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27.04.2008

Kinder richtig loben

Wenn wir ein Kind loben, kann unsere Formulierung entweder bestimmt sein (z.B. “Du hast gut gezeichnet”) oder allgemein (z.B. “Du bist ein guter Zeichner”). Kalifornischen Wissenschaftlern zufolge kann dieser feine Unterschied von großer Bedeutung für die Motivation von Kindern sein, wenn etwas misslingt...

Dr. Andrei Cimpian und Kollegen von der Universität Stanford in Kalifornien untersuchten, ob sich die Wortwahl beim Loben auf das Verhalten von kleinen Kindern auswirken kann. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass Kinder in der Folge unterschiedlich reagierten, je nachdem ob bestimmte Leistungen der Kinder oder ihre Talente gelobt wurden. Dazu spielten die Forscher mit 24 vierjährigen Kindern eine Art Zeichnenspiel. Sie befahlen den Kindern, bestimmte Gegenstände zu zeichnen. Die Kinder mussten dann so tun, als ob ihre Puppe die Zeichnungen anfertigt.

Die ersten vier Zeichnungen der kleinen Teilnehmer bzw. ihrer Puppen lobten die Wissenschaftler. Dabei wurde die Hälfte der Kinder allgemein gelobt, d.h., als gute Zeichner bezeichnet. Die anderen Kinder wurden dagegen nicht allgemein gelobt, d.h., die Forscher erklärten ihnen, dass sie ein gutes Bild von dem Gegenstand gemacht hätten.

Bei den nächsten zwei Zeichnungen behaupteten die Forscher, dass die Puppen der Kinder nicht korrekt gezeichnet hätten (z.B., dass sie Räder auf einem Bus oder die Ohren auf einer Katze ausgelassen hätten). Damit wollte sie sehen, wie die Kinder auf Kritik reagierten.

Das Ergebnis: Die Kinder, denen früher erzählt worden war, sie bzw. die Puppen seien gute Künstler, konnten schwer mit Kritik umgehen. Sie verloren das Interesse an der Zeichnung und fanden keine Strategien, um Fehler in ihrem Werk zu korrigieren. Im Gegensatz dazu konnten Kinder, deren einzelne Werke positiv beurteilt wurden, besser mit Fehler umgehen und fanden Lösungsstrategien, um die “misslungenen“ Zeichnungen richtigzustellen.

Die Forscher raten Eltern deshalb, Kinder immer konkret für das zu loben, was sie geleistet haben und sie nicht allgemein als talentiert für etwas zu bezeichnen, denn das lässt sie an eine stabile Fähigkeit glauben, wie z.B. eine künstlerische Begabung. Dieser Glaube geht verloren, wenn sie mit einem Versagen oder Kritik konfrontiert werden. Anerkennen Eltern eine spezielle Leistung, dann fällt es Kindern leichter, erfinderisch bei Problemlösungen zu sein, ohne das Selbstvertrauen zu verlieren.

Autor: äin-red