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19.06.2020

Kopfbälle können die Augenfunktion beeinträchtigen

Kopfbälle sind ein wesentlicher Bestandteil des Fußballs. Bedenken hinsichtlich der Sicherheit haben die Regeln bei den Minderjährigen in vielen Ländern, wie u.a. in den USA, verändert.

© Mikkel Bigandt - Fotolia.com

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Eine in der Fachzeitschrift “JAMA Ophthalmology“ veröffentlichte Studie liefert Hinweise darauf, dass Kopfbälle selbst bei älteren Spielern Hirntraumata verursachen können, die subtiler sind und unbemerkt bleiben können, aber dennoch die geistige Leistung und die Funktion der Augen beeinträchtigen können, berichten die amerikanischen Forscher in der Publikation.
"Wenn man Fußbälle in kurzer Zeit mehrmals köpft, kann die Verbindung zwischen Augen und Gehirn beeinträchtigt werden", verdeutlichte der Co-Autor der Studie, Keisuke Kawata, Assistenzprofessor für Kinesiologie an der Indiana University, gegenüber UPI.

Im Jahr 2017 hat der US-amerikanische Fußballverband aus Sicherheitsgründen das Köpfen von Fußbällen für Spieler bis 11 Jahre untersagt bzw. eingeschränkt. Dem DFB zufolge spiele der Kopfball bei den jüngeren Altersklassen noch keine so große Rolle, später soll "dosiert" trainiert werden.

Viele Untersuchungen zum Thema "Kopfbälle" in den vergangenen Jahren

Kopfbälle beim Fußballspielen haben in den letzten Jahren erhebliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen, was zum großen Teil auf neuere Untersuchungen zurückzuführen ist, in denen das Verletzungsrisiko hervorgehoben wurde. Die langfristigen Auswirkungen von Gehirnerschütterungen auf Sportler in verschiedenen Sportarten - einschließlich Eishockey und American Football - wurden sowohl in den Medien als auch in der medizinischen Gemeinschaft eingehend untersucht.

Die Ergebnisse von Kawata und Kollegen folgen einer wegweisenden Studie, die letztes Jahr im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht wurde und die die Gehirngesundheit schottischer Fußballspieler dokumentierte, die wiederholt unter Gehirnerschütterungen litten. Darüber hinaus hat eine im Januar in JAMA veröffentlichte Studie eine Verschlechterung der Gedächtnisleistung mit wiederholt durchgeführten Kopfbällen beim Fußballspielen in Verbindung gebracht.

Test bestätigt Störungen der Augenbewegung, der Aufmerksamkeit und der Sprache

Für ihre Studie verglichen die Forscher der Indiana University die kognitiven Auswirkungen von Kopfbällen bei 40 Erwachsenen mit denen von 38 Kontrollpersonen, die den Ball nur kickten. Eine JUGS-Fußballmaschine wurde verwendet, um den Ball aus einer Entfernung von ungefähr 12 Metern (40 feet) mit einer Geschwindigkeit von ungefähr 40 Kilometern (25 Meilen) pro Stunde an die Teilnehmer "weitergeben" sollten. Die Teilnehmer jeder Gruppe köpften oder traten den Ball zehnmal.

Die Autoren zeichneten die Kopfbeschleunigung - als Maß für die Belastung des Kopfes - der Teilnehmer jeder Gruppe auf und stellten fest, dass die Kopfbeschleunigung unter den "Kopfball-Spielern" im Vergleich zu den Kickern fast zehnmal höher war. Alle Teilnehmer unterzogen sich unmittelbar nach dem Köpfen oder Treten der Bälle, zwei Stunden später und 24 Stunden später dem King-Devick-Test. Dieser Test kann Störungen der Augenbewegung, der Aufmerksamkeit und der Sprache erkennen. Er kann auch bei der Erkennung einer Gehirnerschütterung hilfreich sein.

Die Autoren stellten fest, dass die Teilnehmer der „Nur-Kicken-Gruppe“ bei allen drei Bewertungen eine bessere Leistung im Test erzielten als die Teilnehmer der „Nur-Köpfen-Gruppe“. Das deutet darauf hin, dass ein durch einen Kopfball erlittenes Kopftrauma die Augenfunktion nachteilig beeinflussen kann.
"Diese Studie schließt eine wichtige Wissenslücke in Bezug auf die akuten Auswirkungen des Köpfens eines Fußballs ", ergänzte Kawata. "Ich denke, es gibt genügend Anhaltspunkte dafür, dass selbst leichte Kopfbälle, wenn sie immer wieder durchgeführt werden, langfristig das Risiko für spätere Hirnstörungen erhöhen können."

Quelle: UPI, JAMA Ophthalmology, New Englang Journal, JAMA




Autor: äin-red