Kinder- & Jugendärzte im Netz

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19.07.2018

Kinder- und Jugendärzte zur Diskussion um Notaufnahmen: "Viele Fälle gehören nicht in die Notaufnahmen. Wir brauchen endlich umfassende Gesundheitsbildung ab der Kita."

"Gesundheit darf nicht vom Geldbeutel abhängen, das ist klar. Aber so wie es bisher in den Notaufnahmen, auch in denen der Kinderkliniken zugeht, darf es nicht weitergehen!" Mit diesen Worten bezog heute Dr. Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte Stellung zur aktuellen Diskussion um überlaufene Notaufnahmen.

Dr. Thomas Fischbach weiter: "Fakt ist, dass viele Eltern ihre Kinder mit Bagatellerkrankungen wie Mückenstichen, Schnupfen oder einem 'umgeknickten Fuß' in der Notaufnahme vorstellen. Diese Eltern haben oft keinerlei Gesundheitskompetenz, sie sind unsicher und können den Zustand ihres Kindes nicht einschätzen, oft sind sie nicht einmal in der Lage, ihrem Kind Fieber zu messen und sich damit ein objektives Bild zu verschaffen vom Zustand ihres Kindes; viele nutzen aber auch die Notaufnahme als Arztpraxis mit verlängerten Öffnungszeiten. Weil es bequem ist, nach Feierabend oder am Wochenende zum Kinder- und Jugendarzt zu gehen, weil zum Beispiel der Partner dann zu Hause auf die anderen Kinder aufpassen kann. Ein Krankenhaus ist aber kein Online-Kaufhaus mit 24/7-Service. 'Normal kranke' Kinder gehören nicht ins Krankenhaus. Viele Eltern machen sich nicht klar, dass ihr fieberndes Kind nachts im Bett und umsorgt von ihnen viel besser aufgehoben ist als im Krankenhaus, wo dann viel und auch unangenehme Diagnostik betrieben wird und das Kind am Ende vielleicht sogar eingewiesen wird, weil ein junger Arzt auf 'Nummer sicher' gehen will. Als Kinder- und Jugendärzte erleben wir in unseren Praxen immer wieder, wie solche nächtlichen Notaufnahmen Kinder traumatisieren. Bei der nächsten Vorsorge sind sie dann überängstlich und machen nicht mit.

Gesundheitskompetenz schulen

Aus Sicht des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte wäre es wichtig, endlich Gesundheitserziehung als festen Baustein im Kita-Curriculum und als festes Fach in der Schule zu etablieren. Ebenso sollten die Kassen mehr Elternschulungen anbieten, in denen sie Basiswissen zur Kindergesundheit und erste Hilfe-Maßnahmen vermitteln.

Notfallpraxennetz ausbauen

Wir brauchen flächendeckend Notfallpraxen, wo niedergelassene Ärzte an die Krankenhäuser angedockt sind. Dort chequen Allgemeinärzte und Pädiater, wer sofort behandelt werden kann und wer weitervermittelt wird ins Krankenhaus.

Und wir müssen die Rufnummer 116117 bekannter machen. Dort können Patienten in medizinischen Notfällen seit Anfang 2018 mit einem Hausarzt verbunden werden. Der entscheidet, ob ein akuter Notfall vorliegt oder ein Besuch am nächsten Tag beim Hausarzt ausreicht. Das entlastet nach und nach die Notaufnahme ñ und macht Strafgebühren überflüssig.

Eine Strafgebühr kann nur das letzte Mittel sein, um die Notfallambulanzen zu entlasten. Wer jetzt dagegen wettert, sollte bedenken, dass durch vielen Bagatellerkrankungen ernsthaft kranke Menschen oft länger als nötig warten müssen. Und dass die Behandlung der Bagatellerkrankungen an Wochenenden und in der Nacht viel Geld kosten. und dieses Geld bezahlen die Versicherten."
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Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V. Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.kinderaerzte-im-netz.de. Bei Veröffentlichung in Online-Medien muss die Quellenangabe auf diese Startseite oder auf eine Unterseite des BVKJ-Elternportals verlinken. Fotos und Abbildungen dürfen grundsätzlich nicht übernommen werden.

Autor: äin-red