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03.02.2020

Nestschutz lässt bei Masern schneller nach, als bisher angenommen

Bei Säuglingen unter einem Jahr wird häufig angenommen, dass sie zumindest vorübergehend gegen Masern immun sind, da mütterliche Antikörper während der Schwangerschaft auf sie übertragen werden (sog. Nestschutz). Neue Untersuchungen legen jedoch nahe, dass dieser Nestschutz beim Baby bereits im Alter von 3 Monaten nachlässt.

Für die Studie haben kanadische Forscher bei 196 Säuglingen unter zwölf Monaten die Masern-Antikörperspiegel in ihren Blutproben untersucht. Bei Säuglingen im Alter von einem Monat stellten sie fest, dass 20% der Kinder eine Antikörperkonzentration aufwiesen, die unterhalb der Schutzschwelle lag. Bei den drei Monaten alten Säuglingen lagen bereits 92% unter dieser Schwelle. Tatsächlich fehlte im Alter von 6 Monaten allen Säuglingen eine ausreichende Masernimmunität, basierend auf dem Antiköpern im Blut. Den Wissenschaftlern zufolge basiert die bisher angenommene Zeitspanne, in der die mütterlichen Masernantikörper Säuglinge schützen können, häufig auf Studien, die bei Menschen durchgeführt wurden, in deren Umgebung Masern noch weit verbreitet waren. Schwangere Frauen, die durch eine Impfung gegen Masern immun sind, haben u.a. möglicherweise nicht die gleiche Menge an Antikörpern wie Frauen, die durch frühere Infektionen immun sind. Viele Säuglinge sind deshalb in ihrem ersten Lebensjahr anfällig für eine Masern-Erkrankung, bis sie ihre erste Impfstoffdosis erhalten, so die Autoren. In vielen Ländern, einschließlich den USA und Kanada sowie Deutschland ( im Alter von 11 bis 14 Monaten eine erste kombinierte Schutzimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln , 2. Impfung im Alter von 15 bis 23 Monaten), wird der Impfstoff routinemäßig ab dem 12. Lebensmonat verabreicht, basierend auf dem Risiko einer Maserninfektion und der Fähigkeit des Immunsystems eines Kindes, auf den Impfstoff zu reagieren. Die Autoren erklärten, aktuelle Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Impfung im Umfeld von Säuglingen, um sie vor Masern zu schützen. Denn Masern können schwere Komplikationen wie Lungenentzündung, Hirnentzündung (Enzephalitis) und Tod verursachen.

Quelle: AAP News, Pediatrics


Autor: äin-red