Zhi (Chinese Journal for Pediatrics)

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Autor: äin-red