Kinder- & Jugendärzte im Netz

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18.11.2019

Kinder- und Jugendärzte widersprechen bvmd und Deutscher Hochschulmedizin: "Der Kinder- und Jugendärztemangel ist längst Realität. Wir brauchen mehr Medizin-Studienplätze."

Die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland und die Deutsche Hochschulmedizin behaupten, in Deutschland keinen Ärztemangel, sondern ein Verteilungsproblem gebe. Eine Aufstockung der Studienplätze sei unnötig. Der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Dr. Thomas Fischbach, nahm heute in Berlin Stellung zu dieser Behauptung.

"Wer den Ärztemangel leugnet, sollte sich mal einen Tag in eine ganz normale Kinder- und Jugendarztpraxis setzen. Meine Kolleginnen und Kollegen arbeiten jetzt, in der Infektzeit, oft zwölf und mehr Stunden am Tag, um kranke Kinder und Jugendliche zu versorgen. Vorsorgen und Impfungen müssen sie teilweise ins nächste Jahr verlegen. Der Grund: Deutschland erlebt seit einigen Jahren einen fast historischen Babyboom. Auch 2018 sind wieder mehr Kinder als im Vorjahr zur Welt gekommen - insgesamt fast 788.000.  Ihre medizinische Versorgung wird  immer schwieriger, vor allem in den Randlagen der Städte und auf dem Land müssen Kolleginnen und Kollegen heute schon oft Patienten abweisen. Der Grund: in der Vergangenheit wurden zu wenig Ärzte ausgebildet. Gleichzeitig haben wir immer mehr chronisch kranke und schwer kranke Kinder, die Medizin wird immer komplexer. Wenn die Politik nicht bald mehr Medizinstudienplätze schafft, bedeutet das in Zukunft: Noch längere Wartezeiten und vor allem auf dem Land weniger Ärzte und entsprechend lange Wege für Eltern und Kinder bis zur nächsten Praxis.

Warum es zu wenig Kinder- und Jugendärzte in Deutschland gibt

Der Bedarf an Kinder- und Jugendärzten wurde berechnet, als niemand den aktuellen Babyboom ahnte. Außerdem: Wir niedergelassenen Kinder- und Jugendärztinnen übernehmen immer mehr die Versorgung, die früher in den Kliniken geleistet wurde. Wir versorgen Kinder und Jugendliche mit Herzfehlern, schweren Allergien und Lungenkrankheiten, Rheuma etc. Dadurch fehlen Ressourcen für die medizinische Grundversorgung von Kindern und Jugendlichen. Und dann ist unser Berufsstand inzwischen überaltert. In den nächsten fünf Jahren werden ein Viertel aller Kinder- und Jugendärzte in den Ruhestand gehen. Praxen schließen heute schon, weil sie keine Nachfolger mehr finden, die bereit sind, 50 bis 60 Wochenarbeitsstunden zu arbeiten. Die junge Ärztegeneration verlangt - zu Recht - familienkompatible Arbeitszeiten. Wir brauchen daher deutlich mehr Kinder- und Jugendärzte als heute, wenn wir die Qualität der Gesundheitsversorgung halten und weiter verbessern wollen. Es müssen also deutlich mehr junge Mediziner in unserem Fach ausgebildet werden. Wir halten es für einen Skandal, dass junge Menschen heute in Ungarn und anderen Ländern Medizin studieren müssen, weil sie hier keinen Platz bekommen. Wer im Ausland studiert, muss dafür viel Geld bezahlen und wird später sicher nicht den Weg in die Praxis finden. Denn auch dies ist zunächst einmal mit hohen Kosten verbunden.

Um die medizinische Versorgung der Kinder und Jugendlichen zu sichern, brauchen wir mehr Studienplätze in Deutschland. Vor der Wiedervereinigung gab es insgesamt rund 13.500 Studienplätze in West- und Ostdeutschland. Nach der Wende sank die Zahl teilweise auf unter 10.000 bundesweit und lag 2018 schließlich bei rund 11000. Das ist deutlich zu wenig. Experten und sogar das Bundesgesundheitsministerium schätzen, dass wir mindestens 15.000 Studienplätze brauchen, um die Qualität der medizinischen Versorgung zu sichern.

Bund und Länder müssen den Ausbau der Medizinstudienplätze gemeinsam stemmen. Nur so können wir die ärztliche Versorgung sicherstellen. Anders der bvdm behauptet, kommen die Mehrausgaben sehr wohl den Patientinnen und Patienten zu Gute und sind daher im höchsten Maße gerechtfertigt."
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Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ). Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.kinderaerzte-im-netz.de. Bei Veröffentlichung in Online-Medien muss die Quellenangabe auf diese Startseite oder auf eine Unterseite des BVKJ-Elternportals verlinken. Fotos und Abbildungen dürfen grundsätzlich nicht übernommen werden.

Autor: äin-red