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03.08.2022

Kinder wachsen während der Schulzeit schneller als in den Sommerferien

Es ist seit Langem bekannt, dass Kinder in westlichen Ländern im Sommer eher übergewichtig oder fettleibig werden. Ursachen dafür sind Veränderungen in der körperlichen Aktivität und Ernährung der Kinder während der Sommermonate, einschließlich der Sommerferien. Aber in einer neuen Studie in „Frontiers in Physiology“ zeigen Wissenschaftler aus den USA, dass diese „Zunahmetendenz“ im Sommer noch eine weitere unerwartete Ursache hat: Kinder wachsen im Schuljahr schneller als im Sommer.

Und da der Body-Mass-Index (BMI) das Verhältnis von Körpergewicht in kg und Körpergröße in Metern zum Quadrat ist, führt ein schnelleres Wachstum in die Höhe während der Schule zu einem geringeren BMI im Vergleich zum Sommer.

„Wir zeigen die Saisonabhängigkeit des standardisierten Body-Mass-Index (BMIz), wobei Kinder während des Schuljahres im Vergleich zum Sommer schneller an Körpergröße zunehmen“, erklärte Dr. Jennette P. Moreno, Assistenzprofessorin am USDA/ARS Children’s Nutrition Research Center, Baylor College of Medicine in Houston, Texas, und Erstautorin der Studie.
Der BMIz ist ein individueller BMI, der sich am bevölkerungsspezifischen Durchschnitts-BMI orientiert und diesen entsprechend einteilt. Ein BMIz von eins entspricht einem BMI, der eine Standardabweichung über dem Durchschnitt liegt. Wer einen BMIz von 1,04 aufweist, gilt als übergewichtig, und wer einen BMIz von 1,64 hat, gilt als fettleibig.

„Die Gewichtszunahme der Kinder geschah im Laufe des Jahres gleichmäßiger als ihr Größenwachstum, außer bei Kindern, die im Sommer nach Abschluss der zweiten Klasse zu einem ungesunden Gewichtsstatus übergingen“, verdeutlichte Moreno.

Moreno und ihre Kollegen haben die Ergebnisse ihrer Studie aus dem Jahr 2013 statistisch neu analysiert. Die Forscher beobachteten dafür 3588 Kinder, die im September 2005 in den Kindergarten kamen, an einer der 41 Schulen im unabhängigen Schulbezirk Fort Bend in der Nähe der Stadt Sugar Land in Texas. Sie begleiteten diese Kinder, die zu Beginn fünf bis sechs Jahre alt waren, bis zum Herbst, der fünf Jahre später auf den Abschluss der vierten Grundschulklasse folgte. Die Krankenschwestern maßen die Größe und das Gewicht jedes Kindes zweimal im Jahr, Mitte September und Mitte April.
Die Autoren teilten die Kinder in fünf „BMI-Verlaufsgruppen“ ein, basierend auf ihrem BMIz-Verlauf während der Studie. Es wurden 22,6% der Kinder als „chronisch übergewichtig oder fettleibig“, 8,2% als „normalgewichtig“, 8,5% als „spät übergewichtig oder fettleibig“, 8,2% als „frühzeitig übergewichtig oder fettleibig“ und 52,5% als „mit anhaltend gesundem Gewicht“ eingestuft. Ein früher Beginn des Übergewichts wurde als Übergang zu einem überdurchschnittlichen BMIz beginnend im Sommer nach dem Kindergarten definiert. Ein später Beginn von Übergewicht wurde als Beginn des Übergangs zu Übergewicht im Sommer nach der 2. Klasse festgelegt.

Größenwachstum anscheinend saisonabhängig

Die Körpergröße der Kinder nahm im Laufe des Schuljahres um eine durchschnittliche Ratendifferenz von 0,055 cm/Monat schneller zu als im Sommer. Infolgedessen zeigen Diagramme für das lineare Wachstum über die Zeit – korrigiert um andere Variablen – ein gezacktes Muster mit Spitzen im Frühjahr und Tälern im Herbst. Dieses Defizit im Größenwachstum über den Sommer war am größten bei „chronisch übergewichtigen oder fettleibigen“ Kindern mit insgesamt etwa -0,1 cm/Monat weniger Wachstum über den Sommer als über das Schuljahr.

Rate der Gewichtszunahme unterschied sich nicht zwischen den Jahreszeiten

Die Rate der Gewichtszunahme unterschied sich nicht zwischen den Jahreszeiten. Aber wenn Größe und Gewicht zusammen für den BMIz berechnet wurden, ergaben sich für den BMIz im Sommer die höchsten Werte, während die Wahrscheinlichkeit, übergewichtig oder fettleibig zu werden, jeden Sommer stark zunahm.

„Trotz des Musters des Wachstums in die Höhe, das während des Schuljahres eine stärkere Zunahme der Körpergröße zeigt, beeinflusste die Größenzunahme der Kinder den BMIz während des Sommers stärker als während des Schuljahres, wobei die Gewichtszunahme während des Schuljahres konstant blieb“, verdeutlichte Co -Autorin Prof. Dr. Debbe Thompson, eine USDA/ARS-Forschungsernährungswissenschaftlerin und Professorin am USDA/ARS Children's Nutrition Research Center am Baylor College of Medicine.

"Diese unterschiedliche saisonale Auswirkung von Größe und Gewicht auf den BMIz führt zu einem gesünderen BMIz-Status während des Schuljahres."
Was die starke Saisonalität des Größenwachstums verursacht, ist noch nicht klar. „Es ist möglich, dass die Anforderungen des Schuljahres die Exposition der Kinder gegenüber dem täglichen Licht-Dunkel-Wechsel verändern, was zu dem saisonalen Muster in der Körpergröße führen kann. Zusätzliche Beobachtungen von Kindern, die das ganze Jahr über zur Schule gehen, könnten helfen, diese Frage zu beantworten“, hoffte Mit-Autor Prof. Dr. Craig A. Johnston, außerordentlicher Professor am Department of Health and Human Performance der University of Houston.

„Klar ist, dass Kinder mit dem größten Risiko, übergewichtig und fettleibig zu werden, einen weniger ausgeprägten saisonalen Einfluss der Größenzunahme auf den BMIz haben, was darauf hindeutet, dass sie das ganze Jahr über von Bemühungen zur Vorbeugung von Fettleibigkeit profitieren würden“, schloss Johnston.

Quellen: medicalXpress, Frontiers in Physiology


 

Autor: äin-red