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02.11.2014

Mädchen aus Nordhessen an tödlicher Maserngehirnentzündung erkrankt

Ein vierjähriges Mädchen aus Hessen ist an einer chronischen Maserngehirnentzündung erkrankt. Diese so genannte subaktute sklerosierende Panenzephalitis – kurz SSPE - ist eine Spätfolge einer Maserninfektion und verläuft immer tödlich. Das Mädchen hatte sich als Säugling im Alter von 3 Monaten mit Masern angesteckt, die damals ohne Komplikationen verliefen.

SSPE

Aliana I., 4 Jahre

Familie I. aus Nordhessen

„Wie wir inzwischen wissen, hängt das SSPE-Risiko mit dem Ansteckungsalter zusammen. Insbesondere bei Ansteckungen im ersten Lebensjahr ist die Gefahr, an dieser fatalen Spätfolge der Masern zu erkranken, besonders hoch. Offenbar können Masernviren leichter in das Gehirn eindringen, wenn das Immunsystem noch unreif ist. Durch die Vermehrung der Masernviren im Gehirn werden Nervenzellen zerstört. Dieser Prozess ist fortschreitend und kann bis heute noch nicht therapeutisch gestoppt werden. Zunächst kommt es bei diesen Kindern, wie der kleinen Aliana, zu motorischen Ausfällen, z.B. beim Laufen, und in der Folge dann auch zum Verlust der Sprache. Ein spätes Stadium dieser Erkrankung ist dann eine Art Wachkoma – niemand weiß, ob die Betroffenen ihre Umgebung noch wahrnehmen oder nicht“, erläutert Dr. Martin Terhardt , Kinder- und Jugendarzt und Mitglied der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut.

Ohne Nestschutz hohe Ansteckungsgefahr für Säuglinge

Säuglinge sind etwa 5 bis 6 Monate vor Infektionen mit Masern geschützt, wenn die Mutter selbst gegen diese hoch ansteckenden Viren immun ist, entweder weil sie selbst die Krankheit durchgemacht hat oder gegen Masern geimpft ist. Immer mehr junge Mütter und Frauen mit Kinderwunsch haben jedoch keinen Schutz gegen Masern. „Mit dem Rückgang der Masern nach Einführung der Impfung in Deutschland im Jahre 1973 sind viele Kinder in den Generationen danach auch nicht mehr erkrankt. Doch nicht alle diese Kinder wurden auch gegen Masern geimpft. Und so haben wir heute die größten Impflücken bei den jungen Erwachsenen, die in den 80er- und 90er Jahre des letzten Jahrhunderts geboren wurden. Genau in diesen Generationen gibt es jetzt auch viele junge Frauen, die keinen Schutz gegen Masern haben. Eine sehr gefährliche Situation, denn wenn diese Frauen Kinder bekommen, sind auch diese Kinder schutzlos und können sich schon im frühen Säuglingsalter anstecken. Genau das ist bei Aliana passiert. Deshalb empfehlen wir allen Frauen mit Kinderwunsch unbedingt die Impfung gegen Masern, sonst kann das schlimme Folgen für den Nachwuchs haben“, warnt Terhardt. Die STIKO empfiehlt allen Jahrgängen, die nach 1970 geboren wurden, eine Impfung gegen Masern.

Jugendliche und junge Erwachsene sollten Masernimpfschutz überprüfen

Um die vorhandenen Impflücken bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu schließen, ist es wichtig, dass diese Zielgruppen gezielt über den notwendigen Impfschutz gegen Masern aufgeklärt werden. „Wir werben in den Praxen der Kinder- und Jugendärzte gezielt für die Jugendvorsorgeuntersuchungen J1 und J2. Bei diesen Terminen wird auch der Impfstatus überprüft. Auch bei Gynäkologen und Allgemeinärzten sollte der Masernimpfschutz kontrolliert werden. Und vor allem in Schulen und am Arbeitsplatz muss über Masern aufgeklärt werden, wenn wir in Deutschland die Masern eliminieren wollen“, appelliert Terhardt.

Quelle: PLoS ONE

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Weitere Infos

Hilfe für Aliana e. V.
Kettelerstr. 13
36251 Bad Hersfeld
Hessen
Facebook: SSPE-ALIANA kämpft um ihr Leben

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Autor: äin-red