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30.05.2006

Mehr Hilfe für Eltern kleiner Kinder

In den ersten Jahren lernen Kinder grundlegende Dinge: die Kontrolle von Affekten, den Spracherwerb, das Entwickeln geistiger und emotionaler Fähigkeiten. Vor allem für Familien in schwierigen Lebenslagen wäre deshalb Beratung und Unterstützung, die schon während der Schwangerschaft beginnt, sehr hilfreich. Die Angebote im Gesundheitswesen müssten dafür aber dringend besser vernetzt werden, dies ist u.a. auch das Thema eines Kongresses in Berlin am 30. Mai …

Werdende Eltern müssen nach Ansicht von Gesundheitsexpertin Dr. Elisabeth Pott schon während der Schwangerschaft mehr Beratung und Unterstützung bekommen. „Wir wissen heute, wie wichtig die ersten Lebensjahre eines Kindes für seine weitere Entwicklung sind, und jedem sollte ein guter Start ins Leben ermöglicht werden“, so die Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Berlin.

„Die gesundheitliche Situation der Kinder hat sich sehr verändert: Bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts litten sie besonders an Infektions- und Mangelkrankheiten, heute sind es Entwicklungs- und Verhaltensstörungen“, erklärt Dr. Pott. Vor allem bei Kindern in schwierigen Lebenslagen wachse die Zahl psychischer und psychosomatischer Erkrankungen. „Aber besonders in den ersten Jahren geht es um das Erlernen grundlegender Dinge: die Kontrolle von Affekten, den Spracherwerb, das Entwickeln geistiger und emotionaler Fähigkeiten. Wenn Eltern nicht in der Lage sind, darauf angemessen zu reagieren, dann können daraus später schwere Gesundheitsstörungen entstehen.“

Die Angebote im Gesundheitswesen müssten deshalb dringend besser vernetzt und die Kommunikation der Beteiligten untereinander, vom Geburtshelfer über Erzieher, Gesundheitsamt bis zum Kinder- und Jugendarztarzt, erleichtert werden. Vor allem für Familien in schwierigen Lebenslagen sei der Kontakt mit einer Familienhebamme hilfreich. „Hier kann Vertrauen schon während der Schwangerschaft wachsen. Und auch nach der Geburt ist jemand da, der die Familie begleitet.“

Das Thema Kinder und Erziehung muss nach Ansicht Dr. Potts auch im Schulunterricht stärker zur Sprache kommen. Von einem „Eltern- Führerschein“ oder dem Verantwortung-Einüben mit weinenden Babypuppen hält sie jedoch wenig. „Denn Puppen kann man anders als ein Baby in die Ecke legen.“ Auch werde die konkrete Hilfe für überlastete Familien dadurch nicht überflüssig. Denn Überforderung habe selten nur einen Grund. „Es können soziale Rahmenbedingungen sein, Probleme mit dem Partner, mit Sucht oder mit dem schreienden Kind.“

Kongress „Ein guter Start ins Leben. Frühe Kindheit - Familie und Gesellschaft in gemeinsamer Verantwortung"
Am 30. Mai 2006 findet in Berlin ein Kongress statt, um u.a. den Bedarf an Hilfen vor der Geburt und in den ersten Lebensmonaten und -jahren des Kindes festzustellen, bestehende Angebote kritisch zu bilanzieren, Schwachstellen zu identifizieren, Lösungswege aufzuzeigen und gegenüber Fachverbänden sowie Politik Vorschläge für ein integriertes Gesamtkonzept früher Prävention und früher Hilfen zu entwickeln.

Der Kongress ist eine Initiative der Bertelsmann Stiftung und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Er wird gemeinsam veranstaltet mit dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), mit dem Berufsverband der Frauenärzte (BVF), dem Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (BKJPP), dem Berufsverband Kinderkrankenpflege Deutschland, dem Bund Deutscher Hebammen, der Deutschen Liga für das Kind und der Deutschsprachigen Gesellschaft für seelische Gesundheit in der frühen Kindheit (GAIMH).

Autor: äin-red