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08.03.2019

Kinder- und Jugendärzte fordern: Weg mit der gezuckerten Schulmilch!

NRW ist inzwischen das letzte Bundesland, in dem Schulkinder Kakao bekommen. Dies ist inakzeptabel und muss schleunigst abgestellt werden, fordert der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

© Sima - Fotolia.com

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"Zucker trägt mit bei zur Adipositasepidemie und damit zu den lebensverkürzenden Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes und orthopädische Erkrankungen," so Dr. Josef Kahl, Pressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, heute in Düsseldorf. "Schulen sollten Vorreiter bei der Erziehung zu einem gesunden Lebensstil sein. Stattdessen tragen sie mit gezuckerter Milch dazu bei, Kinder an Süßes zu gewöhnen. Das ist unverantwortlich. Es widerspricht zudem den offiziellen, von der Bundesregierung initiierten Qualitätsstandards für Schulverpflegung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Die EU fördert mit 250 Mio. Euro pro Jahr eine gesunde Verpflegung in Europas Schulen und Kitas. Zu Beginn des Schuljahres 2017/18 wurden die Förderkriterien noch stärker an gesundheitlichen Zielen ausgerichtet. Seither sollen nur noch Nahrungsmittel bezuschusst werden, die keine Zusätze von Zucker, Salz, Fett und Süßungsmitteln enthalten.

Deutschland bekam für sein Schulmilch-Programm allein 2016/17 aus dem EU-Fördertopf Zuschüsse in Höhe von 10,5 Millionen Euro. Alle deutschen Bundesländer außer NRW haben die Schul- und Kita-Verpflegung mittlerweile der neuen Ausrichtung aus Brüssel angepasst: Kakao und andere gezuckerte Milchgetränke wurden aus dem Förderprogramm gestrichen. Nur NRW bleibt bislang mit Hilfe einer landesrechtlichen Sonderregelung bei der gezuckerten Schulmilch und fördert damit den gesundheitsschädlichen Zuckerkonsum und damit auch die Fehlernährung von Kindern und Jugendlichen. Das Argument, gerade ältere Kinder tränken keine Milch, sondern nur Kakao und kämen häufig auch ohne Frühstück zur Schule, kann nicht dafür herhalten, Kakao anzubieten. Die Landesregierung sollte stattdessen helfen, allen Kindern und Jugendlichen eine ausgewogene und gesunde Ernährung zu ermöglichen, zum Beispiel durch die Ausweitung des Schulobst- und  gemüseprogramms auf alle Schulen, durch ein verbindliches ausgewogenes und frisches Mittagsangebot nach DGE-Standards und durch ein ergänzendes ausgewogenes und frisches Frühstücksangebot in Kitas und Schulen in Kommunen und Stadtteilen, wo viele Kinder in prekären sozialen Verhältnissen leben.

Diese Maßnahmen würden zur Gesundheit der nordrhein-westfälischen Kinder beitragen, nicht aber gezuckerte Schulmilch."
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Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V. Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.kinderaerzte-im-netz.de. Bei Veröffentlichung in Online-Medien muss die Quellenangabe auf diese Startseite oder auf eine Unterseite des BVKJ-Elternportals verlinken. Fotos und Abbildungen dürfen grundsätzlich nicht übernommen werden.

Autor: äin-red