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18.12.2020

Kinder mit Weißkittel-Bluthochdruck neigen möglicherweise im Verlauf der Zeit zu Bluthochdruck

Auf einem virtuellen Kongress der American Heart Association „Hypertension 2020“ im September 2020 stellten Forscher Daten vor, die darauf hindeuten, dass Kinder mit Weißkittel-Bluthochdruck, d.h. einem Bluthochdruck, der sich nur in der Nähe des Arztes bzw. in einer Arztpraxis entwickelt, später ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck haben.

© Kzenon - Fotolia.com

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Kinder und Jugendliche, bei denen Weißkittel-Bluthochdruck auftritt, ein erhöhter Blutdruck in der Arztpraxis, könnten laut einer aktuellen amerikanischen Untersuchung möglicherweise später dauerhaft Bluthochdruck (Hypertonie) entwickeln. Die Wissenschaftler sind deshalb der Meinung, dass es wichtig sei, diese Art des Bluthochdrucks bei Kindern ernst zu nehmen und Nachuntersuchungen vorzunehmen und evtl. den Blutdruck zuhause überwachen zu lassen.

Zwar gibt es bisher viele Daten zu Weißkittel-Bluthochdruck bei Erwachsenen, es ist jedoch nicht viel darüber bekannt, wie sich ein Weißkittel-Bluthochdruck bei Kindern verhält.

"Hypertonie tritt in der Pädiatrie immer häufiger als Folge der Verbreitung von Übergewicht bei Kindern auf", erklärte der Studienautor Yosuke Miyashita, M.D., M.P.H., Assistenzprofessor für Pädiatrie an der School of Medicine der University of Pittsburgh. „Es gibt Daten, die darauf hindeuten, dass Erwachsene mit Weißkittel-Bluthochdruck ein höheres Risiko für Bluthochdruck haben und ein mittleres Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis wie einen Herzinfarkt. Wir wissen nicht, ob dies bei Kindern der Fall ist. Dies ist die erste mir bekannte Studie in der Pädiatrie, in der untersucht wird, ob Weißkittel-Bluthochdruck bei Kindern zu einem anhaltenden Bluthochdruck führt."

Miyashita und Kollegen untersuchten 101 Kinder mit einem Durchschnittsalter von 14 Jahren. Die Ärzte hatten bei diesen Kindern zunächst eine Weißkittel-Hypertonie diagnostiziert, weil ihr Blutdruck in den Arztpraxen ungewöhnlich hoch war, bei der ambulanten Blutdrucküberwachung jedoch normal war, wenn bei den Kindern mithilfe eines speziellen Blutdruck-Messgeräts der Blutdruck zuhause 24 Stunden lang zu Hause überwacht wurde.

Durchschnittlich ein Jahr später kontrollierten die Experten den Blutdruck der gleichen Kinder mit demselben Gerät zuhause. Die Forscher fanden heraus, dass 18% der Kinder nun Bluthochdruck entwickelt hatten und 32% Vorstufen von Bluthochdruck.

"Ungefähr die Hälfte der Kinder mit einer anfänglichen Diagnose einer Weißkittel-Hypertonie zeigten bei der Nachuntersuchung einen nicht normalen Blutdruckwert zuhause", so Miyashita. „Dies verdeutlicht, dass die Diagnose eines Weißkittel-Bluthochdrucks möglicherweise nicht so harmlos ist, wie bisher angenommen, und dass diese Kinder weiterhin sorgfältig überwacht werden sollten. Um diesen Befund zu bestätigen, sind noch größere prospektive Studien an Kindern erforderlich.“

Quelle: AHA, Medscape




Autor: äin-red