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20.05.2019

Israel: Hohe Komplikationsrate bei ungeplanten Geburten außerhalb des Krankenhauses

Frauen, die außerhalb von Krankenhäusern Kinder zur Welt bringen - und dies ohne richtige Planung -, sind dreimal häufiger von Komplikationen und insbesondere auch vom Tod ihres Kindes bei der Geburt betroffen, im Vergleich zu Müttern, die ihre Kinder in Krankenhäusern gebären. Dies ist das Ergebnis einer israelischen Untersuchung.

Die aktuelle Studie von Prof. Eyal Sheiner und Dr. Tamar Weinstock wurde beim 39. jährlichen Treffen der Society for Maternal-Fetal Medicinal (SMFM) in Las Vegas, Nevada, vorgestellt. Sie bestätigt, was bereits bekannt ist, dass das Krankenhaus die sicherste Umgebung für Geburten ist.

Die amerikanische Vereinigung von Geburtshelfern und Gynäkologen, das American College of Obstetricians and Gynecologist (ACOG), berichtet, dass die Zahl der Hausgeburten in den Vereinigten Staaten bei 35.000 (0,9%) Geburten pro Jahr liegt. Etwa ein Viertel davon ist ungeplant oder erfolgt ohne professionelle Hilfe.

„Frauen, die sich für eine Hausgeburt interessieren, sollten auf der Grundlage der jüngsten Erkenntnisse über ihre Risiken und Vorteile informiert werden. Sie sollten insbesondere darüber Bescheid wissen, dass die geplante Hausgeburt zwar mit weniger Eingriffen als bei einer geplanten Krankenhausgeburt verbunden ist, sie aber auch mit einem mehr als doppelt so hohen Sterberisiko für das Baby (1-2 von 1000) und einem um das Dreifache erhöhtem Risiko für Neugeborene verbunden ist, einen Krampfanfall zu erleiden oder von einer schwerwiegenden neurologischen Fehlfunktion betroffen zu sein (0,4-0,6 von 1000)."

Obwohl das ACOG der Ansicht ist, dass Krankenhäuser und anerkannte Geburtshäuser die sichersten Bedingungen für eine Geburt bieten, hat jede Frau das Recht, eine medizinisch fundierte Entscheidung über die Entbindung zu treffen. Frauen sollten unbedingt darüber informiert werden, dass verschiedene Faktoren für die Senkung der perinatalen Sterblichkeit und die Erzielung günstiger Ergebnisse bei der Hausgeburt entscheidend sind.

Zu diesen Faktoren gehören

  • die objektive Entscheidung, ob Mutter und Kind gute Voraussetzungen für eine Hausgeburt haben und keine Risikogeburt zu erwarten ist;
  • die Verfügbarkeit von einer entsprechend qualifizierten Krankenschwester bzw. Hebamme bzw. eines Arztes
  • zugleich leicht erreichbare Experten, die bei Problemen zurate gezogen werden können und
  • eine gesicherte und zeitnahe Transportmöglichkeit in ein nahegelegenes Krankenhaus.

Eine vorangegangene Fehlgeburt, eine Mehrlingsschwangerschaft oder ein vorangegangener Kaiserschnitt gelten als Kontraindikationen gegen eine Hausgeburt.

Probleme bei der Geburt können aus heiterem Himmel und unerwartet schnell auftreten

In der Regel sind Mutter und Kind gesund. Aber wenn etwas schiefgeht, dann passiert das meistens abrupt. In diesen Fällen können Verzögerungen oder mangelnde Fachkenntnisse zu tiefgreifenden kurz- und langfristigen Behinderungen bis hin zum Tod führen. Wenn erforderliche technische Geräte bereitstehen, um bei Bedarf auch einen Kaiserschnitt durchzuführen, kann dies lebensrettend sein. Jede Sekunde zählt für das Gehirn eines Kindes, wenn es um Sauerstoffmangel geht. Das Warten auf einen Krankenhaustransfer, ohne dass notwendige Interventionen möglich sind, kann den Lebensweg buchstäblich ändern. Können die Vitalfunktionen von Mutter und Kind während der perinatalen Phase nicht in Echtzeit überwacht werden, kann ein sich entwickelndes Problem erst spät erkannt werden, das bei frühzeitiger Diagnose noch leicht behebbar gewesen wäre. Manche Geburtsschwierigkeiten können, wenn sie unbemerkt fortbestehen, potenziell katastrophal enden und zu irreversiblen Schäden führen.

Der ACOG zufolge ist der Preis zu hoch, um bei einer Geburt diese Risikofaktoren in Kauf zu nehmen. Sie denkt, dass der unglaubliche moderne medizinische Fortschritt gleichzeitig Menschen vergessen lässt, wie hoch einst die Sterblichkeitsrate von Müttern und Säuglingen war. Dasselbe gilt fürs Impfen.

Laut ACOG ist klar, dass es immer diejenigen geben wird, die zu Hause gebären wollen, und es ist ihr Recht, dies zu tun. Sie sollten aber umfassende Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, um das Risiko bei der geplanten Hausgeburt zu senken und umfassend informiert zu sein - und die Beseitigung einiger Risiken ist besser als gar keine Vorsorge zu treffen.

Eine gesunde Mutter und ein gesundes Baby sollten das Ziel jeder Entbindung sein.

Quelle: American Council on Science and Health, Ben Gurion University, SMFM's 39th Annual Pregnancy Meeting (Society for Maternal-Fetal Medicine)





Autor: äin-red